Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Die Hidschra

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß sei über Muhammad, der aus Barmherzigkeit entsandt wurde (sas)

Liebe Geschwister im Islam,

Wir wünschen Euch ein frohes neues Jahr!

Manch einer dürfte sich nun fragend umschauen und denken: “Sylvester steht doch erst in etwa sieben Wochen auf dem Plan?”

Dann lasst Euch sagen, liebe Brüder und Schwestern,  dass wir uns seit einigen Tagen im ersten Monat Muharram des Jahres 1435 befinden. Denn nach unserer Zeitrechnung wanderte unser Prophet Muhammad (ﷺ) auf die Woche genau vor 1435 Jahren aus Mekka aus, um der drohenden Gefahr und der Verfolgung seines Volkes zu entkommen.

Die Hidschra.

Unter diesem Wort verstehen wir vor allem die Auswanderung unseres Propheten. Dieses Wort bedeutet aber auch Trennung, bedeutet Loslassen und Neuanfang.

Die islamische Zeitrechnung nach der Hidschra, war lange Zeit ein überaus gut funktionierendes Instrument der Zeitrechnung und das besondere Merkmal unseres Glaubens. Es stiftete Identität. Und unsere Vorfahren waren stolz auf ihren Kalender.

Der Beginn unseres Kalenders geht auf ´Omar und seine Zeit als Kalif zurück. Einer Eingebung folgend, befragte er die übrigen Gefährten, wann der Kalender, der künftig die Muslime von den übrigen Völkern unterscheiden sollte, beginnen solle. Mit der Geburt oder dem Abschied des Propheten? Mit der Offenbarung oder der Auswanderung ?

Über den Tag der Geburt und den Tag der Offenbarung war man sich nicht einig. Der Sterbetag des Gesandten (ﷺ) war mit Leid und Trauer verbunden. So einigte man sich auf die Hidschra als den Tag Null des neuen Kalenders.

Mit der Auswanderung des Gesandten und seiner Gefährten aus Mekka geht immer auch die Unterstützung der Bewohner von Medina einher. Denn hier empfing man sie mit einer beispiellosen Treue und Selbstlosigkeit. Aus beiden Ereignissen lassen sich zahllose Beispiele und Handlungsmaxime heraus leiten, die auch für uns im Hier und Heute Gültigkeit haben.

Und das, was uns Gläubige auszeichnet, lässt sich in diesem Rahmen zwischen Auswanderung und Aufnahme finden.

Im Vorfeld und während der Flucht aus Mekka haben unser Prophet und seine Gefährten ein hohes Maß an Zuversicht in Allah (t) und Geduld in schwierigsten Lebenslagen an den Tag gelegt.  Denn am Ende stehen dem Muslim das Gelingen und der Erfolg in Aussicht. Doch bedeutet Vertrauen in Allah (t) nicht, das man tatenlos bleibt.

Um die Mekkaner irrezuführen, lag der junge `Ali im Bett des Propheten, während dieser längst die Grenzen Mekkas hinter sich gelassen hatte. Als Abu Bakr merkte, dass sie doch verfolgt wurden, versteckte er  sich mit dem Gesandten in der Höhle und das berühmte Spinnennetz schützte sie. Abu Bakr, der sich für Muhammad (ﷺ) mit Hab und Gut opferte und sein Leben aufs Spiel setzte, um ihn zu schützen. Viele weitere Gefährten und Gefährtinnen wären an dieser Stelle zu nennen, die alle zum Gelingen der Sache Allahs (t) beigetragen haben. Sie alle waren bereit, ihre Güter und gar ihr Leben zu opfern. Denn ihnen allen war der Vers aus dem Qur´an  gegenwärtig:

Und Allah ist in Seiner Angelegenheit überlegen.“

In Medina angekommen, war eine erste Initiative unseres Propheten (ﷺ) die Errichtung eines Gotteshauses. Die dortigen Bewohner lieferten ein überwältigendes Schauspiel an Unterstützung und Gastfreundschaft, an Vertrauen und Selbstlosigkeit, dass es das gläubige Herz rührt und ergreift.

Auch hier muss das Beispiel des wohlhabenden Sa´d genügen, der sich des Mekkaners  `Abdurrahman in Bruderschaft annahm, und ihm die Hälfte seiner Güter und selbst die Hälfte seiner Familie anbot.

Die Unterstützer in Medina, über die es im Qur´an heißt:

 Diejenigen(…) lieben, wer zu ihnen ausgewandert ist, und (…) sie ziehen diese sich selbst vor, auch wenn sie selbst Mangel erleiden(…), die vor ihrer eigenen Habsucht bewahrt bleiben, das sind diejenigen, denen es wohl ergeht.“ 

Sie nahmen auf, sie versorgten und sie zogen los mit Muhammad (ﷺ), in Erwartung den Sieg. Oder den Tod.

Über sie alle,  Auswanderer und Unterstützer, sprich Allah (t):

(…) diejenigen, die glauben und ausgewandert sind und sich auf Allahs Weg abgemüht haben, und diejenigen, die ihnen Zuflucht gewährt und geholfen haben, das sind die wahren Gläubigen. Für sie gibt es Vergebung und ehrenvolle Versorgung.“

Der Blick zu uns, liebe Geschwister. Wie viel sind wir bereit, zu opfern? Was tun wir für die Sache des Islam, für unsere Sache?

Wie viel von dem, was Allah (t) uns gibt, stellen wir Ihm, dem Eigentümer Aller Güter, zur Verfügung? Und wenn wir nichts haben sollten- wie viel von unserer Zeit opfern wir für unsere Sache, wie viele Male sind wir hier im Hause Allahs anzutreffen? Wie vielen Mitmenschen nutzen wir mit finanziellen Mitteln, mit Zeit, mit einem freundlichen Wort?

Auch wir, liebe Schwestern und Brüder sollten in uns gehen und mit diesem Neuen Jahr eine Hidschra wagen. Einen Neuanfang. Loslassen von alten Gewohnheiten, von Schwäche und Eitelkeit. Hin zu einem Leben, in dem wir Güte und Nachsicht zeigen. In dem wir uns vertragen mit uns selbst und mit denen, die uns nahestehen.

Ya Allah, Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser, denn Du bist unser Schutzherr.
Amin.