Glauben

Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Omar ibn al-Khattab

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß sei über Muhammad, der aus Barmherzigkeit den Weltenbewohner entsandt wurde (sas).

Liebe Geschwister im Islam,

bereits in der letzten Woche hörten wir Auszüge aus dem Leben von Abu Bakr, einem herausragenden Gefährten unseres Propheten Muhamed (S). Menschen die durch den Quran und der Schule des Propheten (S) zu leuchtenden Vorbilder für die Menschheit geworden sind – deren Namen bis zum Ende dieser Welt ehrfürchtig Erwähnung finden.

Einst bestieg der Prophet (s) einen Berg in Uhud mit Abu Bakr, Omar und Uthman r.a., und der Berg erzitterte unter einem plötzlich aufkommendem Erdbeben. Daraufhin sprach der Prophet (S) zum Berg:

Sei still Berg! Auf dir schreitet ein Prophet, ein Wahrhaftiger und zwei Märtyrer.“

Und der Berg gehorchte, nie wandelten edlere Menschen über ihn.

Heute möchten wir uns an einige der Charaktereigenschaften von dem großen Gefährten Omar ibn al-Khattab erinnern, einem der größten und gerechtesten Anführer den die Menschheit kannte, der Prophet (S) sagte über ihn:

Würde es einen Propheten nach mir geben, würde Omar dieser Mann sein, denn niemand vermag derart gerecht zu sein wie er.”

Und in einer anderen Überlieferung heißt es:

Wahrlich, es gab schon vor euch Menschen unter den Kindern Israels, zu denen gesprochen wurde, ohne dass sie Propheten waren. Wenn sich einer von diesen in meiner Umma befindet, dann ist es Omar.“

Omar zeichnete sich einerseits durch seinen tiefen und demütigen Glauben aus, andererseits war er eine bemerkenswerte Persönlichkeit – der stets unbeirrt der Wahrheit, Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit folgte. Einen besonderen Charakter hatte er bereits bevor er den Islam annahm – durch den Islam aber veredelte er seinen Charakter und fand seinen Weg in die islamischen Geschichtsbücher. Er wachte nachts, damit die Menschen schlafen konnten – und er hungerte, damit er den Menschen zu essen geben konnte. Er war so standhaft in seinem rechten Weg, dass der Prophet (S) über ihn sagte:

(…) Sohn des Khattab, bei Dem, in dessen Hand meine Seele ist, wenn Scheitan dich den einen Weg gehen sähe, dann würde er selbst den anderen nehmen“.

An anderer Stelle lobte der Prophet (s) sowohl den Glauben als auch das Wissen von Omar (r.a.). Und der Prophet (S) prophezeite Omar (r.a.) dass er ein Bewohner des Paradieses sein wird – in einem Hadith berichtet der Prophet(S), dass er sich im Traum im Paradies gesehen hat, er machte die Gebetswaschung in der Nähe eines Schlosses aus dem eine Frau heraustrat – er fragte sie, wem gehört dieses Schloss? Und die Frau antwortete: es gehört Omar. Der Prophet (S) sagte, ich erinnerte mich der Eifersucht von Omar und verließ diesen Ort hastig. Als Omar dies hörte, sagte er weinend – O Prophet, wie kann ich dir gegenüber eifersüchtig werden?

Omar hatte ein bemerkenswertes Verantwortungsgefühl – auch als er das Khalifat übernahm, wusste er dass diese Aufgabe eine Bürde ist und keine Bereicherung, eine Versuchung der man mit Demut entgegentreten muss. Er sagte einst, wenn ein Tier zu Tode stürzen sollte, würde ich mich sorgen, dass Allah Omar fragt, warum du diesem Tier keinen Pfad hast errichten lassen auf dem es sicher gehen kann.

Als er das Khalifat übernahm, sprach er zu seinem Volk:

Gehorcht mir solange ihr seht, dass ich Allah in euren Rechten gehorche. Wenn ich Ihm gegenüber ungehorsam bin – so dürft ihr mir kein Gehorsam erbringen. Ein Mann antwortete: O Amir al Mouminin, Bei dem der Mohammed mit der Wahrheit entsandt hat, wenn wir in dir Fehler sehen, werden wir diese zu Not auch mit unseren Schwertern verbessern. Da lächelte Omar und sagte: nichts Gutes wäre in euch, wenn ihr das nicht gesagt hättet. Und nichts Gutes wäre in mir, wenn ich diese Worte nicht zulassen würden.

Über Omar wird berichtet, als er bei einem Sterbenden war, hatte er unmittelbar nach dessen Versterben das Licht ausgemacht, die Anwesenden fragten ihn verwundert: willst du uns nun im Dunkeln lassen? Omar sagte: dieses Öl, welches wir für das Licht benutzen ist nun Eigentum der Waisenkinder – wollt ihr, dass wir deren Erbe zu Unrecht verbrauchen?

Omar zeichnete sich durch seine Beharrlichkeit aus, der Wahrheit zu folgen – gerecht zu handeln, Allahs Gebote und Verbote einzuhalten. Er war ein Herrscher, der mit besten Wissen und Gewissen all seine Kraft für das Wohlergehen seines Volkes einsetzte, ohne in seinem Inneren Hochmut oder Selbstgefälligkeit aufkommen zu lassen und erzog sein Ego mit Demut. Er sagte einst zu seinen Gefährten – wenn ich wollen würde, hätte ich die besten Gewänder und die schönsten Häuser – doch ziehe ich diese Kostbarkeiten im Jenseits vor. 

Von Messerstichen tödlich verletzt sagte Omar vor seinem Tode: Wehe dem Omar, wenn der Gott Omars ihm nicht mit Vergebung und Barmherzigkeit entgegentritt; dies sagend, fing er an zu weinen.

Da sagte einer der Gefährten: ich hörte wie der Prophet sagte: der erste der sein Buch in seiner Rechten nimmt, wird Omar sein. Auch Omar war anwesend, als der Prophet dies sagte – aber der schwere Moment des Todes, ließ es ihn vergessen. Als Omar diese Worte hörte, beruhigte er sich, und bat Abu Musa diese Worte zu wiederholen – dann sagte er: Und Ich bezeuge das es keinen Gott außer Allah gibt und der Prophet sein Gesandter ist – und  verstarb mit diesen Worten auf den Lippen.

Möge sich Allah Omar erbarmen!

Liebe Geschwister im Islam – wo wäre der Stellenwert der islamischen Umah heute, wenn wir Anführer wie Omar hätten – wenn Allah uns solch einen Khalifen schenken würde, der die Muslime vereint und mit Gottesfurcht und Gerechtigkeit führen würde, müssten wir nicht hilflos zusehen, wie unsere Geschwister, unsere Kinder, Mütter und Väter tagtäglich getötet, gefoltert und gedemütigt werden.

O Allah – einige das Wort der Muslime – schenke uns einen Führer der uns vereint und uns in Deinem Namen führt, Amin.

Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Abu Bakr, der Vertrauende

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß sei über Muhammad, der aus Barmherzigkeit entsandt wurde (sas)

Liebe Geschwister im Islam,

Die Gefährten des Propheten zu kennen und sich ihrer Bedeutung bewusst zu sein, ist von großem Wert für die Lebendigkeit unseres Glaubens. Wir können festhalten: Was der Gemeinschaft in ihren Anfängen gut getan hat, tut ihr auch heute noch gut.

Und: die bitteren Umstände mit denen die Muslime heute konfrontiert werden, sind nicht zuletzt das Ergebnis der Nichtbeachtung der Vorbildfunktion, die diese herausragenden Personen für die Gemeinschaft der Muslime darstellen.

In der heutigen Khutba wollen wir uns etwas näher mit einem dieser Gefährten befassen, der durch seine Eigenschaften in besonderer Weise herausragt: Abu Bakr, der (dem Propheten) Glauben Schenkende,  der Vertrauende. Er ist derjenige, der unseren Gesandten Muhammad (sas) auf der Flucht nach Medina begleitet hat. Und somit ist er einer der wenigen, die im Qur´an Erwähnung und Auszeichnung finden. Über Abu Bakr auch sprach Muhammad (sas) in übertragener Bedeutung: „Nach Allah (t) ist er mein liebster Wegbegleiter“.

Liebe Brüder, liebe Schwestern, lasst uns Abu Bakr etwas näher betrachten. Lasst uns schauen, ob es sich ziemt, wenn wir behaupten, dass wir zu seiner Gemeinschaft gehören.

  • Abu Bakr der Vertrauende, der Glauben Schenkende. Als der Prophet (sas) von dem Wunder der Nacht- und Himmelfahrt berichtete, distanzierte sich das Volk der Quraisch noch weiter von ihm und selbst aus den Reihen der Muslime gab es einige, die wieder Abstand nahmen. Doch Abu Bakr sprach in vollem Vertrauen: „Wenn er (sas) das sagt, dann ist das die Wahrheit“

In einer anderen Überlieferung spricht Muhammad(sas): „Jedem, den ich zum Islam einlud, sah ich seine anfänglichen Bedenken an. Nur mein Bruder Abu Bakr zweifelte nie.“ Aus dieser Haltung heraus entstand der Beiname dieses großartigen Gefährten.

Wie steht es mit unserem Vertrauen, liebe Geschwister? Führt uns unsere Zuversicht in Allah zu Wohltat und Standhaftigkeit? Würden wir für unseren Glauben auch Unannehmlichkeit und Anfeindung in Kauf nehmen? Ist uns klar, dass wir Allah ständig enttäuschen, wenn wir entgegen unserer Überzeugung handeln?

  • Abu Bakr, der Großzügige, der reiche Kaufmann, der sein gesamtes Hab und Gut an Bedürftige verteilte und der Sache des Propheten (sas) zur Verfügung stellte. Er war der Anlass für die Verse im Qur´an:

    Doch ferngehalten (von der Strafe) wird der Gottesfürchtige, der seinen Besitz hingibt, um sich zu läutern, (der handelt) im Trachten nach dem Angesicht seines höchsten Herrn.”

    Wie ist es mit uns, liebe Geschwister? Sind wir uns bewusst, dass wir lediglich Treuhänder, nicht Besitzer, von Allahs Gaben sind? Gehen uns auch die Spenden und Wohltaten so leicht von der Hand, dass die linke Hand nicht weiß, was die rechte gibt? Sind wir bereit zu teilen von dem, was Allah uns beschert hat? Oder fällt uns das Spenden und Schenken immer noch so schwer, während wir uns für Materielles sogar in Schuld und Kredit begeben?

 

  • Abu Bakr, der Nachsicht übende und sich Vertragende. Es begab sich, dass ein mittelloser Gefährte die Tochter von Abu Bakr und Ehefrau des Propheten (sas) A´ischa verleumdete. Diesem Gefährten gegenüber hatte sich Abu Bakr sonst immer sehr großzügig gezeigt. Als er jedoch von der Verschwörung erfuhr, stellte er seine Gaben ein. Daraufhin wurde der Vers gesandt:

    Und es sollen diejenigen von euch, die Überfluss und Wohlstand besitzen, nicht schwören, sie würden den Verwandten, den Armen und denjenigen, die auf Allahs Weg ausgewandert sind, nichts mehr geben, sondern sie sollen verzeihen und nachsichtig sein. Liebt Ihr es (selbst) nicht, dass Allah euch vergibt?“

    Daraufhin brach Abu Bakr in Tränen aus und rief: „Doch, ich liebe, ich liebe (, dass Allah mir vergibt)!“
    Wie steht es mit uns? Vergeben wir jenen, die nicht gerecht zu uns waren? Reichen wir jenen, die uns enttäuschen, trotzdem vertragend die Hand? Oder ist es nicht eher so, dass es etliche Personen gibt, gegen die wir Groll hegen? Geschwister, Verwandte oder ehemalige Freunde, denen wir aus dem Weg gehen und über die wir schlecht reden?

Abu Bakr, ein Pionier, ein Wegbereiter. Es gibt noch viele Eigenschaften die zu benenne wären, aber leider diesen Rahmen übersteigen würden, liebe Geschwister. Es liegt nun bei uns, die Geschichte unseres geliebten Muhammad (sas) und seiner Gefährten zu studieren. Es liegt bei uns, sich ein Beispiel an diesen großartigen und selbstlosen Menschen zu nehmen. Denn Allah verspricht uns im Qur´an:

Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist.“

Ya Allah, Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser, denn Du bist unser Schutzherr.

Amin