Menschenrechte

Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Die Leiden Syriens und der islamischen Welt

Bismillah ir-Rahman ir-Rahim

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten, dem Besitzer von Kraft und Stärke. Demjenigen, der die Unterdrückten zum Sieg führen und die Bittgebete der Bedürftigen erhören wird. Der die Hilfebittenden erhört, der die Sorgen und den Kummer vertreibt.

Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen.

Und der Friedens- und Segensgruß über den, der aus Barmherzigkeit den Weltenbewohnern entsandt wurde, unser geliebter Prophet Muhamed(S) 

Liebe Geschwister im Islam,

an jedem Morgen der aufgeht begleiten uns die Leiden und Schmerzen Syriens. Die Minarette Damaskus klagen über all das Blutvergießen, über all die Toten, Witwen und Waisen des Landes. Über die Verwundeten, Vertriebenen und über die Mittellosen.

Liebe Gläubige,

seit zwei Jahren wird das Blut des syrischen Volks durch die eigene Regierung vergossen – alleine aus dem verzweifelten und skrupellosen Versuch heraus, an der Macht festzuhalten. Das Volk ging Monate auf die Straße ohne auch nur einen Stein zu werfen, sie wollten ihre Würde und ihre Freiheit erhalten, doch wurden sie tagtäglich von dem Regime abgeschlachtet.

Hier einige Fakten, die zeigen mit welcher rücksichtslosen Brutalität die syrische Regierung gegen sein eigenes Volk vorgeht:

  • Die Zahl der Opfer beträgt mittlerweile 65.000 Menschen  (Anmerkung: andere Zahlen sagen  80.000 Opfer!!)
  • 4.349 Kinder
  • 3.567 Frauen
  • 7.014 Soldaten
  • 1.455 Menschen die unter Folter gestorben sind
  • Über 60.000 vermisste Personen
  • Über 140.000 Menschen sind von der syrischen Regierung eingesperrt
  • 137.000 Verwundete – hiervon viele, welche ihr Leben lang behindert oder gelähmt bleiben
  • Und über 714.000 syrische Flüchtlinge seit Beginn der Aufstände (Andere Zahlen sagen es seien 1,2 Millionen Flüchtlinge)

Und dies alles geschieht unter den Augen der Weltöffentlichkeit. Tagtäglich sehen wir schockierende und entsetzliche Bilder, doch die gesamte Welt – auch die islamische – sieht tatenlos zu. Und das syrische Volk leidet tagtäglich. Keine Art der Demütigung, Unterdrückung  oder Grausamkeit hat das Regime ausgelassen, um sein Volk und seinen Willen zu brechen. Wir haben auf Videos entsetzliche Taten gegen das syrische Volk gesehen, Dinge, die sich ein normaler Mensch gar nicht vorstellen kann. Gefolterte Kinder, vergewaltigte Frauen, aufgehängte oder lebendig begrabene Männer – Abscheulichkeiten die mit einer Eiseskälte und Gleichgültigkeit durchgeführt wurden.

Die alles und die Welt sieht tatenlos zu – keiner hört die Leiden und die Stimmen der Opfer. Einzig und alleine erhört sie der Allerbarmer der Nahe ist. Erhören wird sie Allah, der Wächter, der Allmächtige und Gewaltige, der Lebendige der Nicht-Stirbt.

Und meine ja nicht, Allah sei unachtsam dessen, was die Ungerechten tun. Er stellt sie nur zurück bis zu einem Tag, an dem die Blicke starr werden“

– heißt es in Surat Ibrahim.

Liebe Gläubige,

Allah der Erhabene prüft die Standhaftigkeit Seiner Diener im Diesseits. Dies lehrt uns Allah unter anderem in Surat Al Mulk:

Der den Tod und das Leben erschaffen hat, damit Er euch prüfe, wer von euch die besten Taten begeht. Und Er ist der Allmächtige und Allvergebende.“

Und die Geschehnisse in Syrien sind nicht nur eine Prüfung für die dort lebenden Syrier. Nein, jeder gläubige Muslim, der ein wenig Verantwortung im Herzen für die islamische Gemeinschaft verspürt, leidet unter den Vorkommnissen in Syrien. Und jeder Muslim wird von Allah gefragt werden, was hast DU für deine unterdrückten Geschwister getan? Was hast DU gefühlt? Hast DU überhaupt Anteil genommen? Hat es dich überhaupt interessiert? ´

Liebe Geschwister – unser Glaube verlangt von uns, dass wir Anteil an dem Leid unserer Geschwister nehmen. Wir sind dazu verpflichtet, unseren unterdrückten Geschwistern beizustehen. Und um eine Änderung herbeizurufen, müssen wir einige Schritte beachten:

1. Schritt: Unsere Einstellung.

Wir müssen unsere Einstellung über die Geschehnisse in Syrien überdenken. Denn das was in Syrien geschieht, geht nicht nur die Syrer etwas an – vielmehr geht es jeden Muslim etwas an – sogar, jedem Menschen der die Gerechtigkeit und Menschlichkeit achtet. Jeder Muslim muss sich klar machen, dass die Angelegenheit Syriens auch seine Angelegenheit ist. Und dazu gehört auch, dass wir über folgenden Vers nachsinnen und diesen verinnerlichen:

Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist.“

2. Schritt: Die finanzielle Unterstützung!

Spende Geld in Namen Allahs damit es die Hilfsbedürftigen im Landesinneren und die Flüchtlinge erreicht. An vielen Stellen empfiehlt uns der Islam, für uns selber zu spenden, so auch in den folgenden Versen:

Rückt aus, leicht oder schwer, und müht euch mit eurem Besitz und eurer eigenen Person auf Allahs Weg ab. Das ist besser für euch, wenn ihr (es) nur wisst.“

…und…

… gebt aus von dem, worüber Er euch zu Statthaltern eingesetzt hat“

Mit dem Einsatz eures Geldes gebt ihr offenkundig zu verstehen, wie wichtig euch diese Angelegenheit ist!

3. Schritt: Anteilnahme!

Wir müssen unseren Geschwistern in Syrien zu verstehen geben, dass sie von uns – und wir von ihnen sind. Das über eine Milliarde muslimischer Herzen mit ihnen sind – wie es uns der Hadith lehrt: „Der Gläubige ist seinem Bruder wie ein Mauerwerk, der eine stützt den anderen“. Es bekümmert und schmerzt unsere Herzen zu sehen, wie Al-Sham (also Syrien) zerstört und ihre Bevölkerung abgeschlachtet wird.

Dazu gehört auch, dass wir den Gruppen und Organisationen beistehen, die sich zusammengetan haben um dem syrischen Volk zu helfen. Ebenso müssen wir uns im die  medizinische Unterstützung kümmern.

Auch gehört dazu, dass wir zu den Treffen und Demonstrationen gehen – so  wird unter anderem wird in Mainz ein Vortrag mit Scheich Nabulsi stattfinden.

4. Schritt: Gewissheit!

Der Islam lehrt uns, dass wir nicht an den Sieg Allahs zweifeln dürfen – vielmehr müssen wir uns über den Sieg gewiss sein. Und diese Hoffnung sollten wir unseren verzweifelten Geschwistern vermitteln. Allah der Allmächtige sagt in Surat Al Rum: „und es war für Uns eine Pflicht, den Gläubigen zu helfen.“  Und es heißt: „Der Sieg kommt ja nur von Allah. Gewiß, Allah ist Allmächtig und Allweise.“

Keiner von uns sollte an dem Versprechen Allahs Zweifeln, doch darf auch keiner ungeduldig oder voreilig werden, denn wann Allahs Sieg eintreffen wird, das weiß einzig Allah. In Sura Al Baqarah heißt es:

Oder meint ihr etwa, daß ihr in den Paradiesgarten eingehen werdet, noch bevor Gleiches über euch gekommen ist, wie über diejenigen, die vor euch dahingegangen sind? Not und Leid widerfuhr ihnen, und sie wurden erschüttert, bis daß der Gesandte und diejenigen, die mit ihm glaubten, sagten: “Wann kommt Allahs Sieg?” Aber wahrlich, Allahs Sieg ist nahe.”

Die zunehmende Brutalität mit dem das Regime vorgeht zeigt, dass der Sieg inschaAllah nahe sein wird.

5. Schritt: Aufrichtiges Bittgebet!

Die vielen aufrichtigen Niederwerfungen bei Nacht und die Bittgebete mit tränendem Auge sind nicht ungehört. Allah sagt im Quran:

Sag: Mein Herr kümmerte Sich nicht um euch, wenn nicht euer Bittgebet (zu Ihm) wäre“

und in Surat al An3am heißt es:

Wenn sie doch nur, als Unsere Gewalt über sie kam, unterwürfig gefleht hätten! Aber ihre Herzen verhärteten sich, und der Satan schmückte ihnen aus, was sie zu tun pflegten.“

Und der Prophet (S) sagte in einem Hadith:

Die beste Dienerschaft ist das Bittgebet“.

Liebe Geschwister,

so aussichtslos und verzweifelt die Lage auch aussehen mag, wie überheblich und skrupellos sich das Regime und seine Verbündeten auch präsentieren mögen, in unseren Herzen besteht kein Zweifel darüber, dass Allahs Sieg kommen wird. Kein Bluttropfen, keine Träne, kein Weinen und kein Leid wird von Allah vergessen werden – wehe dann dem Unterdrücker!

O Allah, bringe unseren unterdrückten, gedemütigten und vertriebenen Geschwistern den raschen und vollständigen Sieg.

O Allah, erkenne ihre Gefallenen als Märtyrer an. Heile ihre Verwundeten. Stehe ihren Witwen und Waisen bei. Heile die Wunden ihrer Herzen und stärke sie im Diesseits.

IVAD-Event: 20. Januar 2013 Wo bleibt die Menschlichkeit? – Das muslimische Herz – Referentin: Saloua Mohammed

Das IVAD-Team präsentiert am Sonntag, 20. Januar 2013  um 15.30 Uhr in der Aula des Immanuel Kant Gymnasiums, Evreuxring 25, 65428 Rüsselsheim einen weiteren deutschsprachigen islamischen Vortrag.
Dieses mal mit dem Titel: Wo bleibt die Menschlichkeit? – Das muslimische Herz
Referentin ist Schwester Saloua Mohammed, Frauen- und Menschenrechtsaktivistin aus Bonn.
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