Prophet

Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Lehren und Erinnerungen aus dem Wunder der Nacht- und Himmelsreise

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Heutiges Thema ist „Al Israa ual Mi3raj“ – die Nacht- und Himmelsreise unseres Propheten Muhamed (s).

Allah (t) erwähnt dieses Ereignis im Quran:

Gepriesen sei Der, Der bei Nacht Seinen Diener von der heiligen Moschee zu der fernen Moschee, deren Umgebung Wir gesegnet haben, hinführte, auf daß Wir ihm einige Unserer Zeichen zeigten. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allsehende. [17:1]”

Der Quran berichtet uns von einer wundersamen Reise, die unser Prophet Muhamed (S) in Begleitung des Engels Gabriels in einer Nacht unternommen hat. Diese Reise ereignete sich in einer schweren Zeit für die Muslime. Es waren neun Jahre her, dass der Engel Gabriel das erste Mal dem Propheten erschienen ist – und die Unterdrückungen der Mekkaner nahmen in diesem Jahr bis aufs unerträgliche zu. In diesem Jahr verstarb der Onkel des Propheten – Abu Talib, der ihn vor den Mekkanern beschützte. Etwa ein halbes Jahr später starb seine Ehefrau Chadija (r).

Die Sorge und Trauer lastete so stark auf die Muslime, dass dieses Jahr „das Jahr der Trauer“ genannt wurde. Der Prophet ging zu einer benachbarten Stadt – Namens Al Taif – und wollte ihre Einwohner zum Islam einladen, doch vertriebenen sie ihn aus der Stadt und er erlebte eine bittere Enttäuschung.  Als die Situation für den Propheten und die Muslime immer schwerer wurde, erschien der Engel Gabriel und lud Muhamed (S) zu einer Reise ein – eine irdische Reise zu einem gesegneten Ort – und eine himmlische Reise – über die sieben Himmel hinaus – eine Reise, die dem Propheten und den Muslimen Mut und Hoffnung machen sollte in dieser schweren Zeit – und, die den Stellenwert unseres Propheten unter den Menschen aufzeigte.

Liebe Geschwister im Islam, wenn unsere Ummah heute sehr schwere Zeiten durchlebt, und viele unserer Geschwister durch Krieg und Folter leiden, sollte uns die Geschichte unseres Propheten Mut machen, denn nach den schlimmen Zeiten werden – so Allah will – bessere Zeiten eintreten –und Allahs Wille wird eintreffen – daran gibt es keinen Zweifel – in Surat Al Inshirah heißt es:

Also gewiß, mit der Erschwernis ist Erleichterung – gewiß, mit der Erschwernis ist Erleichterung.“

Lasst uns einige Punkte dieser wundersamen Reise gedenken – die sich in diesem Monat Rajab ereignete.

Der Engel Gabriel erschien ihm und begleitete den Propheten zum Buraq – einem Reittier, auf dem bereits die Propheten vor Muhamed (s) geritten sind – jeder Schritt dieses Tieres ist so lang, wie das Auge sehen kann. Mit diesem Buraq erreichte der Prophet in einer Nacht Palästina, und kam zur Al-Aqsa Moschee, dem gesegneten Land.

Dort erwarteten ihn bereits alle Propheten, die vor Muhamed (S) entsandt wurden. Und der Engel Gabriel ernannte Muhamed(S) zum Vorbeter über all die anderen Propheten –  als Ausdruck des Stellenwertes unseres Propheten – aber auch als Ausdruck der Einheit aller Propheten, dass alle mit der gleichen Kernbotschaft entsandt wurden.

Nach dem Gebet brachte ihm Gabriel zwei Gefäße, das eine mit Wein gefüllt, das andere mit Milch. Der Prophet nahm das Gefäß mit der Milch und trank davon. Da sprach Gabriel zu ihm: »Du hast dich für die natürliche Veranlagung entschieden – Rechtgeleitet wurdest du für die Schöpfung und rechtgeleitet wurde dein Volk, o Muhammad! Der Wein ist euch verboten.

Nach dem Gebet reiste er mit Gabriel die sieben Himmel empor, er sah die Wunder seines Herren und begegnete auf jeder Stufe Propheten.

Als er dann mit seinem Begleiter Gabriel vor der letzten Stufe stand, sagte Gabriel zum Propheten er solle nun alleine weitergehen, einem Jeden entsprechend seinem Stellenwert, Gabriel blieb zurück. Ein weiteres Zeichen dafür, dass unser Prophet das edelste der Geschöpfe ist.

Dort, am höchsten Punkt wurde ihm und seiner Umma das Gebet auferlegt. Es waren 50 Gebete am Tag, doch erleichterte Allah uns diese Pflicht auf fünf Gebete am Tag, die von Allah 50fach und mehr vergolten werden.  Alleine das sollte jeden, der das Gebet vernachlässigt zeigen, welchen Stellenwert das Gebet in der Religion hat – und wie wichtig es für die Rettung seiner Seele ist.

Die Geschichte der Nachtreise lehrt uns aber auch den Stellenwert der Al-Aqsa Moschee in Palästina, über der Allah im Quran sagt, dass sowohl diese Moschee als auch deren Umgebung gesegnet seien. Allah ließ dort in der Nacht alle Propheten erscheinen – und war dieses gesegnete Land doch jeher die Heimat vieler Propheten gewesen.

Gepriesen sei Der, Der bei Nacht Seinen Diener von der heiligen Moschee (also die Kaaba) zu der Al-Aqsa Moschee (in Palästina), deren Umgebung Wir gesegnet haben, hinführte, auf daß Wir ihm einige Unserer Zeichen zeigten.”[17:1]

In diesem Vers hat Allah die heilige Moschee in Mekka mit der Al-Aqsa Moschee verknüpft, auf dass die Muslime die Verbindung zwischen der Kaaba und der Al-Aqsa Moschee erkennen und nicht vergessen. Dies ist eine Verantwortung, die der islamischen Ummah auferlegt wurde.

Der Prophet reiste dann von Al-Aqsa mit dem Buraq zurück nach Mekka. Als er seinem Volk berichtete, was er erlebte, stellte es für einen Teil der jungen Muslime eine schwere Prüfung dar, einige glaubten ihm nicht und kehrten vom Glauben ab, andere stärkte dies in ihrem Glauben, und in dieser Stunde erhielt AbuBakr den Beinamen Al-Siddiq, er sagte nur: „bei Allah, wenn er es gesagt hat, dann sprach er die Wahrheit. Ich glaubte ihm bereits, als er mit noch erstaunlicherem kam, denn ich glaubte ihm, als er mit Nachrichten aus dem Himmel kam – (also dem Quran) so glaube ich ihm auch jetzt“

Liebe Geschwister im Islam, diese Reise ereignete sich, als die Muslime sich in einer sehr schweren Lage befanden – Allah ehrte seinen Propheten und die Gefährten mit dieser Reise und erleichterte ihre Herzen – denn sie waren trotz der schweren Zeit standhaft und aufrichtig – und ihre Geduld und Treuer wurde von Allah belohnt.

Möge Allah unsere Herzen reinigen und uns aufrichtig und standhaft sein lassen – auf dass das Übel und die Demütigungen die unsere Ummah befallen haben ein Ende finden.

(Im Arabischen Original von Sheikh Abdelhak Elkouani)

Freie Übersetzung der Freitagspredigt, Ehe- und Familienleben Teil 4 – Der Prophet und der Umgang mit der Ehefrau

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß über den, der aus Barmherzigkeit den Weltenbewohnern entsandt wurde, Muhamed (S).

Liebe Geschwister,

vor knapp 1500 Jahren – wahrscheinlich um diese Zeit herum – wurde unser Prophet Muhamed (S) geboren – so ehren wir unseren Propheten dieser Tage, dass wir in ihm ein Vorbild sehen und seinem Verhalten nacheifern. In allen Lebenslagen ist der Prophet uns ein Vorbild – so auch im Eheleben.

Wir führen unsere Vortragsreihe über das Ehe- und Familienleben fort und hören heute, was über unseren Propheten in der Rolle als Ehemann überliefert wurde.

Bemerkenswert ist, dass die Aussagen und Verhaltensweisen unseres Propheten als Ehemann so gar nicht in das Bild passen, was der Westen über den Islam hat und was wir hier tagtäglich in den Medien über den Islam hören.

In einem Hadith lehrt der Prophet (S) „Der vollendetste Muslim in Glaubensangelegenheiten ist derjenige, der ein vorzügliches Benehmen hat; und die Besten unter euch sind jene, die ihre Ehefrauen am besten behandeln.” – und der Prophet (S) ergänzte hier: und ich behandle meine Ehefrauen am besten von euch!”

Die Mutter der Gläubigen Aisha (Anmerkung: Die Ehefrauen des Propheten werden aus Respekt „Mutter der Gläubigen“ genannt) – Allahs Segen und Frieden auf ihr – berichtete, dass der Prophet als Ehemann stets ein offenes Ohr für die Probleme seiner Frau hatte, er war bemüht lächelnd und mit guter Laune die gemeinsame Zeit zu verbringen – er war nicht verbissen und hartherzig, nicht überheblich und ungeduldig, sondern tröstete und bestärkte sie – und niemals verletzte er ihre Gefühle mit seinen Worten.

Unser Prophet Muhamed (S) hat niemals eine Frau mit seinen Händen geschlagen!

Auch suchte der Prophet (S) nicht nach den Fehlern oder den Schwächen seiner Frau! Vielmehr überhörte er diese und hielt sie aus!!

Die Nachkommen der Gefährten fragten die Mutter der Gläubigen Aisha (R) – wie der Prophet seinen Alltag mit ihr verbracht hatte – sie antwortete „Der Prophet (S) war der sanfteste der Menschen, und der edelste der Menschen. Er war ein Mann von eurem Volk. Er lächelte viel und brachte sich im Haushalt ein – er reparierte seine Schuhe und flickte sein Gewand. Er kümmerte sich um seine Angelegenheiten. Wenn aber die Zeit des Gebetes anstand, ging er zum Gebet, ohne es aufzuschieben.“

Bemerkenswert hier, dass der Prophet im Haushalt half. Wir wissen, wie klein die Wohnung des Propheten gewesen war – wir wissen auch, dass es in seiner Wohnung teilweise tagelang nichts Warmes zu essen gegeben hat. Es war auch sicherlich nicht so, dass seine Ehefrau sich über die viele Arbeit beschwert hatte – vielmehr tat er es von sich heraus, um ein harmonisches Klima zu schaffen. Es vermittelt ein partnerschaftliches Leben miteinander, was die Zuneigung zueinander verstärkt.

So wurde der Prophet als Ehemann von seiner Ehefrau beschrieben! Auch war es nicht so, dass die Angelegenheit der Dawa ihn dazu brachte, kein Interesse am Familienleben zu haben – oder nur hartherzig und gefühllos zu seiner Frau zu sein.

Liebe Geschwister im Islam, der Prophet (S) ist uns ein Vorbild – er war milde und sanft im Umgang mit seiner Frau – viele von uns aber sind freundlich und nachsichtig wenn sie außerhalb ihrer Wohnung sind – schließen sich aber die Türen und sind sie alleine mit ihren Ehefrauen, dann werden sie plötzlich kalt und hartherzig, ohne Lächeln – ohne Nachsicht – wobei es doch gerade die Familie ist, denen er sich mit seinem besten Charakter präsentieren sollte.

Ein weiteres Beispiel aus dem Eheleben unseres Propheten.

Es ergab sich, dass der Prophet (S) und seine Frau Aisha (R) in einem Streitgespräch waren – dabei erhob sich die Stimme von Aisha über die des Propheten (sie sprach also lauter als der Prophet) – und zufällig kam AbuBakr am Haus des Propheten vorbei – welcher der Vater von Aisha ist. Er war so erbost darüber, dass seine Tochter ihre Stimme über die des Propheten (S) erhob, das Aisha sich hinter dem Propheten versteckte und Schutz vor ihrem Vater suchte! SubhanAllah – und wissen wir doch aus der Geschichte welch weichherziger Mann AbuBakr gewesen war. Sie versteckte sich schützend hinter dem Prophet – mit dem sie sich eben noch gestritten hatte – bis AbuBakr die Wohnung des Propheten verlies. Dann blickte der Prophet lächelnd zu Aisha und sagte ihr im Scherz, um diese Situation zu beenden – und Aisha, habe ich dich vor diesem Mann gerettet?

SubhanAllah, versetzen wir uns in diese Situation und fragen uns, wie wir wohl reagiert hätten.

Ist es nicht ein Zeichen von Stärke, wenn der Mann in solch einer Situation die Ruhe und Souveränität bewahrt? Genau diese Stärke ist auch gemeint, wenn es heißt, dass der Mann über der Frau steht!

Bedenke lieber Bruder im Islam, dass du für deine Frau verantwortlich bist! Du hast sie im Namen Allahs zu deiner Frau genommen – so achte darauf, dass du sie gut behandelst – und das Nachsicht an richtiger Stelle ein Zeichen der Stärke ist. Bedenke auch die folgende Aussage des Propheten (S)

Ein gläubiger Ehemann soll niemals seine gläubige Frau hassen. Wenn er eine bestimmte Angewohnheit von ihr nicht mag, so mag er doch eine andere bei ihr finden, die ihm gefällt.”

Bedenke Bruder im Islam, jeder Mensch ist mit Fehlern behaftet – es gibt keinen Fehlerlosen Menschen auf Erden – so auch deine Frau. Es wird also so sein, dass du Fehler an ihr finden wirst, erinnere dich dann aber auch ihrer Vorzüge – und vergiss nicht, dass du ebenso Fehler hast, die sie an dir sieht.

Und wenn du aber deine Frau demütigst und ihr ein unangenehmes Leben bereitest, so ist dies ein Zeichen von Schwäche und schlechtem Charakter und es entspricht nicht den Lehren unseres Propheten(s). Auch wirst du so kein zufriedenes Leben führen.

Allah der Erhabene sagt zu uns im Quran im Bezug zu unseren Ehefrauen:

…Und lebt mit ihnen in gütlicher ehelicher Gemeinschaft.” (4:19)

Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: “Behandelt die Frauen gut; denn die Frau ist aus einer (gekrümmten) Rippe geschaffen worden, und der am stärksten gekrümmte Teil ist in der oberen Region. Wenn du sie gerade biegen willst, wirst du sie brechen, und wenn du sie lässt, wie sie ist, wird sie verbogen bleiben. Behandle also die Frauen gut.” (Al-Bukhari und Muslim)

In einer andere Version von Al-Bukhari und Muslim heißt es: “Die Frau ist wie eine Rippe: Wenn du versuchst, sie gerade zu biegen, würdest du sie zerbrechen, und wenn du aus ihr Nutzen ziehen möchtest, kannst du es trotz ihres Gebogenseins.”

Aus diesem Hadith kann man verstehen, dass Männer und Frauen in einigen Dingen unterschiedlich sind – und dass man lernen muss, mit diesen Unterschieden ein harmonisches Eheleben zu führen – welches die Grundlage einer gesunden Familie und Kindererziehung darstellt.

Möge Allah uns helfen unserer Verantwortung nachzukommen, uns Geduld und Standhaftigkeit schenken – und uns mit einer gottesehrfürchtigen Nachkommenschaft segnen, Amin.