Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Verzage nicht, Allahs Hilfe ist nahe!

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten.

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ) Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Liebe Geschwister im Islam,

Allah (subhanahu wa ta’ala) sagt im Quran in ungefährer Bedeutung:

Meinen die Menschen denn, sie würden in Ruhe gelassen werden, wenn sie sagten: “Wir glauben”? Und meinen sie, sie würden nicht auf die Probe gestellt? Wir stellten (schon) diejenigen auf die Probe, die vor ihnen waren. Also wird Allah gewiss die erkennen, die wahrhaftig sind. Und gewiss, Er wird die Lügner erkennen.“

Und Er sagt auch:

Wahrlich, ihr sollt geprüft werden in eurem Gut und an euch selber, und wahrlich, ihr sollt viele verletzende Worte hören(…). Wenn ihr jedoch geduldig und gottesfürchtig seid – dies ist wahrlich ein Zeichen von fester Entschlossenheit.”

Und:

Gewiss Wir werden euch prüfen durch (…) Angst, Hunger und Verlust von Besitz und Menschenleben (…). Doch verkünde den Standhaften eine frohe Botschaft, die bei einem Unglück sagen: Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.”

Thema der heutigen Khutba: Verzage nicht, Allahs Beistand ist nahe!

Liebe Geschwister im Islam,

die Lage unserer Geschwister – die Lage unserer Ummah – verschlechtert sich zunehmend. Seit Jahren sehen und reden wir über das Leid unserer Geschwister und über die Schwäche unserer Ummah und jeder von uns kennt die Sekunden, in denen er der Verzweiflung – über das was geschieht –  nahe ist. Wir sehen die Feinde des Islams und der Muslime an vielen Fronten – sogar sehen wir, wie Muslime ihre eigenen Brüder bekämpfen, demütigen und willkürlich abschlachten – sie rechtfertigen ihre Taten mit den Worten, „dass dies keine echten Muslime seien!“.

Wir sehen über Jahre, wie unsere ehemals gewaltige Ummah – über die Allah im Quran schreibt, dass sie die beste Ummah der Menschheitsgeschichte war – wie sie zerfällt und wie ein kranker Mann hilflos am Boden liegt. Städte wie Bagdad und Damaskus, die einst die Hochburgen von Wissen, Kultur und Zivilisation darstellten, wurden zerstört und bombardiert. Die Menschen dieser Länder fliehen gedemütigt als Flüchtlinge und Asylanten.

Doch liebe Geschwister im Islam, wir Muslime werden niemals aufhören der Wahrheit und der Gerechtigkeit zur Folgen, niemals werden wir verzweifelt aufgeben, egal was die Feinde des Islams an Ränke und Pläne schmieden! Bis zum letzten Atemzug werden wir an diesen Glauben festhalten, auch wenn die gesamte Welt gegen uns steht!

Das was der Islam und seine Gemeinschaft in diesen Jahren durchlebt, hat es bereits mehrfach in der Geschichte der Muslime – sogar vor unserem Propheten Muhamed (ﷺ) – gegeben. Oft wurde in der Geschichte die Frage laut gestellt, ob es mit dem Glauben der Muslime nun zu Ende sei – ob der Islam aus der Welt getilgt worden sei.

Zur Zeiten des dritten und vierten Khalifen durchlebten die Muslime eine ähnlich schwere Zeit. Als dann der Khalifa Othman (auch von sogenannten Muslimen) getötet wurde – und es viele Uneinigkeiten und Feindschaft zwischen den Muslimen gab, dachte der Römische Kaiser, dass nun die Zeit reif wäre, die Muslime Ein für alle Mal zu vernichten und schickte eine gewaltige Kriegsflotte gegen die Muslime aus – doch Allah lies den Großteil dieser Flotte im Meer untergehen.

Auch später gelang es den Feinden des Islams nicht, diesen zu besiegen – obwohl sie dafür alles unternahmen und Jahre lang unter dem Namen der Kreuzzüge Kriege gegen die Muslime führten. Doch erneut ließ Allah das Licht dieser Religion nicht untergehen – und schickte Salah al Din al Ajyubi, mit dem er Al-Maqdis zurückeroberte und die islamische Ummah erblühte und erstarkte von Neuem.

Dann, im Jahre 658 der Hijra (=1259 n. C.),  fielen die Mongolen und die Tataren über das Land der Muslime, sie waren schlimmer als die Tiere, blutrünstig töteten sie jeden und zerstörten alles was ihnen in den Weg kam – sie töteten Frauen und Kinder, verwüsteten Ernten, Weidetiere und Häuser. Sie drangen bis nach Bagdad vor und töteten den abbasidischen Kalifen und zerstörten die Städte und Bibliotheken, die Flüsse färbten sich erst rot, durch das Blut der über Millionen getöteten Muslime – dann färbten sie sich blau, durch die vernichteten Bibliotheken und Bücher.

Sogar die islamischen Geschichtsschreiber gingen in dieser Zeit davon aus, dass der Islam untergangen und besiegt wurde – und dass der Islam von dieser Welt vertrieben wurde. Doch SubhanAllah – es geschah dann das, womit niemand gerechnet hatte. Die Tataren und Mongolen, die so grausam und unerbittlich die Muslime abschlachteten traten scharenweise in den Islam ein und stärkten die islamische Ummah von neuem.

Liebe Geschwister im Islam, der Prophet (ﷺ) lehrte uns bereits, dass diese Ummah – diese Gemeinschaft – niemals komplett untergehen wird, sie wird immer wieder zu ihrer Würde und zu ihrer Stärke zurückfinden, so heißt es in einem Hadith

Allah wird dieser Ummah alle 100 Jahre jemanden schicken, der die Angelegenheiten dieses Glaubens wiederbeleben und stärken wird.“

Und genau so war es auch in den letzten 1400 Jahren in den Angelegenheiten dieser Religion, egal welche Feinde sie bekämpfen wollten – seien es Feinde von außen oder von innen – niemals ist das Licht dieses Glaubens erloschen – und heute ist Anzahl der Muslime höher, als sie jemals gewesen ist – heute gibt es keinen Ort auf dieser Welt, in dem nicht die Schahadah ausgesprochen und gebetet wird.

Auch wenn wir angesichts all des Leids und der Trauer für Sekunden die Hoffnung verlieren – müssen wir uns stets erinnern, dass solche Prüfungen für uns Menschen im Diesseits von Allah vorgeschrieben sind – so wie die Verse es uns Lehren – und das Allah versprochen hat, dass diese Religion niemals untergehen wird.

Das hiesige Leben ist die Zeit der Prüfungen! Unsere Aufgabe ist es, diese Prüfungen so gut wie möglich mit Allahs Wohlgefallen zu meistern, dazu müssen wir an den Grundlagen dieser Religion festhalten: Geduld, Ehrlichkeit, Selbstdisziplin, Nachsichtigkeit. Wir müssen Ablassen von den Fehlern die wir begehen und uns an die Werte unserer Religion besinnen, der Prophet (ﷺ) lehrte in einem Hadith:

Allah wird die Angelegenheiten eines Volkes nicht ändern, bis sie nicht ändern, was in ihrem Inneren ist.”

Möge Allah unseren Geschwistern auf dieser Welt beistehen, diese Ummah einigen und zum Recht leiten.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.