Die Wertschätzung von guten Taten

﷽ 

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.

Liebe Geschwister im Islam,

Thema unserer heutigen Predigt ist die Wertschätzung von guten Taten.

Wir sollten und dürfen die Wirkung und Belohnung für gute Taten und rechtschaffene Werke nie unterschätzen, unabhängig davon wie klein diese uns manchmal erscheinen mögen.

In einem durch den Prophetengefährten Abu Thar überlieferten Hadith heißt es sinngemäß:

Vernachlässige und geringschätze die Belohnung einer guten Tat nie, so dass du diese nicht verrichtest, auch wenn es darum geht, deinem Mitmenschen mit einem Lächeln zu begegnen“

Dieser Hadith verdeutlicht uns die Großartigkeit des Islam. Selbst für ganz normale Taten, die keiner besonderen Mühe oder Aufwand bedürfen, werden wir von Allah (subhanahu wa ta’ala) großzügig belohnt, selbst wenn der Gläubige manchmal dazu neigt, diese Taten als geringfügig und unwichtig zu erachten.

So könnte es diese kleine gute Tat sein, die dich am jüngsten Tag ins Paradies rettet. Gleichwohl darf der Gläubige auch die Strafe und die Auswirkung von vermeintlich kleinen Sünden und schlechten Taten nicht vernachlässigen oder unterschätzen, denn diese kleine Sünde könnte einen ins Höllenfeuer bringen.

So wird über eine Prostituierte aus den Zeiten von Banu Israel berichtet, die eines Tages einen Hund fand, der am verdursten war. Dieser Hund tat ihr Leid und sie zog daraufhin ihren Stiefel aus und gab dem Hund darin Wasser. Für diese Tat wurden ihr bei Allah (subhanahu wa ta’ala) alle ihre Sünden vergeben.

Hingegen wird in einem anderen, durch Ibn Omar überlieferten, Hadith sinngemäß berichtet, dass eine Frau am jüngsten Tag mit dem Höllenfeuer bestraft wird, weil sie eine Katze bei sich eingesperrt hatte, bis die Katze verstarb. Die Frau gab der Katze weder zu Essen, noch zu Trinken, noch ließ sie die Katze hinaus, um sich selbst zu versorgen.

Allah (subhanahu wa ta’ala) sagt im edlen Quran in Surat Al-‘Anbyā’ (in der ungefähren Übersetzung):

21_94

Wer etwas an rechtschaffenen Werken tut und dabei gläubig ist, der wird für sein Bemühen nicht Undank ernten; Wir schreiben es ihm gut.” (21:94)

Liebe Geschwister,

da wir nicht wissen, welche unsere Taten von Allah (subhanahu wa ta’ala) angenommen werden und welche nicht, sollten wir auch jede vermeintlich kleine gute Tat nicht vernachlässigen und uns um ihre Verrichtung kümmern.

Ein Beispiel für rechtschaffende Taten finden wir in Zubeida, der Frau des Kalifen Harun Al Raschid. Als sie die Pilgerfahrt in Mekka verrichtete, bemerkte sie dass die Pilger Trinkwasser über weite Strecken tragen mussten und dies ihre Pilgerfahrt erheblich erschwerte. Daraufhin beschloss sie nach der Hadj in Mekka zu bleiben und sich um die Trinkwasserversorgung der Pilger zu kümmern. Noch bis zum heutigen Tage – 11 hundert Jahre später – trinken die Pilger aus den selben Trinkwassereinrichtungen, die Zubeida einst etablierte.

Besonders nachhaltige gute Taten sind bei Allah (subhanahu wa ta’ala) sehr beliebt und sichern den Tätern das Wohlwollen Allahs, (in schā’a llāh).

Aber auch gute Taten, welche klein anfangen und mit der Zeit zu etwas größerem heranwachsen, wie bei einem Butterfly Effect, sind besonders segensreich.

Im Leben unseres geliebten Propheten Muhammad (ﷺ) finden sich zahlreiche Beispiele von einfachen Handlungen, die jedoch die Aufmerksamkeit und die Herzen der Menschen eroberten und sie auf den geraden Weg des Glaubens brachten.

Aber auch in unserer Zeit finden sich schöne Beispiele dafür, wie es vor einigen Jahren in den USA geschah. Dort betrat ein Dieb ein Geschäft und wollte den Eigentümer bestehlen. Doch der Besitzer war vorbereitet und konnte den Dieb überwältigen und festhalten. Der Besitzer fragte den Dieb, warum er stahl und Überfälle verübt, der Dieb antwortete, dass er Geld brauchte, um für seine Kinder Essen kaufen zu können. Der Ladenbesitzer gab ihm daraufhin 50 Dollar und Brot für seine Kinder. Der Dieb wunderte sich über dieses Verhalten. Anstatt ihn zu schlagen, einzusperren und die Polizei zu rufen, hat dieser Mann ihm sogar geholfen. In dem Gespräch mit dem Ladeninhaber erfuhr der Dieb, dass der Besitzer Muslim ist, und sagte daraufhin, dass er auch Muslim werden wolle. Nach 6 Monaten schickte der ehemalige Dieb einen Brief an dem Ladenbesitzer, bedankte sich bei ihm, gab ihm seine 50 Dollar zurück und teilte ihm mit, dass er nun einer anständigen Arbeit nachgehe und sein Geld halal verdient. Dieses Ereignis und das Verhalten des gläubigen Ladenbesitzers sind bei Allah (subhanahu wa ta’ala) mehr wert als 1000 Predigten, denn solche Taten hinterlassen ihre positiven Spuren in unserem Leben und tragen zu einer friedlichen und anständigen Gesellschaft bei, wozu wir Muslime immer verpflichtet sind.

Möge Allah (subhanahu wa ta’ala) uns dabei helfen zum wahren Glauben zu finden, unsere Herzen zu reinigen und uns zum wahren Diener Allahs zu machen,

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.