Taqwa als Eigenschaft wahrer Gläubiger

 

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

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Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.”

In der heutigen Khutba widmen wir uns der Taqwa, als Tugend und Eigenschaft des wahren Gläubigen.

Allah (subhanahu wa ta’ala) sagt im edlen Qur’an in der Sure Al-Furqan (in der ungefähren Bedeutung):

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Und sie sind es, die sagen: “Unser Herr, wende von uns die Strafe des Höllenfeuers ab; denn wahrlich, ihre Pein ist eine bedrückende Qual.”

In diesem Vers werden mehrere Punkte genannt auf die wir näher eingehen wollen.

1. Das Wissen über den jüngsten Tag und das Höllenfeuer, welches uns dazu antreibt an uns zu arbeiten. Im Gegensatz dazu gibt es Menschen, die ahnungslos durch das Leben gehen und sich nicht darum kümmern Wissen über das Jenseits zu erlangen. So sagt Allah (subhanahu wa ta’ala) dazu in Sure Az-Zumar (in der ungefähren Bedeutung):

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Ist etwa einer, der sich zu (verschiedenen) Stunden der Nacht in demütiger Andacht befindet, (ob er) sich niederwirft oder aufrecht steht, der sich vor dem Jenseits vorsieht und auf seines Herrn Barmherzigkeit hofft …? – Sag: Sind etwa diejenigen, die wissen, und diejenigen, die nicht wissen, gleich? Allein nur diejenigen lassen sich warnen, die verständig sind.”

In einem durch Abu Huraira überlieferte Hadith des Propheten (ﷺ) heißt es (in der ungefähren Bedeutung):

„Allah (subhanahu wa ta’ala) wendet sich Menschen ab, die eine grobe Umgangsart haben, in Märkten laut brüllen, ihre Nächte –wie Tote- nur mit Schlaf verbringen (ohne zu versuchen mit Nachgebeten Allah (subhanahu wa ta’ala) näher zu kommen),  tagesüber sind sie wie Esel (gemeint ist damit das Benehmen im Umgang mit anderen), wissen viel über das Diesseits (also die Dunja) und sehr wenig über das Jenseits/Akhira“

Liebe Geschwister im Islam, das Wissen über das Jenseits ist der erste Schritt zum Erfolg auf dem Weg Allah’s und seid euch bewusst, dass dies nur erreicht werden kann, wenn ihr in euch ein reines Herz tragt und gottesfürchtig seid.

2. Der feste Glaube an das Jenseits, als könnten wir es sehen, wenn wir davon sprechen.

So gibt es diesbezüglich zwei Sorten von Menschen. Diejenigen, die ihre Aufmerksamkeit voll und ganz der Dunja widmen und das Jenseits für weit weg halten und diejenigen, die begriffen haben, dass das Leben jeden Augenblick zu Ende sein kann.

Allah (subhanahu wa ta’ala) sagt dazu im edlen Quran in der Sure An-Nahl (in der ungefähren Bedeutung):

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Und Allah gehört das Ungesehene der Himmel und der Erde; und was die Stunde anbelangt, so ist sie nur einen Augenblick (entfernt), nein, sie ist noch näher. Gewiß, Allah hat Macht über alle Dinge.”

Unser Vorbild ist dabei unser Prophet Muhammad (ﷺ), der stets folgendes Bittgebet wiederholte:

O Allah, schenke uns das Gute im Dies- und im Jenseits und beschütze uns vor dem Höllenfeuer“

Dieses Bittgebet brachte Muhammad (ﷺ) seinen Gefährten bei und sie sollten es am Ende jedes Gebets wiederholen um das Ziel im Diesseits nicht aus den Augen zu verlieren.

Liebe Geschwister, bereits im Diesseits kann niemand von uns das Feuer aushalten und das Feuer im  Jenseits ist 70 mal heißer! Das kann niemand durchstehen. So gibt Allah uns Hoffnung und verspricht den wahren Gläubigen Abschirmung vom Höllenfeuer.

Die Gedanken an das Höllenfeuer bringen mehrere Vorteile mit sich. Zum Einen stärken diese Gedanken die Taqwa. So spricht Allah (subhanahu wa ta’ala) im edlen Quran in der Sure An-Nāzi`āt (in der ungefähren Bedeutung):

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Was aber jemanden angeht, der den Stand seines Herrn gefürchtet und seiner Seele die (bösen) Neigungen untersagt hat, so wird der (Paradies)garten (ihm) Zufluchtsort sein.

Zum Anderen bemühen wir uns mit diesem Wissen mehr, da uns bekannt ist, dass uns am Ende unseres Lebens entweder das Paradies oder das Höllenfeuer erwartet. Auch treibt uns dies in unseren Gebeten und den Ibadat an und bringt uns dazu die Nächte im Gebet zu verbringen. Ferner ziehen wir uns dadurch regelmäßig zur Rechenschaft und bewerten unsere Taten, bereuen unsere Sünden, versuchen schlechte Taten zu vermeiden  und bitten Allah (subhanahu wa ta’ala) um Vergebung. So heißt es dazu deutlich im Qur’an:

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O die ihr glaubt, fürchtet Allah. Und eine jede Seele schaue, was sie für morgen vorausschickt. Und fürchtet Allah; gewiss, Allah ist Kundig dessen, was ihr tut.”

Liebe Geschwister, wahre Gläubige wiegen sich auch nicht Sicherheit und glauben nicht hochmütig ihr Ziel erreicht zu haben. Sie haben ständig Angst sich nicht ausreichend bemüht zu haben oder dass Allah (subhanahu wa ta’ala) ihre Taten nicht annimmt. Im Qur’an wird dies wie folgt beschrieben:

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und die geben, was sie geben, während ihre Herzen sich (davor) ängstigen, weil sie zu ihrem Herrn zurückkehren werden,”

So erkennen wahre Gläubige die Macht Allahs und Seine Großartigkeit und sehen ihre eigenen Taten dem gegenüber als sehr gering an. Aus diesem Verständnis ziehen sie Taqwa, Hoffnung und Allahs Wohlwollen.

Weiterhin sagt Allah (subhanahu wa ta’ala) im edlen Quran in der Sure Al-Furqan (in der ungefähren Bedeutung):

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Und die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die sanftmütig auf der Erde schreiten; und wenn die Unwissenden sie anreden, sprechen sie friedlich (zu ihnen)”

Abschließen möchten wir mit einen bildhaften Vergleich von dem bekannten Gelehrten Ibn al-Qayyim. Er vergleicht den Weg des Herzens zu Allah (subhanahu wa ta’ala) mit einem Vogel, dessen Kopf die Liebe zu Allah ist, und dessen Flügel jeweils die Hoffnung und Taqwa sind. Sofern diese intakt sind, kann der Vogel fliegen. Verliert der Vogel seinen Kopf, stirbt er. Sollte ein Flügel fehlen, kann dieser Vogel ebenfalls nicht mehr fliegen.

Liebe Geschwister, die Liebe zu Allah (subhanahu wa ta’ala) ist unser rettendes Bootdie Hoffnung ist das Ruder,  Gottesfurcht ist unser Kapitän, und in der Obhut und Fürsorge Allah’s werden wir (in schā’a llāh) ankommen, so ist Allah doch allvergebend, barmherzig und Seine Strafe die Schmerzhafteste.

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O Allah gib uns Kraft zu wahren Muslimen zu werden und weiter an uns zu arbeiten.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.