Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Wasaja des Propheten

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ) Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.

Der Prophet (ﷺ) saß mit seinen Gefährten und fragte sie:

Wer von euch nimmt von mir folgende Worte, indem er sie umsetzt oder anderen beibringt?“ Hierauf antwortete Abu Huraira als erstes und sagte „ich, o Gesandter Allahs“. Daraufhin nahm der Prophet Abu Huraira an der Hand und zählte fünf Punkte auf

Hüte dich vor dem Verbotenen, dann wirst du zu einem wahren Diener Allahs unter den Menschen. Sei zufrieden mit dem, was Allah dir vorgeschrieben hat, dann gehörst du zu den reichsten Menschen. Sei gut zu deinem Nachbarn, dann wirst du ein Moumin sein. Wünsche den Menschen das, was du dir auch wünschst, dann wirst du ein Muslim sein – und achte darauf, dass du nicht übermäßig albern lachst, denn dies tötet die Herzen

(Überliefert von Tirmithi).

Liebe Geschwister im Islam,

gibt es eine Regung von deinem Ego, dass du zu den Glücklichen gehörst, die der Prophet in diesem Hadith erwähnt? Im folgendem werden wir inschaAllah auf die fünf Punkte eingehen.

1. Hüte dich vor dem Verbotenen, dann wirst du zu einem wahren Diener Allahs unter den Menschen.

Hieraus lässt sich ableiten, dass du kein wirklicher Diener Allahs bist, wenn du Seine Verbote nicht meidest! Wir müssen uns vor all dem Fernhalten, was uns Allah und Sein Gesandter Muhamed (ﷺ) verboten haben.

In Surat Al An3am heißt es:

Sag: Kommt her! Ich will euch verlesen, was euer Herr euch verboten hat: Ihr sollt Ihm nichts beigesellen, und zu den Eltern gütig sein; und tötet nicht eure Kinder aus Armut – Wir versorgen euch und auch sie; und nähert euch nicht den Abscheulichkeiten, was von ihnen offen und was verborgen ist; und tötet nicht die Seele, die Allah verboten hat (zu töten), außer aus einem rechtmäßigen Grund! Dies hat Er euch anbefohlen, auf daß ihr begreifen möget. 

Und nähert euch nicht dem Besitz des Waisenkindes, außer auf die beste Art, bis es seine Vollreife erlangt hat. Und gebt volles Maß und Gewicht in Gerechtigkeit. Wir erlegen keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag. Und wenn ihr euer Wort gebt, dann seid gerecht, auch wenn es um einen Verwandten geht. Und haltet euren Bund gegenüber Allah. Dies hat Er euch anbefohlen, auf daß ihr (es) bedenken möget! 

In einem sehr besorgniserregendem Hadith lehrt uns der Prophet (ﷺ) folgendes:

Es werden Völker kommen, die werden am Tage der Auferstehung mit Bergen voller guter Taten kommen – doch wird Allah sie nicht annehmen.“ Einer der anwesenden Gefährten fragte: Sag uns o Prophet (ﷺ), welche Fehler haben sie begangen, damit wir nicht versehentlich die gleichen Fehler begehen und auch wir all unsere Taten verlieren.“ Der Prophet antwortete „Sie sind eure Brüder und von eurer Abstammung. Auch sie verbringen die Nacht im Gebet – so wie ihr es tut. Aber sie sind ein Volk, wenn sie alleine mit den Verboten Allahs sind – dann übertreten sie diese maßlos.

2. Sei zufrieden mit dem was Allah dir vorgeschrieben hat, dann gehörst du zu den reichsten Menschen.

Das bedeutet aber nicht, dass du unbeteiligt dein Leben lebst und dich nicht anstrengst. Eher das Gegenteil lehrt uns unsere Religion, wir sollten stets auf Allah vertrauen UND das unternehmen, was in unserer Macht steht. So lehrte es auch der Prophet (ﷺ) in dem er sagte: „Es ist besser für euch, wenn ihr ein Beil nimmt und damit Holz hackt, es auf den Rücken trägt um es zu verkaufen, als bei den Menschen zu betteln – die euch entweder was spenden oder auch nicht“. Auch der Quran lehrt uns das gleiche – so wurde Maryam, die Mutter von Isaa (Jesus), nach ihrer Entbindung offenbart, als sie erschöpft und entkräftet war, dass sie die Palme schütteln soll, damit wohltuende Früchte auf sie nieder fallen. Jeder der es probiert hat wird wissen, dass es kaum möglich ist eine Palme so zu schütteln, dass ihre Früchte runterfallen – trotzdem offenbarte Allah Maryam, dass sie sich bemühen soll, damit sie die Früchte erhält – auch wenn ihre Mühen nur symbolischer Natur sind. Allah hätte auch die Früchte mit einem Engel auf einem silbernen Tablett an Maryam überbringen können – aber das ist nicht das, was Allah für uns Menschen hier auf Erden vorgesehen hat. Keine Seele wird sterben, bevor sie ihr  vorgeschriebenen Risq erhalten hat und das ihr bestimmte Lebensende erreicht hat.

Und in Surat Al Jumu3a heißt es:

Wenn das Gebet beendet ist, dann breitet euch im Land aus und trachtet nach etwas von Allahs Huld. Und gedenkt Allahs viel, auf daß es euch wohl ergehen möge! 

3. Sei gut zu deinem Nachbarn, dann wirst du ein Moumin sein.

Der Nachbar ist dir manchmal näher als deine Familie. Er sollte teilhaben an deinen Freuden und an deinen Leiden. Der Prophet hob die Stellung des Nachbarn sehr oft hervor. In einem Hadith lehrte er „Wisst ihr, was die Rechte des Nachbarn sind? Wenn er dich um Hilfe bittet, sollst du ihm helfen. Wenn er dich um ein Darlehen bittet, dann leihe ihm etwas. Wenn ihn etwas schlimmes trifft, dann sprich ihm dein Beileid aus. Und wenn er verstorben ist, sollst du an seiner Beerdigung teilnehmen. Auch sollst du dein Haus nicht so hoch errichten, dass du ihm damit Schaden zufügst und die Winde von ihm fern hältst. Du sollst ihn nicht mit dem Geruch deines Essen belästigen – außer, wenn du ihm von dem Essen etwas abgibst. Und wenn du Früchte kaufst, dann schenke ihm etwas – wenn du das nicht tust, dann bringe die Früchte verborgen in deine Wohnung, deine Kinder sollten nicht damit rausgehen um seine Kinder eifersüchtig oder neidisch zu machen“.

SubhanAllah – wer von uns verhält sich so seinem Nachbarn gegenüber??

Der Prophet (ﷺ) wurde über eine Frau befragt, die viele freiwillige Gebete verrichtet, viel freiwilliges Fasten vollbringt und viel spendet – allerdings schade sie ihren Nachbarn mit ihrer Zunge durch übler Nachrede – der Prophet (ﷺ) sagte über diese Frau, dass sie in der Hölle bestraft werde. Und über eine Frau, die wenig fastet, betet oder spendet – allerdings ist sie stets gut zu ihren Nachbarn gewesen  – über diese sagte der Prophet (ﷺ), dass sie im Paradies sei.

Erneut sehen wir, welch hoher Stellenwert der Umgang mit unseren Mitmenschen im Islam hat.

4. Wünsche den Menschen das, was du dir auch wünschst, dann wirst du ein Muslim sein.

Bemerkenswerter Weise heißt es hier „den Menschen“ und nicht dem Muslim! Das sollten vor allem wir hier in Deutschland lebende Muslime verinnerlichen. Mit dieser Aussage will der Islam uns zur Gemeinnützigkeit erziehen – wir Muslime sind nicht so, dass wir unsere Bedürfnisse über die der anderen Menschen stellen – nein, dass was wir uns wünschen, das wünschen wir auch unseren Mitmenschen! In einem ähnlichen Hadith heißt es:

keiner von euch wird Moumin, solange er seinem Bruder nicht das wünscht, was er sich selber wünscht

– die Gelehrten sagen, dass mit dem Wort Bruder nicht nur der Bruder im Glauben gemeint ist, sondern auch der Bruder in der Menschlichkeit! Dazu gehört, dass du den Mitmenschen gegenüber nicht überheblich oder arrogant erscheinst – vielmehr solltest du deinen Mitmenschen wünschen, dass sie Allahs Vergebung und das Paradies erreichen. Wann immer du die Möglichkeit hast, einem Menschen zu helfen, oder von ihren Sorgen nehmen kannst, dann solltest du dies tun.

In Surat Al Nisaa heißt es diesbezüglich:

Und dient Allah und gesellt Ihm nichts bei. Und zu den Eltern sollt ihr gütig sein und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem verwandten Nachbarn, dem fremden Nachbarn, dem Gefährten zur Seite, dem Sohn des Weges und denen, die eure rechte Hand besitzt. Allah liebt nicht, wer eingebildet und prahlerisch ist,(…)

5.  achte darauf, dass du nicht übermäßig albern lachst, denn dies tötet die Herzen.

Hiermit ist übertriebenes albernes, überhebliches oder hämisches Lachen gemeint, wovor uns der Prophet warnt, denn es tötet die Gottesehrfrucht im Herzen und nimmt das Leuchten aus den Gesichtern. Nicht gemeint ist damit, dass der Muslim nur ernst und streng sein muss – im Gegenteil, der Prophet hatte stets ein Lächeln auf den Lippen, für jeden der ihm begegnete. Wovor uns der Prophet (ﷺ) ausdrücklich warnt ist, wenn wir zu Erheiterung der Menschen Lügen berichten und womöglich schlecht über andere reden.

Möge Allah uns helfen, diese Empfehlungen unseren Propheten (ﷺ) umzusetzen.