Güte

Die Güte gegenüber den Eltern

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.”

Thema unserer heutigen Predigt ist „die Güte gegenüber den Eltern im Islam

Liebe Gläubige, in der vorletzten Freitagspredigt sprachen wir über die Liebe und den gütigen und menschlichen Umgang miteinander. Dabei gingen wir auch auf die Wichtigkeit ein, dass nach der Liebe zu Allah und seinem Propheten  (ﷺ) die Liebe zu den Eltern und die Liebe der Eltern zu ihren Kindern ein tragende Rolle spielen.

Auf Grund der wichtigen Bedeutung dieses Themas, werden wir heute auf den ersten Aspekt, nämlich die Liebe und die Güte gegenüber den Eltern eingehen. Am kommenden Freitag werden wir dann (so Allah will) auf den zweiten Aspekt also die Liebe der Eltern gegenüber ihren Kindern eingehen.

Liebe Geschwister, es ist etwas natürliches, dass jeder seine Eltern liebt, also die Menschen, die aus biologischer Sicht sein Dasein auf dieser Welt ermöglicht haben und von Allah (ta’ala) dafür auserwählt wurden.

Aber im Islam geht die Liebe gegenüber den Eltern weit darüber hinaus. So stellt Allah (ta’ala) die Güte zu ihnen gleich mit dem Gottesdienst. So können wir über diesen Weg Sein Wohlwollen und Glückseligkeit im Dies- und Jenseits erlangen.

Allah (ta’ala) sagt im edlen Quran (in der ungefähren Bedeutung):

Und dein Herr hat befohlen: “Verehrt keinen außer Ihm und (erweist) den Eltern Güte. Wenn ein Elternteil oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sage dann nicht “Pfui!” zu ihnen und fahre sie nicht an, sondern sprich zu ihnen in ehrerbietiger Weise.”

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Jungen und Mädchen, achtet darauf, unabhängig davon, ob eure Eltern Muslime oder Nicht-Muslime sind, euch gut oder schlecht behandeln:

  • ihnen gegenüber gütig zu sein,
  • barmherzig mit ihnen umzugehen
  • und sie in allen Situationen gut zu behandeln.

Dies ist eine PFLICHT, welche uns Allah (ta’ala) auferlegt hat.

Eine besondere Stellung haben dabei unsere Mütter erlangt, so sagt Allah (ta’ala) im edlen Quran (in der ungefähren Bedeutung):

Und Wir haben dem Menschen im Hinblick auf seine Eltern anbefohlen – seine Mutter trug ihn in wiederholter Schwäche und seine Entwöhnung (erfolgt) innerhalb von zwei Jahren -: “Sei Mir und deinen Eltern dankbar. Zu Mir ist die Heimkehr.”

Wir haben viel Verständnis dafür, wenn junge Brüder und Schwestern sich über das Verhalten ihrer Eltern beschweren, dass sie sich nicht kümmern würden, dass sie manchmal ungerecht seien oder sich gar in die privaten Angelegenheiten ihrer Kinder einmischen. Sicherlich haben Eltern, die dies tun keinen Anrecht dazu, doch liebe Geschwister Allah (ta’ala) hat uns die Aufgabe gegeben, dennoch gütig zu ihnen zu sein und sie trotz allem gut zu behandeln und geduldig mit ihnen zu sein, denn es ist uns eine Ehre, unseren Glauben zu vollenden, in dem wir allen Aufforderungen Allah’s ohne zu zögern nachkommen.

Allah (ta’ala) sagt im edlen Quran (in der ungefähren Bedeutung):

Und senke für sie in Barmherzigkeit den Flügel der Demut und sprich: “Mein Herr, erbarme Dich ihrer (ebenso mitleidig), wie sie mich als Kleines aufgezogen haben.”

Sogar das bloße Seufzen mit dem Wort “Pfui” hat uns Allah (ta’ala) ihnen gegenüber verboten, oder sie an etwas zu hindern, was sie tun wollen, solange es erlaubt (also halal) ist. Und Immer sind wir angehalten mit Milde und Nachsicht mit ihnen zu sprechen, geduldig warmherzig zu ihnen zu sein. Denn:

1. Vergisst nicht, wer euch zur Seite stand, als ihr ganz  klein und hilflos wart, sie haben uns als Kinder beschützt, unsere Sorgen getragen, waren immer für uns da, wenn wir krank waren, haben Tag und Nacht gearbeitet, damit es uns gut geht.

2. Gütig zu den eigenen Eltern zu sein, hat Allah (ta’ala) einen sehr hohen Stellenwert im Islam eingeräumt. Es steht sogar vor dem Jihad (also sich für den Glauben einzusetzen), obwohl diese Aufgabe aus unserer Sicht als Muslime oberster Priorität hat, um den Menschen die friedliche und wunderbare Botschaft des Islams zu vermitteln. Die Belohnung hierfür kommt sogar an zweiter Stelle nach der Belohnung für die fünf Gebete, welche eine der Säulen des Islams darstellt. So heißt sinngemäß in einem Hadith:

Ein Gefährte (also ein Sahabi) fragte den Propheten  (ﷺ):

Welche Taten sind Allah (ta’ala) am liebsten?

Der Prophet  (ﷺ) erwiderte: Das Gebet zeitig zu verrichten.

Dann fragte er erneut: Und was noch?

Der Prophet (ﷺ) antwortete: Gütig zu den Eltern sein.

Dann fragte er erneut, und was noch?

Der Prophet (ﷺ) sagte: Sich für den Glauben einzusetzen.“

3. Gütig zu den eigenen Eltern zu sein ist eine großartige Möglichkeit, um Allah’s Wohlwollen zu erreichen und Vergebung für unsere Sünden zu erlangen.

So heißt es sinngemäß in einem Hadith:

Allah’s Wohlwollen ist in dem Wohlwollen der Eltern eingebettet,

auch der Zorn Allah’s ist in dem Zorn der Eltern eingebettet“

In einem anderen Hadith wird berichtet:

Eines Tages kam ein Mann zum Propheten (ﷺ) und beklagte sich über seine vielen Sünden.

Der Prophet (ﷺ) fragte ihn darauf hin: Hast du eine Mutter? (also lebt deine Mutter?)

Der Mann antwortete: Nein.  Der Prophet (ﷺ) fragte ihn erneut: Hast du eine Tante?,

Der Mann erwiderte: Ja. Daraufhin sagte der Prophet  (ﷺ): Sei gütig zu ihr!“

4. Gütig gegenüber den eigenen Eltern zu sein, eröffnet uns die Tore zum Glück und zur Vergebung unserer Sünden, entfernt uns von Kummer und Trauer und schenkt uns Glück im Dies- und Jenseits.

Dabei sei die Geschichte der drei Männer erwähnt, welche in einem Hadith berichtet wurde. Dabei wurden drei Männer in einer Höhle durch einen riesen Felsen eingeschlossen und ihre Lage war ausweglos. So begannen sie zu beten und Bittgebete (Dua) auszusprechen, damit Allah (ta’ala) ihnen aus ihrer aussichtslosen Lage hilft. Nur bei dem Bittgebet, desjenigen, der gütig zu seinen Eltern war, bewegte sich der Felsen und sie kamen aus der Höhle frei. Dieser folgte nämlich dem Wunsch seiner alten Eltern und ging los um Milch für sie zu besorgen. Als etwas etwas länger gedauert hatte, als erwartet und er zurück kam, waren die Eltern bereits eingeschlafen. Um sie jedoch nicht mit Geräuschen aufzuwecken oder  zu stören, blieb er an einer Stelle bis zum Morgengrauen stehen und wartete bis zu ihrem Aufwachen um ihnen dann die Milch zum Trinken zu geben. Dies tat er mit der Absicht Allah’s Aufforderung gerecht zu werden gegenüber den Eltern gütig zu sein und Allah (ta’ala) hat ihn und seine Begleiter dafür vor dem sicheren Tod bewahrt.

5. Gütig zu den eigenen Eltern zu sein, ist der kürzeste Weg ins Paradies!

In einem Hadith sagte der Prophet  (ﷺ) sinngemäß:

„Er hat verloren, er hat verloren, er hat verloren.

Die Sahabis fragten: Wer O Prophet Allah‘s?

Er antwortete: Derjenige, welcher seine Eltern im Alter oder einen Teil von Ihnen miterlebt, und trotzdem nicht ins Paradies kommt“

Liebe Geschwister, die Liebe, Güte und Barmherzigkeit der Eltern gegenüber ist immer eine Eigenschaft der Propheten und wahren Gläubigen gewesen, die wir uns als Vorbild nehmen. Diesen Vorbildern müssen wir folgen.

Abschließend folgen sechs umfassende Empfehlungen, welche für Frauen und Männer gleichermaßen gelten:

1. Die wahre gläubige Frau unterstützt ihren Mann dabei gütig zu seinen Eltern zu sein, besonders gegenüber seiner Mutter. Sie muss ihm dabei helfen ein guter Muslim zu sein, ihm in guten Taten beistehen und nicht ein Mitunterstützer des Teufels sein, denn es kann nicht angehen, dass die Frau eifersüchtig auf die Mutter ihres Mannes ist. Das ist Wahnsinn und nicht normal. Die Frau hat ihre Rechte. Die Mutter jedoch auch. Beide Rechte dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Im Islam widersprechen sich diese Rechte nicht und konkurrieren auch nicht, sondern sind klar und deutlich geregelt. Das gleiche gilt für den Mann der Eifersucht entwickelt, wenn die eigene Frau gütig zu ihren Eltern ist.

2. Lieber Bruder ignoriere jede Aufforderung, deine Eltern nicht gut zu behandeln und sie zu vernachlässigen, denn wenn dich zum Beispiel deine Ehefrau dafür verlässt, dann könntest du erneut heiraten und auch weitere Kinder bekommen. Deine Eltern jedoch kann niemand ersetzen. Sie gibt es nur einmal und du solltest jede Gelegenheit nutzen, um gut zu ihnen zu sein bevor es zu spät ist. Dein Vater und deine Mutter sind dein Paradies oder deine Hölle, also beeil dich bevor sie sterben und es für dich zu spät ist. Du würdest es ein Leben lang bereuen, wenn du während ihrer Lebenszeit nicht gut zu ihnen warst.

3. Die jungen Männer und Frauen, die sich daran erfreuen, die Köpfe ihrer Eltern zu küssen, fordere ich auf, auch ihre Füße zu küssen um Demut ihnen gegenüber zu zeigen und Allah’s Wohlwollen in vollendeter Form zu erlangen.

4. Und diejenige, die entfernt von ihren Eltern leben müssen, fordere ich auf stets den Kontakt zu ihnen halten, ohne Rücksicht auf die Kosten und immer Bettgebete für sie zu sprechen.

5. Diejenigen, deren Eltern nicht mehr leben sollten, dürfen nicht vergessen, dass sie auch nach ihrem Tod gütig zu ihnen sein können, in dem sie für ihre verstorbenen Eltern Bittgebete sprechen und ihre Verwandten und Freunde besuchen und gütig zu ihnen sind.

6. Geschiedene Eheleute sollten gottesfürchtig sein und die Kinder nicht dazu verleiten den Vater oder die Mutter zu hassen.

Möge uns der gütige und liebevolle Umgang gegenüber unseren Eltern die Tore zu Allah’s Gnade und Seinem Paradies öffnen.

Gepriesen sei unser Herr – und gesegnet sei unser Prophet ().  Und das letzte unserer Bittgebete sei der Dank und die Lobpreisung Allahs.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.

Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Die Herzensgüte

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten, dem Besitzer von Kraft und Stärke. Demjenigen, der die Unterdrückten zum Sieg führen und die Bittgebete der Bedürftigen erhören wird.

Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen.

Und der Friedens- und Segensgruß über unseren geliebteen Prophet Muhamed(S), der aus Barmherzigkeit den Weltenbewohnern entsandt wurde

Liebe Geschwister im Islam,

in der letzten Khutba sprachen wir über den Großmut, über die NachsichtVergebung und dieVersöhnung. Wir sprachen darüber, dass ich meinem Bruder nur das Beste will, so wie ich es auch für mich will. Darum, dass ich vergebe – um Allahs-Willen – wenn mich jemand falsch behandelt. Und wir hörten auch, dass diese Charaktereigenschaften bei Allah einen sehr hohen Stellenwert haben.

In der heutigen Khutba reden wir über ein verwandtes Thema, über die „Herzensgüte“ – dass der Muslim ein reines und vergebendes Herz haben sollte, dass er in seinem Leben darauf bedacht ist, sein Herz rein zu halten – dass er es nicht zulässt, dass in seinem Herzen Hass, Neid oder Missgunst aufwächst. Dazu gehört auch, dass der Muslim nicht nachtragend sein sollte.

War es denn nicht so, dass der Neid und Hass der Grund dafür war, dass der Satan aus dem Paradies verbannt wurde? Und war es nicht so, dass Neid und Missgunst der Grund für das erste Verbrechen der Menschen auf Erden war?

Neid, Hass, Missgunst und Selbstsucht sind die Werkzeuge des Satans mit denen er die Menschen lenkt und sie zu Sünden treibt –  lässt der Mensch diese Gefühle in seinem Herzen einmal wachsen, so werden sie sein Herz verdunkeln!

Deswegen lehrt uns Allah, wie wir unsere Herzen reinhalten sollen, um uns vor Sünden und Fehltritten zu bewahren.  In Surat Al Hujurat heißt es:

Die Gläubigen sind doch Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren beiden Brüdern und fürchtet Allah, auf daß ihr Erbarmen finden möget.” 

Eine brüderliche Zuneigung kann nur mit einem reinen Herzen erfolgen – das bedeutet, dass du keine schlechten Gedanken über deinen Bruder hegst, dass du ihm seine Fehltritte vergibst und nicht nachtragend bist. Unser Prophet hegte in seinem Herzen keine schlechten Gedanken über seine Mitmenschen – und er mochte es nicht, wenn schlechte Eigenschaften von anderen Menschen in seiner Gegenwart erwähnt wurden – er sagte dann „Ich möchte nichts Schlechtes über meine Gefährten hören – denn ich möchte unter euch mit reinem Herzen sein“.

Und in einem Hadith lehrte der Prophet (S), dass der Friedensgruß gegenseitige Zuneigung wachsen lässt.

Liebe Geschwister im Islam, ein reines Herz bringt viel Gutes mit sich

Allah spricht im Quran über die Paradiesbewohner:

Und Wir nehmen weg, was in ihren Brüsten an Groll ist, als Brüder auf Liegen (ruhend), einander gegenüber.” 

Und der Prophet (S) sagte „zu den ersten Menschen die das Paradies betreten werden gehören diejenigen, die reinen Herzens waren und in diesen keinen Hass, Missgunst oder Neid hegten – es gibt keine Uneinigkeit zwischen ihnen“

Die Gefährten fragten einst den Propheten (s), welche die besten Menschen sind – er sagte „die mit aufrechter Zunge und mit reinem Herzen. Ihre Herzen sind rein und aufrichtig, kein Hass ist in ihm verschlossen, auch kein Neid, Missgunst oder Bosheit“.

  • In einem anderen Hadith sagte der Prophet „hütet euch vor den Krankheiten der Herzen – die bereits die Gemeinschaften vor euch überkamen – den Neid und den Hass – und der Hass zerstört den Glauben“.
  • Und der Prophet lehrte auch, dass in einem Herzen nicht gleichzeitig der Glaube und Neid sein kann. Das heißt, wenn Neid dein Herz erfüllt, dann lässt er in diesem keinen Platz mehr für deinen Glauben.

Und Allah lehrt im Quran, dass das heile Herz die Grundlage unserer Errettung am Tage der Auferstehung ist, in Sura Al-Schu3ara heißt es:

an dem Tag, da weder Besitz noch Söhne (jemandem) nützen, außer, wer zu Allah mit heilem Herzen kommt.”

  • Auch sind die heilen Herzen Grundlage dafür, dass unsere Sünden vergeben werden – in einem Hadith heißt es, dass an jedem Montag und Donnerstag die Taten der Menschen Allah vorgetragen werden – und Allah vergibt an diesen Tagen jeden Menschen, der Ihm nichts beigesellt – außer zwei Personen, die sich verstritten haben – und Allah zu den Engeln – ihnen wird nicht vergeben, bis sie sich wieder versöhnt haben!!

Liebe Geschwister im Islam, wenn wir bemüht sind, unsere Herzen zu reinigen, dann sollten wir:

  • Den Quran Lesen – denn dieser ist Heilung für die Herzen.
  • Und in einem Hadith lehrte der Prophet, dass wenn man in jedem Monat drei Tage fastet, es die Herzen entlastet.
  • Auch zeigt der Quran, dass die Spende die Herzen läutert.
  • Und das Bittgebet stellt einen Schlüssel dar, die Herzen zu reinigen.
  • Aber auch, dass du nicht schlecht über deinen Bruder denkst – und wenn du etwas von ihm gesehen hast, was dir nicht gefällt, so solltest du für ihn 70 Gründe suchen, warum er das wohl getan haben könnte.
  • Versuche stets vergebend und nicht nachtragend zu sein – und halte dich vor den Sünden fern – dann wirst du inschaAllah deinem Schöpfer mit heilem Herzen begegnen.
(Im Arabischen Original von Sheikh Abdelhak Elkouani)