Gemeinschaft

Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Die Pilgerfahrt

 

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten.

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ) Sein Diener und Gesandter ist.

Liebe Geschwister im Islam,

in wenigen Tagen wird für Millionen Gläubige die großartige Pilgerreise zu den geheiligten Orten beginnen um die fünfte Säule ihres Glaubens zu verrichten.  Jahrelang, wenn nicht ihr ganzes Leben lang, haben sie diesen Moment ersehnt und von ihm geträumt. Und endlich, endlich packt sie Vorfreude und Lampenfieber: die Kaaba in Mekka berühren und auf den Spuren der Propheten und ihrer Gefährtinnen und Gefährten wandeln und ihrem Barmherzigen Schöpfer nahe sein.

Die Pilgerfahrt, liebe Geschwister, ist eine Einladung Allahs an die Muslime, ihren Glauben an Ihn, an Seine Propheten und an das Jenseits zu festigen und zu vervollkommnen. Eine Einladung auch, ihren Charakter zu veredeln, indem sie Geduld und  Rücksicht, Respekt und Geschwisterlichkeit, Selbstlosigkeit und Freigebigkeit zu praktizieren.

Diese Reise, liebe Schwestern und Brüder, ist eine Reise auf verschiedenen Ebenen.

Sie ist ein Aufbruch in die eigene, in die innere Welt, eine Reise des Herzens.

Das Anlegen des Pilgergewands, das Übertreten der Grenze zum heiligen Boden, die Abermillionen Münder, die mit einer gemeinsamen Stimme den ergreifenden Ruf zum Himmel schicken:

Hier bin ich, o Allah, hier bin ich! Hier bin ich, Du hast keinen Teilhaber, hier bin ich!”

Die Umkreisung der Kaaba, der Lauf zwischen den beiden Hügeln, wie ihn die Gattin Abrahams (alayhi as-salām) gelaufen ist, das Verharren auf dem Berge Arafat, die stehende Gebetshaltung und viele, viele Eindrücke mehr, sind Stationen auf dieser Reise, die mit dem Herzen begangen werden und ein Leben lang in lebendiger Erinnerung bleiben.

Eine weitere Reise wird mit dem Hadsch angetreten: die Reise zum Jenseits und zum ewigen Leben.

Die Hadsch, welches der gnadenreiche Koran als Symbol benennt, ist mit vielen Gleichnissen gespickt. So mag beispielsweise der Pilgernde in seinem weißen Pilgergewand auf dem Berge Arafat sich selbst erkennen, wie er einst vor seinem Herren stehen wird.

Sein Weihegewand ist das Leichentuch, die Grenze der heiligen Stätten ist der  Übergang vom Dies- zum Jenseits, und der Berg Arafat der Versammlungsort nach der Auferstehung am Jüngsten Tag.

Und jeder weitere Bestandteil und jeder Ritus der Pilgerfahrt  ist ein geistiges und herzliches, ein wörtliches und praktisches Versprechen des Pilgernden gegenüber seinem Herrn:

Hier bin ich, o Allah, hier bin ich, Hier bin ich, Du hast keinen Teilhaber, hier bin ich. Alles Lob, alle Gnade und alle Herrschaft sind Dein, Du hast keinen Teilhaber, Hier bin ich!“

Weiterhin symbolisiert die Pilgerfahrt eine Reise zu den Geschwistern aus aller Welt. Hier ist der Versammlungsort der Ummah, der Gemeinschaft unseres geliebten Muhammad (ﷺ). Bei den Umkreisungen der Kaaba in der heiligen Stadt treffen Millionen von Muslimen mit ihren unterschiedlichen Sprachen, Herkünften, Farben und Geschichten aus der ganzen Welt aufeinander und bilden einen gemeinsamen Körper, der im Gottesdienst begriffen ist.

Doch vor allem ist die Pilgerfahrt dem Gläubigen eine Reise zum „Hause Allahs”. In diesem Sinne ist sie die Hinwendung zu seinem Schöpfer, dem Allmächtigen. Und sowie der Gläubige mit einem aufrichtigen Herzen in das Haus Allahs einkehrt, wird Allah (Subhanahu wa ta’ala) in das Herz des Gläubigen einkehren und versprechen, dass ihm von nun an ein neuer Start gewährt und sämtliche vorangegangenen schlechten Taten getilgt wurden.

Möge Allah unsere Geschwister, die sich auf die Reise zu Ihm begeben, annehmen und sie mit seinem Schutz geleiten.

Amin.

Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Qur’an und Herzensglück

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ) Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Allah der Erhabene spricht im Qur’an:

Wahrlich, Allah gebietet, gerecht zu handeln, uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen. [16:90]

Liebe Geschwister im Islam,

diejenigen die sehnsüchtig die Nähe zu ihrem Schöpfer suchen und auch im Diesseits ein glückliches und erfülltes Leben anstreben – finden im Qur’an eine Rechtleitung – sie finden in ihm Überwältigendes, Ergreifendes und Beweisendes. Der Qur’an ist eine Erinnerung vom Herren der Welten, eine Rechtleitung für die Suchenden, ein Heilmittel für die Herzen der Menschen,

in Surat Yunus heißt es:

O ihr Menschen, zu euch ist nunmehr eine Ermahnung von eurem Herrn gekommen (=der Qur’an) und eine Heilung für das, was in den Brüsten ist, eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen.

Wenn der Qur’an für uns eine Rechtleitung darstellt, dann sollten wir ihn mit wachem Verstand lesen, verstehen und umsetzen. Dabei lehrt uns der Qur’an, dass sowohl unsere Taten als auch unsere Absicht von Bedeutung ist– und was noch viel bedeutender ist, das unser Bestreben nur erfolgreich sein kann, wenn wir von Allahs Barmherzigkeit umfasst werden.

Deine Taten vor Allah sollten in demütiger Hoffnung der Anerkennung erfolgen.

Dies lehrt deinem Ego Demut – denn auch deinem Mitmenschen gegenüber solltest du nicht mit Überheblichkeit entgegentreten. Ein Grundstein für eine gesunde und erfolgreiche Gemeinschaft. So ziehen viele Gebote Allahs auf die Bildung einer gerechten Gesellschaft ab.

Der Mensch der sie befolgt erstrebt Allahs Wohlgefallen und erhält die Wertschätzung seiner Mitmenschen.

Einer dieser wichtigsten Gebote für ein gutes gesellschaftliches Zusammenleben – welches leider viel zu oft von uns vernachlässigt wird – steht in Sura Al Baqarah:

Und versäumt es nicht, gut zueinander zu sein. Was ihr tut, sieht Allah wohl.

Eine andere Übersetzung dieses Verses lautet:

Und vergesst die Großmut untereinander nicht.

Zwei Punkte wollen wir hervorheben:

Der Mensch soll sich – auch im Streit mit anderen – erinnern, dass in jedem Menschen gut und schlecht zu finden ist, jeder hat Vorzüge und schlechte Eigenschaften – keiner ist frei von Sünden – außer die Engel und in gewissen Maße wurden die Propheten vor Sünden gefeit.

Wenn Menschen dir gegenüber Fehler begehen, dann lass in dir kein Hochmut aufkommen, denke nicht, dass du besser bist als dein Gegenüber – weder weißt du, was an Fehlern du in Zukunft noch begehen wirst, noch bist du dir all deiner Fehler, die du bereits begangen hast bewusst.

Einer der größten Fehler, die der Mensch begehen kann ist es hochmütig zu sein, denn der Hadith lehrt

wer einen Funken von Hochmut in seinem Herzen hat, dem ist das Paradies verwehrt.”

Wenn wir diesem Vers folgen, dann sollten wir – in welcher Gemeinschaft wir auch sind, sei es die Moschee, die Nachbarschaft oder die Kollegen auf der Arbeit – diesen Menschen mit guten Absichten entgegentreten, wir sollten nicht versäumen Gutes zu tun – oder im Streit diesen Menschen nachsichtig gegenüber sein.

Aber am allerwichtigsten ist, dass wir diesen Vers auch im Umgang mit unseren Ehepartner umsetzen, wir dürfen auch im Streit mit ihnen nicht versäumen Gutes zu tun – auch sollen wir im Streit uns erinnern, dass unser Ehepartner auch gute Seiten hat und nicht nur aus Fehlern besteht. Diesen Vers müssen wir auch im Umgang mit unseren Eltern, unseren Kindern und unsere Geschwistern umsetzen.

Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Othman Ibn Affan

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß sei über Muhammad, der aus Barmherzigkeit entsandt wurde (sas)

Liebe Geschwister im Islam,

Nach dem wir die letzten Freitage den zwei Gefährten Abu Bakr und ´Omar gewidmet haben, wollen wir uns in der heutigen Khutba dem dritten Gefährten und Nachfolger unseres Propheten (sas) zuwenden. Was Allah (t) dem Gefährten ´Othman Ibn `Affan an Eigenschaft und Klasse mit auf den Weg gegeben hat, ließ ihn zu Recht die Nachfolge nach dem Tode `Omars antreten.

`Othman gehörte mit zu den ersten, die die rechtmäßige Gesandtschaft des Muhammad (sas) anerkannten, und zwar wurde er hierzu durch Abu Bakr angeregt. `Othman wurde ein so enger Gefährte unseres Propheten, dass der Prophet einmal aussprach:

Es gibt keinen Gesandten, der nicht von einem seiner Gefährten auch im Paradies begleitet wird. In meinem Falle heißt dieser Freund `Othman“.

`Othman, der Edelmütige. Als die Gemeinschaft der Muslime noch in Medina weilte und Mekka unter der Herrschaft der feindlich gesinnten Quraisch stand, beschloss Muhammad mit Anbruch der jährlichen Pilgerzeit nach Mekka aufzubrechen, um ebenfalls das Ritual des Haj zu vollziehen. Eine große Zahl der Muslime folgte ihm- unbewaffnet und in friedlicher Absicht. Bei einem Ort namens Hudaibiya wurden sie von den Quraisch aufgehalten und zum Kampf provoziert, damit es in der arabischen Welt nicht heißen sollte, die Quraisch würden Pilgern den Zutritt nach Mekka nicht gewähren. Doch der Prophet (sas) ging auf diese Provokationen nicht ein, sonder sandte `Othman als Vermittler nach Mekka, um Bedingungen für den Zutritt nach Mekka auszuhandeln.

Trotz der angespannten Lage und der feindlichen Stimmung gegenüber dem Propheten und seinen Anhängern wurde ´Othman aufgrund seines Rufs  respektvoll empfangen und angehört. Selbst das Pilgerritual wurde ihm angeboten, welches er allerdings solidarisch ablehnte. Während seiner Abwesenheit sprach Muhammad (sas):

Ich hätte einen anderen geschickt, wenn es einen anderen gäbe, der in Mekka höheres Ansehen genießt.“

´Othman, der Freigiebige. Von Hause aus im Tuchhandel verwurzelt, verfügte `Othman über ein immenses Vermögen, welches er großzügig der Sache des Islam zur Verfügung stellte. Während einer Phase großer Entbehrung und Bedrängnis stattete er das sogenannte „Heer der Bedürftigen“ mit dreihundert Reittieren samt Zubehör aus und stellte außerdem einen großen Betrag an Geld zur Verfügung. Hierauf erfolgte der Ausspruch des Propheten (sas):

Nach dem, was ´Othman heute geleistet hat, gibt es absolut nichts mehr, was auf ihm lastet“.

Doch nicht nur bei dieser Gelegenheit zeichnete sich ´Othman als ein sehr großzügiger und aufopferungsbereiter Gefährte aus. Bei einer anderen Gelegenheit, als `Othman den Ausspruch des Propheten hörte, dass Allah (t) demjenigen ein Haus im Paradies gebaut wird, der ein Haus für Allah errichtet, beeilte er sich, die Erweiterung der Moschee in Medina zu finanzieren.

´Othman, der den Qur´an Liebende. Er war bekannt dafür, dass er nächtelang den Qur´an rezitierte,  im  und außerhalb des Gebets. Als er eines Tages wegen Regierungsgeschäften das Haus verlassen musste, sagte er:

„Wären unsere Herzen rein, so würden wir nicht genug bekommen von diesem Qur´an. Ich hasse schon heute den Tag, an dem ich nicht mehr in diesem Buch lesen kann“.

Während seiner Zeit als Nachfolger wurde ihm von einem Gefährten zugetragen, dass dieser gehört habe, wie der Qur´an falsch rezitiert wurde. Daraufhin beauftragte ´Othman einen Schreiber den Qur´an so zu sammeln und aufzuschreiben, wie Muhammad (sas) ihn empfangen hatte. Als das Buch fertig gestellt war, ließ ´Othman es vervielfältigen und in alle Bezirke tragen, an denen mulimische Statthalter herrschten. Diese weise Handlung führte zu der Einheit des Wortes der Muslime.

`Othman, der Schamhafte. Diese ist eine der am meisten herausragenden Eigenschaften diese herausragenden Menschen. So heißt es über ´Othman: „Man kann nicht über ´Othman sprechen, ohne über Schamhaftigkeit und Zurückhaltung zu reden, und man kann nicht über Schamhaftigkeit und Zurückhaltung reden, ohne über ´Othman zu sprechen.

In einer Überlieferung spricht die Gattin des Propheten ´Aicha folgende Worte: „ Der Gesandte Allahs (sas) war in meinem Gemach. Er hatte sich hingelegt und sein Gewand war ihm über die Waden gerutscht. Da sprach Abu Bakr vor und er wurde eingelassen und sie besprachen sich. Nachdem Abu Bakr gegangen war, kam ´Omar. Auch er kam herein und unterhielt sich mit dem Propheten. Als dann `Othman nachdem Gesandten fragte, setzte dieser sich erst hin und strich seine Kleidung glatt, bevor der Gast herein gelassen wurde. Nachdem `Othman gegangen war, fragte ich den Gesandten, warum er bei den ersten beiden in gemütlicher und lässiger Lage geblieben sei, sich bei `Othman aber aufsetzte und auf sein Äußeres so bedacht sei. Daraufhin antwortete er:

Wie kann ich mich vor jemandem nicht schämen, vor dem selbst die Engel Scham empfinden?“

´Othman, Möge Allahs Wohlgefallen auf ihm ruhen.  Es gibt auch hier noch viele Eigenschaften die zu benennen wären, aber leider diesen Rahmen übersteigen würden, liebe Geschwister. Es liegt bei uns, die Geschichte unseres geliebten Muhammad (sas) und seiner Gefährten zu studieren. Es liegt bei uns, sich ein Beispiel an diesen großartigen und selbstlosen Menschen zu nehmen. Denn Allah verspricht uns im Qur´an:

Allah ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist.“

 Ya Allah, Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser, denn Du bist unser Schutzherr.

 Amin