Freie Übersetzung der Freitagspredigt, Ehe- und Familienleben Teil 8 – Über den Zwang in der Ehe

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß über den, der aus Barmherzigkeit den Weltenbewohnern entsandt wurde, Muhamed (S). 

Liebe Geschwister im Islam,

Wir setzen heute die Reihe zum Thema Ehe im Islam fort und kommen zu einem Gebiet das mit viel Unglück und Leid behaftet ist. Der Islam setzt für eine Ehe die gegenseitige Annahme der Ehepartner und deren Willen zur Ehe voraus. Und doch sind der Zwang zur Ehe und der Zwang in der Ehe in vielen Familien noch üblich und oftmals Ursache für Zerrüttung, Zwiespalt und Schmerz.

Es gibt mehrere Gründe, weswegen auf  Sohn oder Tochter Druck in Bezug auf die Ehe ausgeübt wird. Doch kein einziger Grund findet Rechtfertigung in unserem Glauben. Eine Variante, Druck auf das Kind, und insbesondere auf die Tochter, auszuüben, ist, ihnen die Ehe zu verweigern.

Dabei spricht Allah(t) im Qur´an:

…so haltet sie nicht davon ab, ihre Gatten zu heiraten, wenn sie sich in rechtlicher Weise miteinander geeinigt haben. Damit wird von euch ermahnt, wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt. Das ist lauterer für euch und reiner. Allah weiß, ihr aber wisst nicht.“

So verbietet  Allah (t) den Eltern unmissverständlich, ihre Töchter von der Ehe abzuhalten und macht deutlich, dass es für alle Beteiligten der lautere und reinere Weg ist, wenn sie denjenigen heiraten, der ihnen zusagt sofern er Gottesfurcht und guten Charakter zeigt. Weiterhin belehrt uns Allah (t), dass wir seinen Weisungen folgen sollten, da Er weiss, wohin welche Entscheidung führt, Er ist der Allwissende und der Allumfassende.

Zwang zur Ehe geschieht aus verschiedenen  Motiven. Entweder wird der Tochter die gewünschte Ehe gänzlich untersagt oder aber sie wird gegen ihren Willen verheiratet.

Der Tochter die gewünschte Ehe gänzlich zu verweigern geschieht in der Regel aus materiellen Gründen. Entweder hat es der Vater auf das Einkommen der Tochter abgesehen oder er möchte vom Bräutigam Gelder für sich und seine Familie. Es passiert auch, dass der Vater seine Tochter verheiratet um sich von einer Schuld freizukaufen. So werden aus materiellen Gründen gütige und gottesfürchtige  Bewerber abgewiesen, die der Tochter in Alter und Charakter entsprechen, zugunsten von Bewerbern, die sehr viel älter sind oder deren schlechter Ruf weithin bekannt ist. In diesem Fall haben die Eltern ihre Verantwortung für das Kind missbraucht und nehmen in Kauf, dass sie zeitlebens von ihrem Kind verflucht werden.

Die Tochter gegen ihren Willen zu verheiraten geschieht aus Torheit, falschem Stolz oder falschen Familientraditionen. Entweder soll die Tochter in der Familie bleiben und wird einem Verwandten versprochen, oder man hält nichts von der Herkunft des Bewerbers und weist ihn ab.

Die sogenannte Zwangsehe, liebe Geschwister, ist ein großes Unrecht. Sie kommt einem Verbrechen gleich und ist keinesfalls mit dem Islam vereinbar. 

Der Prophet (sas) sprach:

Verheiratet die Witwen und die Geschiedenen erst, wenn sie es anordnen und verheiratet die Jungfrauen erst, wenn sie gefragt werden“.

Die Frau des Propheten A´icha erzählte, das einst eine junge Frau zu ihr kam und sich beklagte, dass ihr Vater sie ihrem Cousin versprochen hat ohne dass sie dazu befragt wurde. A´icha gebot dem Mädchen zu warten, bis der Prophet wiederkäme. Als dieser (sas) eintraf und davon erfuhr, gebot er dem Vater des Mädchens zu kommen. Diesem trug er daraufhin auf, sich in der Frage der Heirat nach dem Willen der Tochter zu richten. Daraufhin sagte das Mädchen, dass sie sich zwar dem Willen ihres Vaters fügen würde, doch wollte sie mit dieser Aktion ein Zeichen für alle Töchter und ihre Väter setzen.

Oft kommt es auch vor, dass die Eltern zwar weder materielle Absichten in der Verehelichung ihrer Kinder haben noch durch Beziehungen oder Sippschaften sich verpflichtet fühlen, aber so hohe Ansprüche an den Brautwerber stellen, dass kein junger Mensch ihnen gerecht werden kann. Natürlich wollen die Eltern in diesem Fall nur das Beste für ihr Kind. Doch auch hier wird der Wille des Kindes ignoriert und nicht selten verblüht das Kind im Elternhaus- unverheiratet nach einer bestimmten Zeitpunkt ungewollt.

In unserer heutigen Zeit, in der Bildung und Schule einen großen Stellenwert eingenommen haben, ist ein weiterer Grund für die Eltern hinzugekommen, ihre Kinder von der Heirat abzuhalten. Und zwar wird oftmals erwartet, dass der Sohn oder die Tochter zuerst das Studium zu Ende bringen oder die Existenz sichern, bevor sie eine Ehe eingehen.

Doch bei alldem wird übersehen, dass die Ehe in ihren Grundlagen ein persönliches Recht jedes einzelnen ist und die Entscheidung hierüber in erster Linie nur den zwei Beteiligten zusteht.

Möge Allah uns helfen das Gehörte zu verinnerlichen.