Die Tugenden des wahren Gläubigen

 

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

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Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.”

In der heutigen Khutba beschäftigen wir uns mit den Tugenden und Eigenschaften der wahren Gläubigen.

Wahre Gläubige vergeuden ihrer Zeit nicht mit Sinnlosem, sondern nutzen ihre Freizeit sinnvoll aus.

So sagt Allah (subhanahu wa ta’ala) im edlen Qur’an in der Sure Al-Furqan:

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Und diejenigen, die die Nacht verbringen, indem sie sich (im Gebet) vor ihrem Herrn niederwerfen und aufrecht stehen.“

In diesem Vers werden vier Eigenschaften des wahren Gläubige genannt, auf die wir im Folgenden näher eingehen wollen.

1. Die wahren Gläubigen sind Menschen, die sich anstrengen und ihre Nächte mit Gebeten verbringen. Dies ist ein Zeichen starken Imans und wird von Allah (subhanahu wa ta’ala) sehr hoch belohnt.

So sagte unser Prophet Muhammad (ﷺ) in einem Hadith (in der ungefähren Bedeutung):

Betet nachts, denn nachts freiwillig und regelmäßig zu beten ist eine Gewohnheit wahrer Gläubigen, bringt euch näher zu Allah und entfernt euch von der Sünde und Üblem. Durch die freiwilligen Nachtgebete werden euch eure Sünden vergeben und Krankheiten von euren Körpern abgewendet.”

Und in einem weiteren Hadith heißt es (in der ungefähren Bedeutung):

Jibril sagte mir: Oh Muhammad, leb so lange du willst, am Ende wirst du sterben, und liebe wenn du willst, du wirst ihn verlassen, mach was du willst, dafür wirst du zur Rechenschaft gezogen und sei dir eins gewiss; Die Ehre des Gläubigen liegt im freiwilligen Nachtgebet und sein Stolz ist seine Unabhängigkeit von anderen Menschen.“

So berichtete Aisha (radiallahu aha), die Frau unseres Propheten Muhammad (ﷺ) davon wie oft und wie lange er nachts gebetet hat. Auch hatte Othman Ibn Affan während des freiwilligen Nachtgebets in einer einzelnen Raka’a den ganzen Qur’an rezitiert.

Abu Huraira hatte die Nächte für freiwillige Gebete in drei Teile aufgeteilt, dabei betete seine Frau das erste Drittel,  im zweiten Drittel betete sein Bediensteter und im letzten Drittel betete er.

Sowohl die Frauen unseres Propheten (ﷺ) als auch die Sahaba kannten den hohen Stellenwert dieser Gebete und verrichteten sie regelmäßig.

2. Die wahren Gläubigen sind Menschen, die sich gegenüber Allah (subhanahu wa ta’ala) als Zeichen von Bescheidenheit und Dankbarkeit niederwerfen.

Allah (subhanahu wa ta’ala) sagt dazu im edlen Qur’an in der Sure Al-Haj:

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Siehst du nicht, dass sich vor Allah (jeder) niederwirft, wer in den Himmeln und wer auf der Erde ist, und (auch) die Sonne, der Mond und die Sterne, die Berge, die Bäume und die Tiere und viele von den Menschen? Und gegen viele ist die Strafe unvermeidlich geworden. Und wen Allah der Schmach aussetzt, der hat niemanden, der ihm Ehre erweist. Gewiss, Allah tut, was Er will.“

Die Niederwerfung ist bei Allah (subhanahu wa ta’ala) besonders beliebt, denn darin bezeugen wir unsere Demut vor unserem Schöpfer. Auch beneidet uns der Sheytan darum, dass uns als Lohn für die Folgeleistung des Aufrufs zur Niederwerfung das Paradies erwartet, während ihm für seinen Hochmut das Höllenfeuer bevorsteht. Weiterhin ist die Niederwerfung ein Schutz für einen sündigen Muslim davor, nicht ewig im Höllenfeuer verweilen zu müssen. Auch ist der Stirnabdruck durch die Niederwerfung am jüngsten Tag ein Zeichen der Gemeinschaft unseres Propheten (ﷺ).

3. Die wahren Gläubigen sind Menschen, die das Praktizieren des Glaubens genießen und ihr Glück darin gefunden haben.

Woran erkennt man aber, dass das Praktizieren unseres Glaubens ein Genuss und keine Last ist? Zum einen finden wir innere Ruhe und Frieden im Gebet und in der Verrichtung von guten Taten. Auch suchen wir bei Kummer und Sorgen im Gebet Zuflucht und sind so sehr darin vertieft, dass wir dabei jegliches Zeitgefühl verlieren und am liebsten im Gebet verweilen. So haben auch die Gelehrten und die Sahaba vor uns das Glück im Gebet im gefunden.

Liebe Geschwister im Islam,

es ist nicht gleich, Gebete und gottesdienstliche Handlungen bl0ß zu verrichten oder diese auch zu genießen. Der eine würde am liebsten die ganze Nacht Tarawih beten, der andere hingegen müht sich ab und kämpft ungeduldig mit sich um den Lohn für das Gebet zu bekommen und will es schnell hinter sich bringen. Unsere Einstellung ist maßgeblich für unseren Erfolg im Ramadan.

4. Die wahren Gläubigen sind Menschen, die über die Pflichtgebete und Ibadat hinaus viele weitere freiwillige Taten konsequent und andauernd verrichten.

Um jedoch auf diese Ebene der Taqwa zu kommen und das Praktizieren zu genießen, sollten folgende Aspekte beachtet werden:

Zur richtigen Verrichtung der Gebete gehört auch der Athan, die Durchführung der korrekten Bewegungen und sich die nötige Zeit für das Gebet zu nehmen. Auch müssen wir die Prioritäten beachten und erst unsere Pflichtgebete auf die Reihe bekommen, bevor uns den freiwilligen Gebeten widmen. Weiterhin ist es hilfreich sich Wissen über das Verhalten der früheren Gelehrten und Sahabis anzulesen und daraus zu lernen. Abschließend müssen wir intensive Bittgebete sprechen, denn Allah (subhanahu wa ta’ala) liebt es, wenn wir uns Ihm zuwenden und Ihn um Beistand bitten.

O Allah gib uns Kraft und hilf uns dabei zu wahren Muslimen zu werden und den Genuss und Dein Wohlwollen im Gebet zu erlangen.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.