Freie Übersetzung der Freitagspredigt, Ehe- und Familienleben Teil 7 – Die Brautgabe

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß über den, der aus Barmherzigkeit den Weltenbewohnern entsandt wurde, Muhamed (S).

Und verheiratet die noch ledigen (Männer und Frauen) unter euch und die Rechtschaffenen von euren Sklaven und euren Sklavinnen. Wenn sie arm sind, wird Allah sie durch Seine Huld reich machen. Allah ist Allumfassend und Allwissend.”

Liebe Geschwister im Islam,

in den letzten Woche hörten wir einiges über die Rechte der Ehemänner ihren Frauen – und über die Rechte der Frauen ihren Ehemännern gegenüber. Heute setzen wir InschaAllah die Vortragsreihe über das Familienleben fort und sprechen über die Brautgabe – Al-Mahr.

Wie auch in den letzten Wochen werden wir heute wieder sehen, dass die meisten Gründe, die zu Probleme und Streitereien während der Ehe führen, auf die Nichtbeachtung der Empfehlungen unseres Propheten (S) beruhen.

Eines der wichtigsten Rechte der Frauen gegenüber ihren Männern ist, dass die Männer die Brautgabe, wie vor der Ehe vereinbart, den Frauen geben. Dazu fordert uns auch Allah im Quran auf, so heißt es in Sura al Nisa:

Und gebt den Frauen ihre Morgengabe als Geschenk. Wenn sie für euch aber freiwillig auf etwas davon verzichten, dann verzehrt es als wohlbekömmlich und zuträglich.”

Allerdings ist es heutzutage so, dass die Brautgabe viel zu hohe Dimensionen erreicht – was das Heiraten unnötig erschwert, und sogar zu Spannungen in beiden Familien führen kann. Viele Väter denken heutzutage, dass der Mahr (also die Brautgabe) ein Preis für die Frau darstellt – oder ein Preis ihrer Schönheit ist – oder, dass dieses Geld  – oder ein Teil davon – bei dem Vater oder der Familie bleibt um sich selber zu bereichern. In Wahrheit ist die Brautgabe ein Recht von Allah für die Frau, das ihr ausgehändigt werden muss und mit dem sie tun und lassen kann was sie will.

Ali Ibn AbiTalib sagte „Übertreibt es nicht mit der Brautgabe – sonst kann dies Grund zur Feindschaft werden“.

Und auch der Prophet(S) verdeutlichte, dass die Brautgabe keine unermesslich hohen Summen aufweisen darf – für die sich der Mann tief verschulden muss – und noch schlimmer, wenn das Geld für die Brautgabe im Haram angehäuft wird. Wie kann dann diese Ehe von Allah gesegnet werden? Der Hadith lehrt eher, dass diejenigen die eine Vernünftige Brautgabe verlangen von Allah gesegnet werden.

Und wenn es wirklich so wäre, dass die Brautgabe den Wert der Frau widerspiegeln sollte – oder eine hohe Brautgabe einer Ehrerbietung der Frau gleichkäme – dann wäre die teuerste Brautgabe aller Zeiten für die Tochter des Propheten (S) Fatima – Allahs Segen und Frieden auf ihr – entrichtet worden. Doch als Ali sie heiraten wollte und der Prophet (S) ihn fragte, was er ihr als Brautgabe geben könne, hatte er nichts außer ein Kleid – was der Prophet (S) als Brautgabe für seine Tochter annahm.

Auch in vielen anderen Überlieferungen aus dieser Zeit lernen wir, dass die Brautgabe kein übertriebener Preis war, der nur von den Reichen oder durch Schulden zu entrichten war.

Abschließen möchten wir mit folgendem Hadith:

Sahl Ibn Sa`d berichtete: „Eine Frau kam zum Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, und sagte: „Ich bin zu dir gekommen, um mich selbst als Geschenk an dich zu geben. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, hob seinen Blick zu ihr, schaute sie für eine Weile an*, senkte dann seinen Kopf zum Boden. Als die Frau sah, dass er über ihr Angebot keine Entscheidung traf, setzte sie sich hin. Darauf stand ein Mann von seinen Gefährten auf und sagte: „O Gesandter Allahs, wenn du nichts mit ihr vorhast, dann gib sie mir zur Frau!“ Der Prophet fragte ihn: „Hast du etwas (als Brautgabe)?“ Er sagte: „Nein, bei Allah, o Gesandter Allahs.“ Der Prophet sagte zu ihm: „Geh dann zu deiner Familie und siehe, ob du etwas findest!“ Der Mann ging, kam (nach einer Weile zurück) und sagte: „Nein, bei Allah! Nichts habe ich gefunden.“ Der Prophet sagte zu ihm: „Geh und suche einen Ring, sei dieser auch aus Eisen!“ Der Mann ging, kam dann (nach einer Weile zurück) und sagte: „Nein, bei Allah! Nichts habe ich gefunden, nicht einmal einen Ring aus Eisen. Aber hier ist mein Lendentuch, von dem sie die Hälfte besitzen kann.“ Der Mann besaß aber kein Oberkleid dazu, und der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte zu ihm: „Was soll sie mit deinem Lendentuch machen? Wenn du es anhast, so hat sie nichts auf ihrem Leibe und wenn sie es anhat, so hast du selbst nichts auf deinem Leibe.“ Der Mann setzte sich hin und als es lange dauerte, stand er auf. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sah, dass er weggehen wollte, ließ er nach ihm rufen, und als dieser zurückkam, sagte er zu ihm: „Was kennst du vom Qur´an auswendig?“ Der Mann sagte: „Ich kenne die Sura Soundso und die Sura Soundso auswendig.“ Er nannte ihm dann mehrere Suren. Da sagte der Prophet: „Kannst du diese auswendig rezitieren?“ Der Mann sagte: „Ja!“ Da sagte der Prophet zu ihm: „Du kannst dann gehen! Wir haben sie dir zur Frau für das gegeben, was du vom Qur´an auswendig kennst.“

Liebe Geschwister im Islam, fürchtet Allah was die Vermählung eurer Anbefohlenen angeht – und haltet nach den Gottesehrfürchtigen und denen mit gutem Charakter Ausschau. Und hütet euch, mit euren Töchtern Geld verdienen zu wollen – oder dass ihr jemanden Vermählt weil er Geld und Vermögen besitzt – aber keinen Glauben hat. Denn das Geld das der Mensch besitzt ist eine Leihgabe die er nicht mit in sein Grab nehmen wird – was bleiben wird ist der Glaube und die Taten.