Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Die Milde, Vergebung und Nachsicht im Islam

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten, dem Besitzer von Kraft und Stärke. Demjenigen, der die Unterdrückten zum Sieg führen und die Bittgebete der Notdürftigen erhören wird.

Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen.

Und der Friedens- und Segensgruß über den, der aus Barmherzigkeit den Weltenbewohnern entsandt wurde, unser geliebter Prophet Muhamed(S)

Liebe Geschwister im Islam,

in der heutigen Chutba werden wir über bemerkenswerte und herausragende Charaktereigenschaften unseres Propheten reden – Charaktereigenschaften, die diesem mächtigen Glauben entspringen. Die Muslime die diese Eigenschaften übernommen haben, sind im Glauben gewachsen und haben diese Welt bereichert und die Einheit der Muslime gestärkt.

Als die islamische Welt allerdings diese Werte und Charaktereigenschaften vernachlässigt hat, hat sie von ihrem Zusammenhalt und ihrem Glanz verloren – Uneinigkeit überkam die Ummah und sie verkümmerte zu einer unbedeutenden Gemeinschaft dieser Tage – wie traurig dies ist, obwohl wir doch die Ummah des Qurans sind – über die Allah sagte, dass wir die beste Gemeinschaft sind – heute jedoch sind wir belanglos, haben kein Wort in der Weltgemeinschaft – und unser Blut ist das billigste dieser Erde.

Liebe Geschwister im Islam – wisst ihr, um welche Charaktereigenschaften es geht? Es handelt sich um Großmut –  die Nachsicht, die Vergebung und die Versöhnung. Darum, dass ich meinem Bruder nur das Beste will, so wie ich es auch für mich will. Darum, dass ich vergebe – um Allahs-Willen – wenn mich jemand falsch behandelt.

Liebe Geschwister, denkt nicht, dass diese Charaktereigenschaften nur Kleinigkeiten in unserem Glauben darstellen – nein fürwahr, Allah fordert uns dazu im Quran an vielen Stellen auf und unser Prophet (S) lebte uns dies tagtäglich vor.

Im Quran heißt es:

Nimm den Überschuß, gebiete das allgemein Gute und wende dich von den Toren ab!”

Und in Surat Al Baqarah heißt es:

Doch verzeiht und seid nachsichtig, bis Allah mit Seiner Anordnung kommt! Allah hat zu allem die Macht.”

Und an anderer Stelle werden die Gläubigen von Allah angesprochen – da heißt es:

Wenn ihr aber verzeihtnachsichtig seid und vergebt – gewiß, so ist Allah Allvergebend und Barmherzig.”

Dies sind die Charaktereigenschaften, die auch bereits die Propheten zuvor inne hatten – Jusuf Beispielsweise, der Edle Prophet – Sohn eines Propheten – als seine Brüder ihm Unrecht taten und ihn als Kleinkind in einen Brunnen warfen – vergab er ihnen all ihre Fehltritte, dies ist das Verhalten, zu dem uns der Islam und der Quran uns erzieht. Und der Prophet (S) berichtete über einen Propheten vor ihm, der von seinem Volk geschlagen wurde, bis ihm das Blut über sein Gesicht tropfte – aber dieser Prophet (r) sprach weiterhin: „O Allah vergib meinem Volk, denn sie wissen nicht was sie tun“.

Aber, es ist auch eine besondere und hervorstechende Charaktereigenschaft unseres Propheten Muhamed (S) – wenn seine Frau, die Mutter der Gläubigen Aisha (r) nach seinen Charaktereigenschaften gefragt wurde, sagte sie: „Er begann keine Abscheulichkeiten und verachtete sie, auch war er nicht laut in den Geschäften oder auf den Märkten, und er vergalt das Schlechte nicht mit Schlechtem! Vielmehr war er vergebend und nachsichtig.“

Als die Bewohner der Stadt Taif den Propheten aus ihrer Stadt getrieben und ihn mit Steinen beworfen hatten, erschien ihn der Engel der Berge und sagte ihm „Muhamed (S) – Allah hörte und sah wie diese Menschen mit dir umgegangen sind und was sie dir gesagt haben.  Mir wurde aufgetragen, wenn du es wünschst, die Berge über dieses Volk einstürzen zu lassen und sie alle zu begraben“ – darauf antwortete der Prophet „Nein, vielmehr wünsche ich, dass sie oder ihre Nachkommen rechtschaffene Muslime werden die einzig und alleine Allah anbeten“.

Anas (r) berichtete über den Propheten, das einst ein Beduine auf ihn zu ging und ihn mit seinem Anliegen so sehr bedrängte, dass er dem Propheten an seinen Gewändern zog, bis der Hals des Propheten rot wurde – und der Prophet sprach kein einziges schlechtes Wort zu ihm.

Und die Gefährten des Propheten nahmen diese Charaktereigenschaften an und lebten sie. AbuBakr (r) ehrte seine Familienmitglieder und gab den Bedürftigen von diesen regelmäßig Geld und Lebensmittel. Einer jedoch von diesen sprach schlecht über seine Tochter Aisha (r) [der Frau des Propheten] und verleugnete sie – zu Unrecht! – der Unzucht, ein schlimme Beschuldigung. Als dann klar wurde, dass er gelogen hatte, schwor AbuBakr, ich werde ihm nie wieder etwas von mir geben – weil er sich über die Verleumdung seiner Tochter ärgerte – doch Allah der Allmächtige sandte dann diesen Vers zu AbuBakr im Quran und belehrte ihn – und uns – etwas besseren:

Und es sollen diejenigen von euch, die Überfluß und Wohlstand besitzen, nicht schwören, sie würden den Verwandten, den Armen und denjenigen, die auf Allahs Weg ausgewandert sind, nichts mehr geben, sondern sie sollen verzeihen und nachsichtig sein. Liebt ihr es (selbst) nicht, daß Allah euch vergibt? Allah ist Allvergebend und Barmherzig.”

Allah – seht zu welchen edlen Wesen uns unsere Religion erziehen will – wir sollen vergeben und nachsichtig sein, auch wenn uns Unrecht getan wurde (!) – und wir sollen dies für Allah tun, so wird Allah uns unermesslich dafür  belohnen, das verspricht uns Allah im Quran! AbuBakr hörte diesen Vers und sagte – doch fürwahr liebe ich es, dass Allah mir vergibt – und vergab diesem Mann!

Einst sprach ein Mann den Khalifen Omar mit scharfer Zunge an und sagte ihm „weder bist du uns ein gütiger Herrscher noch verteilst du das Geld in gerechter Weise!“. Als Omar dies hörte erzürnte er und wurde wütend – doch dann sprach ein Gefährte zu ihm und erinnerte: Allah lehrt uns im Quran folgenden Vers: Nimm den Überschuß, gebiete das allgemein Gute und wende dich von den Toren ab!  – und sein Gefährte ergänzte, „dies ist einer von den Toren“ – daraufhin besann sich Omar und sprach kein schlechtes Wort – denn er hielt die Grenzen des Buches Allahs stets ein.

An vielen Stellen im Quran erzieht uns Allah zur Nachsicht, zur Milde, Vergebung  und zur Gerechtigkeit, so heißt es in Surat Ali-Imran:

Und beeilt euch um Vergebung von eurem Herrn und (um) einen (Paradies)garten, dessen Breite (wie) die Himmel und die Erde ist. Er ist für die Gottesfürchtigen bereitet, die in Freude und Leid ausgeben und ihren Grimm (also ihren Zorn) zurückhalten und den Menschen verzeihen. Und Allah liebt die Gutes Tuenden”

Die Gefährten fragten einst den Propheten:

O Gesandter Allah (S), wer sind die beliebtesten Diener Allahs?

Er sagte: diejenigen, die den Menschen am meisten nützen. Und zu den beliebtesten Taten bei Allah gehört: einem Moumin eine Freude zu bereiten – oder ihm eine Sorge zu nehmen – oder ihm eine Schuld zu begleichen – oder ihn vor Hunger zu bewahren – und dass ich mich mit einem Muslim aufmache, um ihn zu helfen eine seiner Angelegenheiten zu erledigen, ist mir lieber, als 2 Monate in dieser meiner Moschee I3tikaf zu machen!“ – denn der I3tikaf ist eine Sache zwischen mir und Allah  – aber wenn ich bemüht bin, aktiv werde um meinem Bruder ein Problem zu lösen – dann wird Allah auf dich hernieder blicken und sagen – du begibst dich mit deinem Bruder um ihn von Sorgen zu befreien, investierst deine Zeit, deine Kraft und dein Geld – so werde Ich dich am Tage der Abrechnung von deinen Sorgen befreien und Ich werde dir deine Angelegenheiten regeln und Ich werde Dir deine Schulden tilgen.

Und wer mit seinem Bruder läuft um ihm bei der Erledigung eines Anliegen zu helfen bis dieses erledigt ist  – dem wird Allah seine Schritte festigen am Tage der Auferstehung, wenn die Schritte ins Wanken geraten.

Und wer seinen Zorn im Moment der Wut unterdrückt, dem wird Allah seine Blöße verbergen!

Eines der schwersten Taten – die in deiner Waagschale gelegt wird am Tage der Abrechnung – ist, wenn du deinen Zorn und Wut aufgrund einer Ungerechtigkeit hinunterschluckst und das Anliegen Allah überlässt – obwohl du die Möglichkeit hättest, dein Recht durchzusetzen.

Und vergiss niemals: Tu was dir beliebt – wie du dich verhältst so wird dir gegeben – glaubst du denn etwa – dass du niemals jemandem Unrecht zugefügt hast – würdest du nicht auch wollen, dass dieser dir vergibt?

Liebe Geschwister im Islam,

Allah der Erhabene ermahnt dich und mich zur Nachsicht und zur Vergebung – nicht nur in den belanglosen Dingen im Leben – sondern erst Recht in den schweren Momenten die das Leben mit sich bringt. Wenn ein guter Freund dich verletzt oder dir Unrecht tut, oder dich jemand in deiner Ehre verletzt – findest du im Islam kein Vorbild darin, dass du dann Jahre lang nicht mehr mit ihm redest und ihm aus dem Weg gehst oder gar ihn zum Feind nimmst – nein, vielmehr lehrt dich der Islam genau das Gegenteil. Auch wenn deine Frau, Ehemann, deine Kinder oder Eltern dir Unrecht tun sollten – hast du nicht das Recht sie deswegen zu verlassen – bleib geduldig und ertrage diesen Schmerz leise in deiner Brust für Allah und lass ihn nicht raus kommen – denn dann verspricht dir Allah einen hohen Lohn. Denke nicht, dass du damit deinem Ansehen und deinem Stolz schadest – im Gegenteil, Allah wird dir dafür dein Herz mit Zufriedenheit erfüllen und am Tage der Abrechnung erwarten dich dafür Belohnungen von Allah, die du dir nicht vorzustellen vermagst.

Wer immer sich für Allah demütig zeigt, den wird Allah erheben und ehren! Ein Versprechen von Allah, wenn deine Absicht rein ist!

(Im Arabischen Original von Sheikh Abdelhak Elkouani)