Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Kredit und Bürde

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ) Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Liebe Geschwister im Islam,

es kann vorkommen, dass man nicht über die nötigen Mittel verfügt, um sich mit bestimmten oder notwendigen Gegenständen auszustatten, so dass man sich Geld leihen bzw. einen Kredit nehmen muss. Dieser Vorgang ist allerdings eine empfindliche Sache und muss mit großer Vorsicht bedacht werden.

Der Kreditgeber wird unserer islamischen Auffassung nach motiviert und aufgefordert, sich möglichst nachsichtig und großzügig dem Kreditnehmer  gegenüber zu zeigen. Demzufolge lässt eine Überlieferung unseres Propheten (ﷺ) in etwa folgendes verlauten:

Vor eurer Zeit wurde ein wohlhabender Mann zur Rechenschaft gezogen. An guten Taten hatte er nichts vorzuweisen, außer dass er sich unter die Menschen begab, und den Angestellten auftrug, seinen Schuldigern den Kredit zu erlassen. Darauf gebot Allah, diesem Mann das Fehlen von guten Taten zu verzeihen.“

So wie Allah Güte und Nachsicht im Umgang mit Leihgaben gebietet, wird auch der Schuldner eindringlich gewarnt, nachlässig mit seinen Schulden umzugehen. Sobald wieder Zahlungsfähigkeit eintritt, müssen die geliehenen Beträge zurück erstattet werden. Unter diesen Umständen zählt schon das Hinauszögern und Vertrösten zu den großen und unentschuldbaren Sünden.

Folgende Punkte sollten uns stets gegenwärtig bleiben und für das Thema „Kreditnahme“ sensibilisieren:

Der Gesandte Muhammad (ﷺ) verweigerte das Totengebet für einen Menschen, der verschuldet aus dem Leben schied. Er sprach:

Was hilft das Gebet einem Menschen, dessen Seele  der Aufstieg in den Himmel verwehrt bleibt? Das Gebet wird ihm erst nützen, wenn sich jemand bereit erklärt, seine Schulden für ihn zu begleichen.”

Sich  Geld im Bewusstsein zu leihen, dass man dieses nicht zurückgeben wird, kommt einem Diebstahl gleich. Auch hier gilt ein Ausspruch unseres Propheten (ﷺ) in sinngemäßer Wiedergabe:

Absichtlich ein Brautgeld zu versprechen um es nicht zu halten, kommt dem Ehebruch gleich. Und wer Geld leiht und nicht vorhat, es zurück zu geben, ist ein Dieb.“

Andererseits gilt für denjenigen, der die feste Absicht hegt, seine Schulden zu begleichen, dass Allah ihn darin unterstützen wird, seine Schuld zu begleichen.

Allahs Barmherzigkeit und Güte ist unendlich, und Er gewährt die Vergebung aller Sünden. Doch hiervon ausgenommen sind nicht getilgte Schulden. Auch hier sagte der Prophet:

Dem Mätrtyrer wird alles bis auf seine Schulden vergeben.”

Und:

Die Seele des Gläubigen hängt solange an seinen Schulden, bis diese zurück erstattet werden.”

An einer anderen Stelle wird überliefert, dass Muhammad (ﷺ) Zuflucht bei Allah vor der Ungläubigkeit und der Schuld ersuchte. Daraufhin wurde er gefragt, ob denn nicht erstattete Schulden dem Unglauben gleich kämen? Muhammad bejahte.

Über den Nachlass eines Menschen dürfen die Erben erst bestimmen, wenn dessen Schulden daraus beglichen sind, auch wenn das Testament etwas anderes verfügt.

Und letztendlich darf nicht unterschätzt werden, dass Schulden tagsüber Schande und des Nachts Kopfzerbrechen bedeuten. Die Folge sind ein belasteter Geit und eine gefangene Seele. Laut dem Propheten (ﷺ) gilt:

Die Ehre des Gläubigen liegt in seinem nächtlichen Gebet und sein Stolz in seiner Unabhängigkeit.“

Erhaben bist Du, ya Allah, und der Lob ist Dein!

Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Dir allein.

„Unser Herr, bürde uns nichts auf, wozu wir keine Kraft haben. Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser! Du bist unser Schutzherr“.

Amin