Tod

Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Umkehr vor dem Tod?

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ)  Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Liebe Geschwister im Islam,

unsere Khutba an diesem gesegneten Tag beginnt mit zwei Begebenheiten, die mir von jungen Menschen berichtet wurden. Der erste von ihnen erzählte folgendes:

„Ich war auf einer Studienreise in den Vereinigten Staaten Amerikas. Abends suchte ich  wie die meisten in meinem Alter das Vergnügen und ging in entsprechende Lokale. An dem einen Abend verließen wir gerade solch ein Lokal und begaben uns nach Hause. Einen von uns ließen wir zurück, er wollte nachkommen. Doch auch nach Stunden tauchte er nicht auf, so dass wir uns auf die Suche machten. Doch er war nirgends anzutreffen. Der nächste Tag war schon angebrochen, als uns der Gedanke kam, doch mal nach seinem Auto in der Garage zu schauen. Das Auto stand dort mit laufendem Motor, Musik drang aus den Lautsprechern. Wir näherten uns und sahen, wie unser Gefährte mit dem Kopf auf das Lenkrad eingeknickt war. Wir riefen ihn und stellten erschrocken fest, dass er gestorben war. Dieser Moment ließ uns aufwachen und weckte in uns die Sorge um unsere eigenen Seelen und so fanden wir den Weg zu Allah zurück.“ 

Wir bitten Allah, den Allmächtigen, dass er diese Jugendlichen und uns im Glauben festigen, und mit ihrem Gefährten und mit uns Nachsicht üben möge.

Ein anderer junger Mann gab folgende Begebenheit wieder:

„In einer Nacht war ich mit meinem besten Freund und einigen Bekannten unterwegs. Plötzlich rief mich mein Freund. Als ich ihn fragte, was mit ihm los sei, sagte er, dass etwas mit seinem Herzen nicht in Ordnung sei. Zitternd bat er mich, dass ich einen Arzt rufen soll. 

Es waren etwa zwanzig Minuten, die wir auf den Notarzt gewartet haben. In diesen Minuten sagte er: `Ich spüre, dass ich gehe. Das ist das Ende. Ich lasse mein Kind zurück, meine Frau. Ich werde Euch alle verlassen. Ihr werdet mich an jenem Ort ablegen. Dann werdet ihr mich alleine lassen´.  Während ich ihm zuhörte und noch gar nicht so richtig begriff, was mit ihm los war, fing er an, seine Erinnerungen und seine Taten abzuspulen und sich selbst zu rügen und zur Rechenschaft zu ziehen. Ich versuchte ihn zu trösten, doch gleichzeitig ergriff mich ein tiefer Schmerz und auch ich begann, mein Leben zu rekapitulieren und kritisch abzuwägen. Er hauchte seinen letzten Atem aus, kurz bevor der Arzt eintraf, und es kam, wie mein Freund es vorausgesehen hatte. Wir begleiteten ihn auf seinem letzten Gang und ließen ihn allein“.

Liebe Brüder und Schwestern, der Tod ist eine Grundwahrheit, die allen Menschen bewusst ist. Jedem Glücklichen und jedem Traurigen, jedem Reichen und jedem Armen, jedem Großen und jedem Kleinen ist diese Tatsache klar, herrscht Einigkeit über diese eine übermächtige Realität: wir werden sterben.

So sprach der Prophet (ﷺ) :

Gedenkt oft des Todes. Einst warnte ich Euch davor, die Friedhöfe aufzusuchen. Doch nun gehet hin, denn sie sind es, die euch an das Jenseits erinnern“

Der Tod liebe Geschwister, ist ein Moment, dem wir uns alle stellen müssen. Diese zwei Begebenheiten machen uns deutlich, dass es darauf ankommt, wie er uns antrifft: ob wir ein glückliches oder ein unglückliches Ende nehmen. Und sie machen uns auch deutlich, dass er ganz plötzlich und unerwartet kommen kann.

An einer anderen Stelle sprach der Gesandte Allahs (ﷺ):

Jeder von Euch setzt sein Wesen im Bauch seiner Mutter zusammen. Zunächst für vierzig Tage als Samen, dann ebenso als Anhängsel und dann ebenso als Klumpen. Dann wird ein Engel beauftragt den Lebensatem einzuhauchen. Dann wird er beauftragt, vier Eigenschaften festzuschreiben: Sein Besitz und sein Lebensalter und ob glücklich oder  unglücklich. Und bei Allah, außer dem es keine andere Gottheit gibt, Eure taten werden die Taten der Paradiesbewohner sein, bis zwischen Euch und dem Paradies nur ein kurzes Stück bleibt. Doch dann wird das Festgeschriebene vorgreifen und ihr werdet etwas tun, das Euch zum Verhängnis wird. Oder aber Eure Taten werden die des Verderbens sein, bis zwischen Euch und Eurem Untergang nur ein kurzes Stück bleibt. Doch dann greift das Festgeschriebene vor und ihr werdet etwas tun, dass Euch ins Paradies bringt.“

Liebe Brüder und Schwestern, alle Reichtümer und alle Annehmlichkeiten dieser Welt wiegen die Qual eines kurzen Augenblicks im Höllenfeuer nicht auf. Und alles Leid und alles Unglück dieser Welt ist nichts im Vergleich mit einem kurzen Moment in den ewigen Gärten Allahs.

Erhaben bist Du, ya Allah, und alles Lob ist Dein!

Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Dir allein.

„Unser Herr, bürde uns nichts auf, wozu wir keine Kraft haben. Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser! Du bist unser Schutzherr“.

Amin

Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Wünsche im Diesseits/ im Jenseits

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten, Dir danken wir, und Dich ersuchen wir um Hilfe. Deine Vergebung erbitten wir – und bei Dir suchen wir Zuflucht. 

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

jeder Mensch hegt in seinem Leben Wünsche und Träume. Diese variieren je nach Herkunft, Ideologie, Lebensumstände und Gesellschaft, in der das Individuum lebt.

Fragen wir beispielsweise einen Menschen aus ärmlichen Verhältnissen nach seinen Wünschen, so wird er anführen, dass er sich einen Ausstieg aus der Armut wünscht: vielleicht einen gut bezahlten Job, mit Sicherheit Geld, ein Haus und einen würdigen Wagen, gute Kleidung und was sonst noch alles zu einem Leben in Reichtum gehört.

Fragen wir einen Kranken, dem weder das Aufstehen noch der Genuss vergönnt sind, was er denn am liebsten hätte, so wird er antworten, dass er sich nichts sehnlicher wünscht, als seine Genesung. All sein Hab und Gut würde er dafür geben, wieder nach Lust und Laune spazieren und seine Freiheit auskosten zu dürfen.

Fragen wir einen jungen Mann, der noch in der Ausbildung steckt, nach seinen Träumen und seinen Zielen, wird er aufführen, dass er seine Prüfungen zu bestehen, eine gute Anstellung, eine angemessene Wohnung und eine treue Ehepartnerin an seine Seite zu finden wünscht.

Und fragen wir einen Geschäftsmann, den Manager eines erfolgreichen Unternehmens beispielsweise nach seinen Zielen, was wohl wird seine Antwort sein? Natürlich noch mehr Wachstum und noch mehr Gewinne und ein noch höheres Gehalt….

Es bleibt ein menschliches Gesetz, dass derjenige, der wenig hat, niemals zufrieden und derjenige, der viel hat, niemals satt wird. Die weltlichen Sehnsüchte werden niemals versiegen. Unser Prophet (sas) sprach zu recht: „Hätten die Kinder Adams einen Palmenhain, so würden sie sich noch einen wünschen. Dann würden sie sich noch einen wünschen. Und dann noch einen, bis sie sich viele Palmenhaine wünschten. Und nichts wird ihren Rachen stopfen können außer der Erde, die schließlich über sie geschüttet wird.“

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

es sind die Wünsche und Ziele, die die Existenz des Menschen bestimmen. Ihnen hängt er zeit seines Lebens hinterher. Und dem ein oder anderen, der hartnäckig daran arbeitet, mag Allah sogar zur Verwirklichung seiner Träume verhelfen…

Doch heute blicken wir auf eine große Gruppe von Menschen, die ihre Wünsche nicht umsetzen können.  Wer sind jene Menschen deren Anträge unbearbeitet und deren Träume unerfüllt bleiben? Warum werden ihre Rufe nicht erhört? Können wir ihnen helfen? Ihr Leid lindern?

Diese Gruppe liebe Geschwister sind Geiseln ihrer Taten, sind vergessene Reisende ohne Wiederkehr. Es sind die Verstorbenen, über die wir heute sprechen.

Was sind nun die Wünsche der Verstorbenen, über die wir keine Nachrichten erhalten? Wer kann uns Kunde bringen über das, was sie beschäftigt?  Lasst uns einen Blick werfen auf jenes vergessene Volk der Wartenden im Stadium zwischen Dies- und Jenseits, die bereits einen Blick auf die lichte und auf die dunkle Seite des Jenseits werfen durften, die der Engel Allahs gewahr wurden, die den Zusammenhang von Diesseits und Jenseits begriffen haben und die erkannt haben, dass der Tag des Jüngsten Gerichts Tatsache ist und kommen wird.

Werden sie sich wünschen, wieder auf die Erde kommen zu dürfen, um Spaß zu haben? Um sich an dem, was die Erde bietet, zu berauschen und in vollen Zügen einmal noch auszukosten? Um noch weitere Reichtümer anzuhäufen? Werden sie wieder kommen wollen, um zu feiern? Um den ultimativen Kick zu erleben? Was werden sie sich wünschen, jene, die das Leben hinter sich gelassen und einen Blick auf das Leben nach dem Tod geworfen haben?

Lasst uns schauen, liebe Schwestern und Brüder, was uns unser Schöpfer und sein Gesandter (sas) hierzu offenbart haben.

Der Mensch im Reich der Toten wünscht sich zum Einen, dass er zurückkäme, um zu beten, und wenn es nur ein Kniefall wäre. Ein Gefährte unseres Propheten berichtete, dass sie eines Tages an einem Grab vorbei kamen. Er (sas) wünschte zu erfahren, wer denn in diesem Grabe liegt. Als man ihm den Namen nannte, sagte er: Zwei Kniefälle sind diesem Menschen lieber als alles andere, was euer Leben bietet“

Zwei Kniefälle, liebe Geschwister, das sind einige wenige Minuten, die sich ein Mensch im Jenseits wünscht, um noch einmal etwas tun zu dürfen, was in seinem langen Erdenleben nur wenig Beachtung fand. Um etwas nachzuholen, was er versäumt hatte. Um noch einmal Demut vor seinem Schöpfer zu zeigen- zu erleben. Um noch einmal dem Ausspruch des Gesandten(sas) gerecht zu werden: „Das Gebet ist ein wichtiger Grundstein. Wer kann, sollte möglichst viel davon verrichten“

Ist es nicht so, liebe Geschwister, dass wir Lebenden unsere Gebetszeiten und sogar unser Leben als Ganzes vernachlässigen? Nutzen wir nicht jede Gelegenheit, um die uns gegebene, befristete Lebenszeit totzuschlagen? Ist nicht jede Kurzweil stets willkommen? Kommt es nicht allzu oft vor, dass wir den Gebetsruf hören und nicht folgen, weil wir meinen, dass das Gebet noch warten kann?

  • Ein weiterer Wunsch der Verstorbenen ist die Rückkehr –und wären es nur wenige Minuten- um im Namen des Barmherzigen spenden zu dürfen. Zurückkehren, um wenigstens einmal Großzügigkeit und Mitleid zu demonstrieren- zu erleben.

Im großzügigen Qur´an wird der Wunsch der Verstorbenen so beschrieben:

Und gebt aus von dem, womit Wir euch versorgt haben, bevor zu einem von euch der Tod kommt und er dann sagt: “Mein Herr, würdest Du mich doch auf eine kurze Frist zurückstellen! Dann würde ich Almosen geben und zu den Rechtschaffenen gehören“. Allah wird aber keine Seele zurückstellen, wenn ihre Frist kommt. Und Allah ist dessen, was ihr tut, Kundig. “

Dieser Wunsch wird voll Bedauern und Reue gehegt, denn die Verstorbenen wissen, welche Dinge im Leben von Bedeutung sind, wissen, dass die Spende eine der Taten ist, die Allah am meisten gefällt, dass der Mensch einst gefragt wird, woher er seine Güter hat und wofür er sie eingesetzt hat. War es nicht die Regel, dass ihre Gelder und ihre Güter für die eigenen Bedürfnisse und für die eigenen Annehmlichkeiten ausgegeben wurden? Doch für jene kommt diese Erkenntnis unwiderruflich zu spät. Und endlich möchte der Verstorbene wiederkehren -und sei es ebenfalls nur für wenige Augenblicke- um etwas Gutes zu tun. Um irgendetwas Nützliches zu vollbringen. Um etwas wettzumachen, was er in seinem Erdenleben versäumt oder verpfuscht hat. Um Gehorsam zu zeigen gegenüber dem, was sein Glaube von ihm einfordert. Um Gehorsam zu erleben. Und sei es nur, um  seinen Schöpfer zu lobpreisen. Doch auch dieser Wunsch wird ihm verwehrt bleiben. Im Qur`an heißt es:  

Wenn dann der Tod zu einem von ihnen kommt, sagt er: „Mein Herr, bringt mich zurück auf das ich rechtschaffen handele in dem, was ich hinterlassen habe.” Keineswegs! (…) hinter ihnen wird ein trennendes Hindernis sein bis zu dem Tag, da sie auferweckt werden“

Dies liebe Geschwister sind die Wünsche unendlich vieler Seelen, die im Stadium zwischen Diesseits und Jenseits der Tag der Gerechtigkeit erwartet.

Den Gläubigen sind im Diesseits keine Ruhe und keine Pause gedacht. Die Erholung und der Genuss sind ihnen vorgesehen, wenn sie durch die Pforten des Paradieses eintreten und es heißen wird: „Friede sei mit euch dafür, dass ihr geduldig wart! Wie trefflich ist nun die endgültige Wohnstätte!“

Oh Allah,  segne unseren Seelen mit Gottesfurcht, und läutere sie, denn du bist der Einzige, der sie läutern kann. Du bist ihr Herr, ihr Gebieter.

O Allah! Wir haben uns selbst vieles Unrecht zugefügt, und keiner ist da, der die Sünden vergibt außer Dir, so vergib uns und erbarme Dich unser, denn Du bist wahrlich Der Allvergebende, Der Allbarmherzige.

O Allah, um nichts bitten wir dich mehr, als dass du uns Deine Barmherzige Hand reichst und uns führst.  

Erbarme Dich o Herr unseren Geschwistern in ihren Ländern, die für ihre Freiheit und Würde kämpfen. Vergib ihren Gefallenen, heile ihre Verwundeten und lege in die Herzen ihrer Angehörigen Geduld und Frieden – o Allah. Einige ihre Reihen, stärke ihre Taten und schenke ihnen den Sieg von Dir in naher Zukunft. 

Amin.