Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Lehren aus der Geschichte Yousufs

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Allah der Erhabene spricht in Surat Yousuf über die Geschichten des Qurans:

In ihren Geschichten ist wahrlich eine Lehre für diejenigen, die Verstand besitzen”

Eine der bemerkenswertesten und ausführlichsten Geschichten im Quran ist die Geschichte des edlen Propheten Yousuf, der Sohn des edlen Propheten Yakubs, der Sohn des edlen Propheten Ishaq –  Allahs Segen und Frieden auf sie allesamt.

Allah widmet diesen Propheten in Seinem Buch eine komplette Sura, die entgegen der Geschichten der anderen Propheten eine zusammenhängende Geschichte darstellt. Diese Geschichte berichtet uns über Yousufs Kindheit und wie er aufgewachsen ist, über seine Prüfungen, die er zu bestehen hatte – und, wie er später sein Lebensunterhalt verdiente.

Wer diese Sura bewusst und nachdenklich liest, der wird eine Ähnlichkeit darin finden, wie Yousuf in der Fremde aufgewachsen ist – und wie unsere Kindere hier in der Nicht-Islamischen Umgebung aufwachsen.

Yousuf wurde als Kind von seiner Familie getrennt, und er wuchs alleine in Ägypten unter Nichtmuslimen auf, so wie unsere Kinder heute auch.

In dieser Geschichte finden die jugendlichen hier ein Vorbild für viele Lebenslagen, Prüfungen die Yousuf zu bestehen hatte – aber auch, dass er der Gesellschaft, in der er lebte, nutzen wollte, obwohl sie keine Muslime waren, und dass er stets mit seinem Verhalten und seinem Charakter vorbildlich erschienen ist.

Die Geschichte Yousufs lehrt uns, wie man sich in eine Nicht-Islamische Gesellschaft integrieren kann, ohne dass man seine islamische Identität verliert und zu einer Bereicherung seiner Mitmenschen wird.

Hören wir uns einige dieser Lehren an:

In dieser Sura wird berichtet, wie Yousuf als junger Mann von einer Frau verführt wurde – doch konnte Yousuf dieser Versuchung widerstehen indem er Schutz und Stärke bei Allah suchte. Es heißt in der Sura: 

Und diejenige, in deren Haus er war, versuchte, ihn zu verführen’. Sie schloß die Türen ab und sagte: “Da bin ich für dich!” Er sagte: “Allah schütze mich (davor)! Er, mein Herr, hat mir einen schönen Aufenthalt bereitet. Gewiß, den Ungerechten wird es nicht wohl ergehen.”

Und an anderer Stelle sagte Yousuf:

“Mein Herr, das Gefängnis ist mir lieber als das, wozu sie mich auffordern. Und wenn Du ihre List von mir nicht abwendest, werde ich mich zu ihnen hingezogen fühlen und zu den Toren gehören.” 

Liebe Geschwister im Islam, in diesen Versen finden wir ein Vorbild wie wir uns zu verhalten haben, wenn sich solch eine Prüfung für uns ergibt – wir sollten bei Allah Hilfe und Stärke erflehen! Es ist uns ein Vorbild im Verhalten und im Charakter. Aber, liebe Geschwister, der Mensch wird sich in solch einer Situation nur dann richtig verhalten, wenn er auch so erzogen wurde, nur dann wird er die Bittgebete sprechen, die auch Yousuf gesprochen hatte, wenn sie ihm beigebracht werden! Es ist die Aufgabe der Eltern ihre Kinder so zu erziehen, dass sie ihrer „natürlichen Veranlagung“ (also ihrer Fitra) folgen, nämlich den islamischen Werten. Wenn diese aber in der Erziehung nicht gefestigt werden, dann werden sie im Laufe der Zeit in der nicht-islamischen Gesellschaft, verloren gehen.

Und wenn man solche Werte aufrichtig vermitteln will, dann muss man sie auch vorleben!

Wir müssen die Situationen nutzen, in denen wir unseren Kindern etwas vermitteln können, das bedeutet auch, dass wir mit ihnen viel Zeit verbringen müssen, dass wir sie lehren, was halal und was haram ist. Dass wir ihnen die Lebensgeschichte unseres Propheten Muhamed (S) beibringen. Auch gehört dazu, dass wir ihnen die Moschee näher bringen und das Gebet in der Gemeinschaft.

In dieser Sura lernen wir aber noch einen anderen Aspekt, wie sich der Prophet Yousuf in der nicht-islamischen Gesellschaft verhalten hat. Wichtig hierbei ist, dass in dieser Sura ausdrücklich geschrieben steht, dass in diesen Geschichten eine Lehre für uns steckt.

Der Prophet Yousuf wollte der Gesellschaft in der er lebte nutzen und sie bereichern – obwohl sie keine Muslime waren. Yousuf erkannte, dass Ägypten und die benachbarten Länder in naher Zukunft aufgrund einer Dürreperiode in eine Art Wirtschaftskrise gelangen werden. Yousuf war der Einzige, der dies erkannte – das Wissen hierfür erhielt er von Allah. Daraufhin sprach er mit dem Ägyptischen König uns sagte ihm:

„Setze mich über die Vorratskammern des Landes ein; ich bin ein kenntnisreicherHüter“

Obwohl Yousuf ein Prophet war – setzte er sein Wissen, das er von Allah erhalten hat unter anderem dafür ein, seinen Lebensunterhalt zu verdienen – aber auch um dem ägyptischen Volk in Zeiten einer Hungersnot zu helfen (welche zu dieser Zeit noch keine Muslime waren) – Yousuf wurde praktisch zum „Wirtschaftsminister von Ägypten“ – und seine Tätigkeit kam dem Land und dem Volke zu Gute unter dem er lebte.

Wie sehen hier, wie der Quran uns Integration lehrt – einerseits müssen wir unseren Glauben und die damit verbunden Grenzen wahren und daran festhalten. Das war Yousuf so wichtig, dass er lieber in das Gefängnis ging, als dass er Allahs Grenzen überschreitet.

Andererseits sollten wir uns Wissen aneignen und ein positives, konstruktives und bereicherndes Mitglied dieser Gesellschaft werden und aufrichtig und vorbildlich sein in dem was wir tun – so lebte es uns Yousuf vor – uns so berichtete es uns der Quran.

Möge Allah uns helfen, die Grenzen unserer Religion zu wahren und uns zu vorbildlichen und aufrichtigen Mitmenschen machen.

(Im Arabischen Original von Sheikh Abdelhak Elkouani)