Die Vorzüge des Monats Schaʿbān (شعبان)

 

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

16_90

Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.”

In der heutigen Khutba, der heutigen Freitagspredigt befassen wir uns mit den Vorzügen des Monats Schaʿbān (شعبان).

Wir nähern uns der Nacht der Mitte des Schaʿbān, welche in diesem besonderen islamischen Monat einen hohen Stellenwert hat. Unser Prophet Muhammad (ﷺ) sagte in einem Hadith (in der ungefähren Bedeutung):

In der Nacht der Mitte von Schaʿbān vergibt Allah (subahanahu wa ta’ala) allen Bewohnern der Erde, ausser den Ungläubigen und den Menschen, die in ihren Herzen Wut und Hass gegenüber anderen tragen.“

Um sicherzustellen, dass wir die Belohnung aus dieser besonderen Nacht ernten können, und zu denen zählen, denen Allah (subhanahu wa ta’ala) vergibt, ermahne ich mich selbst und euch folgende Prinzipien zu beachten und zu verinnerlichen:

Seid nachsichtig, verzeihend und vergebend gegenüber anderen Menschen!

Nur wenn wir diese Eigenschaften verinnerlichen, können wir unsere Herzen rein halten und zu denen zählen, denen Allah (subhanahu wa ta’ala) in dieser Nacht seine Vergebung und Gnade schenkt.

Was bedeutet es aber verzeihend zu sein?

Verzeihend zu sein, war schon immer eine Eigenschaft der Propheten und der wahren Gläubigen. So lernen wir darüber viel aus der Geschichte unseres Propheten Musa. Als sein Bruder Harun zu den Ungläubigen sprach und sie ihm und Musa nicht glaubten und sie sogar beleidigten, ließ Harun von ihnen ab. Da fragte Musa seinen Bruder warum er nicht konsequent blieb. Harun entschuldigte sich und erläuterte Musa den Grund für sein Verhalten. Musa wiederum akzeptierte die Entschuldigung und sprach ein Bittgebet für seinen Bruder.

Dies zeigt uns, dass wir eine uns entgegen gebrachte Entschuldigung nicht ablehnen dürfen und uns gemäß unseren Vorbildern verhalten sollen.

Selbst wenn sich jemand nicht entschuldigt, gilt es über den eigenen Schatten zu springen und nachsichtig, vergebend und großzügig zu sein, so sind doch schließlich zwei der Namen Allah’s der Vergebende, der Verzeihende: al-ʿAfuww (العفو) und al-Ġafūr (الغفور). Auch wird uns die Nachsichtigkeit mehrfach im edlen Qur’an auferlegt. Die Prophetengeschichte von Yusuf ist eine Paradebeispiel der Nachsicht. Selbst nach alle dem was seine Geschwister taten, nach all dem Leid, das er durch ihre Taten erfahren musste, vergab und verzieh Yusuf ihnen letztendlich. Sogar sein Vater Yakub, der schwer gelitten hatte und vor Trauer blind wurde, verzieh seinen Kindern und betete bei Allah um Vergebung für sie.

Auch war die Nachsichtigkeit eine Tugend unseres geliebten Propheten Muhammad (ﷺ). So hatte ihn doch Abu Sufian bevor er den Islam angenommen hat, jahrelang angefeindet und war einer der härtesten Widersacher des Propheten (ﷺ). Letztlich bewunderte Abu Sufian die Nachsicht und Geduld des Propheten (ﷺ) so sehr, dass dies zu seiner Annahme des Islam führte.

So sagt Allah (subhanahu wa ta’ala) im edlen Qur’an in der Sure Al-i-Imran (3:133-134) (in der ungefähren Bedeutung):

3_133

3_134

Und beeilt euch um Vergebung von eurem Herrn und (um) einen (Paradies)garten, dessen Breite (wie) die Himmel und die Erde ist. Er ist für die Gottesfürchtigen bereitet, die in Freude und Leid ausgeben und ihren Grimm zurückhalten und den Menschen verzeihen. Und Allah liebt die Gutes Tuenden”

 

Und an anderer Stelle (42:40) steht:

42_40

Die Vergeltung für eine böse Tat ist etwas gleich Böses. Wer aber verzeiht und Besserung bringt, dessen Lohn obliegt Allah. Er liebt ja nicht die Ungerechten.“

Allah (subhanahu wa ta’ala) hat uns befohlen nicht nur bei kleinen Sachen zu verzeihen, sondern auch bei großen und schwerwiegenden Anliegen. So fordert Er uns dazu auf, selbst denen zu verzeihen, die uns wegen unseres Glaubens angreifen.

Allah (subhanahu wa ta’ala) sagt dazu im edlen Qur’an in Surat al-Baqara (2:109) (in der ungefähren Bedeutung):

2_109

Viele von den Leuten der Schrift möchten euch, nachdem ihr den Glauben (angenommen) habt, wieder zu Ungläubigen machen, aus Missgunst von sich selbst aus, nachdem ihnen die Wahrheit klargeworden ist. Doch verzeiht und seid nachsichtig, bis Allah mit Seiner Anordnung kommt! Allah hat zu allem die Macht.“

Und in Surat Al-Jāthiyah steht (45:14):

45_14

Sag zu denjenigen, die glauben, sie sollen denjenigen vergeben, die nicht Allahs Tage erhoffen, auf dass Er einem (jeden) Volk das vergelte, was sie erworben haben.

Allah (subhanahu wa ta’ala) sagt weiterhin im edlen Qur’an in der Sure an-Nur (24:22) (in der ungefähren Bedeutung):

24_22

Und es sollen diejenigen von euch, die Überfluß und Wohlstand besitzen, nicht schwören, sie würden den Verwandten, den Armen und denjenigen, die auf Allahs Weg ausgewandert sind, nichts mehr geben, sondern sie sollen verzeihen und nachsichtig sein. Liebt ihr es (selbst) nicht, dass Allah euch vergibt? Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“

Wir müssen also auch verzeihen, wenn wir in unserer Ehre verletzt werden. Selbst im Falle des Blutvergießens, ruft uns Allah dazu auf verzeihend und gnädig zu sein. So spricht Er in Surat al-Baqara (2:178) (in der ungefähren Bedeutung):

2_178

O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch Wiedervergeltung für die Getöteten: der Freie für den Freien, der Sklave für den Sklaven und das Weib für das Weib. Doch wenn einem von seinem Bruder etwas erlassen wird, so soll die Verfolgung (der Ansprüche) in rechtlicher Weise und die Zahlungsleistung an ihn auf ordentliche Weise geschehen. Das ist eine Erleichterung von eurem Herrn und Erbarmung. Wer aber nach diesem eine Übertretung begeht, für den gibt es schmerzhafte Strafe”

Ein besonders Maß der Nachsichtigkeit ist geboten, wenn einem die eigene Familie und Verwandte Unrecht antun. So steht dazu im Qur’an in Surat At-Taghābun (64:14) (in der ungefähren Bedeutung):

64_14

O die ihr glaubt, unter euren Gattinnen und euren Kindern gibt es welche, die euch feind sind; so seht euch vor ihnen vor. Wenn ihr aber verzeiht, nachsichtig seid und vergebt – gewiss, so ist Allah Allvergebend und Barmherzig”

Liebe Geschwister, verzeihend, nachsichtig und vergebend zu sein, sind keine Zeichen von Schwäche.

Im Gegenteil, diese Tugenden zeugen von Stolz, Stärke und Ehrenhaftigkeit. So wie es uns unser Prophet Muhammad (ﷺ) in einem Hadith verkündet hat, sind die besten Menschen verzeihend und nachsichtig. Diese Menschen beschreibt unser Prophet (ﷺ) wie folgt:

  • Sie sind ehrlich,
  • sagen immer nur die Wahrheit,
  • haben ein reines Herz, welches nur Liebe in sich trägt und keinen Hochmut, Wut oder Zorn kennt.

O Allah, Du bist gnädig und verzeihend und liebst die Nachsichtigen, vergib uns unsere Sünden und verzeihe unsere Verfehlungen, Ya Allah.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.