Frauen

Freie Übersetzung der Freitagspredigt zum Tag der Frau

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ) Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Liebe Geschwister im Islam,

am morgigen Samstag rückt die Frau ins Blickfeld und in den Mittelpunkt der globalen Betrachtung. Für ihre Hoffnungen und ihre Leiden, für ihre Fähigkeiten und ihre Wünsche, für ihren Platz und ihre Stellung. Für ihre Rechte und für Gleichberechtigung. Dafür, dass sie selbst  Entscheidungen treffen kann. Und dass sie erfolgreich  in allen möglichen Berufen und Funktionen sein kann. Dafür begeht die Welt den Tag der Frau.

Wir meinen, dass unserer Auffassung nach, der Tag der Frau bereits vor vielen Jahren begangen wurde. Spätestens am Tag, als der Gesandte und Geliebte (ﷺ) folgende Verse übermittelt bekam:

Die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen. Sie sind einer des anderen Beschützer. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Verwerfliche. Verrichten das Gebet und entrichten die Abgabe und gehorchen Allah und Seinem Gesandten. Sie sind es, derer Allah Sich erbarmen wird. Gewiss, Allah ist der Allmächtige und der Allweise.“

und gegen Ende seiner Abschiedspredigt legte der Prophet (ﷺ) den Gläubigen in besonderer Weise ans Herz:

Wünscht Gutes für eure Frauen, bemüht euch um sie (…) Im Bezug auf die Erfüllung der Rechte der Frauen, haltet euch fest an Allahs Befehle, hütet euch vor seinem Zorn (…) und bemüht euch, ihre Bedingungen zu verbessern.“ 

Und so war und ist jede Sichtweise, die die Frau als ein anderes Wesen behandelt bzw. die Stellung der Frau unter die des Mannes stellt, entgegen der islamischen Lehre. Um genau zu sein, kam der Islam unter anderem gerade deshalb, um die Rechte der Frauen wieder herzustellen.

Der Islam betrachtet Mann und Frau als Geschwister. Die Gleichberechtigung beider gilt in allen Bereichen des Lebens. Sie gilt im Hinblick auf ihre Rechte, im Hinblick auf ihre Hoheit und im Hinblick auf ihre Würde. Sie gilt ebenfalls auf ihre Verpflichtungen gegenüber ihrem Glauben und ihrem Schöpfer:

Gewiss, muslimische Männer und muslimische Frauen, gläubige Männer und gläubige Frauen, ergebene Männer und ergebene Frauen, wahrhaftige Männer und wahrhaftige Frauen, standhafte Männer und standhafte Frauen, demütige Männer und demütige Frauen, Almosen gebende Männer und Almosen gebende Frauen, fastende Männer und fastende Frauen, Männer, die ihre Scham hüten und Frauen, die (ihre Scham) hüten, und Allahs viel gedenkende Männer und viel gedenkende Frauen, für (all) sie hat Allah Vergebung und großartigen Lohn bereitet.“

Auch dieser Vers verdeutlicht in besonderer Weise, wie hoch die Gleichstellung von Männern und Frauen im Islam gehalten wird. Denn üblicherweise werden Worte wie „Muslime“, „Gläubige“, „Ergebene“ oder Almosen gebende“ so gebraucht, dass beide Geschlechter eingeschlossen sind. Hier soll jeder Zweifel ausgeräumt und bekräftigt werden, dass Frauen wie Männer vor Allah gleich sind, mit denselben islamischen Pflichten und demselben Lohn.

Liebe Schwestern und Brüder, dieser Tag der Frau wird nun mit medialer und gesetzlicher Kraft begangen, ob es uns nun lieb ist oder nicht. Wir sollten diesen Tag weder ignorieren noch  schlecht reden. Es ist an uns, diese Gelegenheit zu nutzen, um überall dort, wo es uns möglich ist, mit Vorurteilen aufzuräumen. Vorurteile, die oft von Menschen in die Welt gesetzt werden, die selbst aus einem islamischen Hintergrund kommen und sich möglicherweise auch nach wie vor zu Islam bekennen.

Es ist leider Alltag: Frauen werden unterdrückt, überall auf der Welt, auch hier. Wir sehen das und wir verurteilen das. Männer, die ihre Frauen und Brüder, die ihre Schwestern schlagen. Es werden Mädchen am Schulbesuch gehindert, es werden Waisenmädchen um ihr Erbe und ihre Integrität gebracht. Es werden Frauen von der Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen ausgeschlossen. Dies alles sind Überbleibsel aus Zeiten der Dunkelheit und der Tyrannei in allen Gesellschaften dieser Welt.  Aber was hat das mit dem Islam zu tun? Nichts! Denn böse Worte und böse Taten, liebe Geschwister, Ungerechtigkeit und Zwang haben in unserem Glauben noch nie was zu suchen gehabt.

Im Gegenteil hält der Islam die Stellung und Funktion der Frau besonders hoch. Die Frau als Mutter und die Frau als Tochter, die Frau als Schwester und die Frau als Lebenspartner. Die Frau als volles Mitglied in der Mitte der Gesellschaft.

  • Wurde der Mann, der in den Kampf ziehen wollte, nicht vom Propheten selbst zu seiner Mutter geschickt, um sie zu hüten?
  • Wurde der Muslim nicht etwa dreimal an seine Mutter verwiesen, bevor sein Vater genannt wurde?
  • Wurde dem Vater, der zwei Töchter in Güte heranzieht, nicht das Paradies versprochen?
  • Wurde dem Bruder, der sich um seine verwaisten Schwestern kümmert, nicht ebenfalls das Paradies versprochen?
  • Werden die Eltern nicht angehalten, gerecht zwischen ihren Söhnen und Töchtern zu verfahren?
  • War der erste Mensch, der den Islam annahm nicht etwa eine Frau?
  • Und der erste Märtyrer im Islam nicht ebenfalls eine Frau?
  • Und der erste, dem das Buch des Qur´an anvertraut wurde, nicht auch eine Frau?
  • Wurde nicht der Rat einer Frau umgesetzt, als der Prophet (ﷺ) und seine Gesandten vor den Toren Mekkas standen und an der Pilgerfahrt gehindert wurden und Krieg drohte?
  • Wurde nicht eine Frau vom Propheten gelobt, weil sie einen Feind unter ihren Schutz gesellt hat?

Doch liebe Schwestern und Brüder, in unserem Glauben hatten die Frauen von jeher ihren Platz in der Mitte. Von jeher eine Stimme. Und von jeher die Hochachtung ihrer Mitmenschen.

Lebendig begraben wurden die Mädchen zu einer anderen Zeit, als der Islam noch nicht Thema war. Nicht nur im arabischen Raum. Und auch heute beobachten wir eine Wendung, die uns Sorgen bereitet. Und auch heute werden Frauen –im übertragenen Sinne- lebendig begraben. Beispielsweise wenn sie nur noch als Objekt im Bewusstsein der Menschen auftauchen. Oder aber wenn sie aufgrund ihrer Weltanschauung oder ihres Glaubens von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden.

Nein, liebe Geschwister, unser Glaube hält die Stellung der Frau und die Hochachtung vor ihr schon lange hoch. Verneigen wir nicht vor Hochachtung den Kopf vor einer Frau, die zu ihrem Mann sprach:

Bringe nichts Verbotenes nach Hause, den Hunger kann ich irgendwie ertragen, die Schmach vor Allah nicht.“?

Liebe Schwestern, die islamische Gemeinschaft braucht euch als selbstbewusste Mütter und Töchter, als stolze Schwestern und Partnerinnen. Und sie braucht euch als Ärztinnen und Medizinerinnen, als Juristinnen und als Lehrerinnen, als Forscherinnen und Berichterstatterinnen, als Beraterinnen und Regentinnen.

Erhaben bist Du, ya Allah, und alles Lob ist Dein!

Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Dir allein.

Unser Herr, bürde uns nichts auf, wozu wir keine Kraft haben. Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser! Du bist unser Schutzherr.”

Amin

Freie Übersetzung der Freitagspredigt, Ehe- und Familienleben

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß über den, der aus Barmherzigkeit den Weltenbewohnern entsandt wurde, Muhamed (S). 

Liebe Geschwister,

das Ehe- und Familienleben hat im Islam einen besonderen und geschützten Stellenwert. Eine gesunde Ehe ist die Basis einer gesunden Familie – und eine gesunde Familie ist Basis einer gesunden Gesellschaft. Es wundert also nicht, dass der Islam sowohl der Ehe als auch der Familie einen besonderen Schutz zukommen lässt.

Leider lassen sich auch immer häufiger muslimische Ehepartner scheiden, was regelmäßig dazu führt,  das ganze Familien auseinanderbrechen. InschaAllah werden wir dieses Thema in den nächsten Freitagspredigen weiter erörtern. Wir werden hören welche Position der Islam hierzu vertritt und welche Empfehlungen und Vorschriften er den Muslimen gibt.

Heute beginnen wir InschaAllah mit dem Familienlieben.

Die Familie stellt die Grundlage der Gesellschaft dar. Viele Verse im Quran und Ahadith des Propheten zeigen eindeutig den Stellenwert der Familie. Der Islam hält uns alle an, eine Familie zu gründen – er motiviert die jungen Muslime früh zu heiraten – und lehnt eindeutig das Leben im Zölibat  ab. In Surat al Araf heißt es:

Er ist es, Der euch aus einem einzigen Wesen schuf, und Er hat aus ihm seine Gattin gemacht, damit er bei ihr Ruhe finde. (…)”

An anderer Stelle verdeutlicht uns der Quran, dass das Eheleben und Erziehen einer Familie auch der Weg der Propheten vor Muhamed (s) war:

Und Wir haben ja bereits Gesandte vor dir gesandt und ihnen Gattinnen und Nachkommenschaft gegeben”

Unser Prophet lehrte uns, ein Eheleben anzustreben, so empfiehlt er den jungen Männern zu heiraten, wenn sie dazu auch materiell in der Lage sind, denn dies lässt den Blick senken und schützt vor Unzucht.

Es stellt ganz eindeutig keine Frömmigkeit dar, auf das Eheleben zu verzichten – um mehr Zeit für das Gebet und 3ibada zu haben, wie viele Ahadith zeigen. Und andere Ahadith lehren, dass auch Armut kein Hindernisgrund für die Heirat darstellen sollte. So heißt es in einem Ausspruch „sucht euren Reichtum in der Heirat“ – also hofft auf Allahs Segen, den ihr mit der Heirat erhalten werdet – welches auch in folgendem Vers aus Surat Al Nur zum Ausdruck kommt:

Und verheiratet die noch ledigen (Männer und Frauen) unter euch (…). Wenn sie arm sind, wird Allah sie durch Seine Huld reich machen. Allah ist Allumfassend und Allwissend.”

Liebe Geschwister,

der Islam verdeutlicht uns nicht nur den hohen Stellenwert einer Familie. Er belohnt den Muslim sogar der seine Kraft und Mühen einsetzt, eine gesunde Familie zu gründen.

Sicherlich sollte diese Familie, die von Allah hochgehalten wird, den islamischen Prinzipien folgen.  Solch eine Familie setzt eine islamisch korrekte Heirat voraus. In Surat al Nisa beschreibt Allah der Erhabene den Bund der Ehe als „festes Abkommen“.

Und Allah koppelt die Ehe mit der Aqida des Muslims und verbietet die Heirat mit einem Mushrik, so heißt es in Sura Al Baqarah:

Und heiratet Götzendienerinnen nicht, bevor sie glauben. Und eine gläubige Sklavin ist fürwahr besser als eine Götzendienerin, auch wenn diese euch gefallen sollte. Und verheiratet nicht (gläubige Frauen) mit Götzendienern, bevor sie glauben. Und ein gläubiger Sklave ist fürwahr besser als ein Götzendiener, auch wenn dieser euch gefallen sollte. Jene laden zum (Höllen)feuer ein. Allah aber lädt zum (Paradies)garten und zur Vergebung ein, mit Seiner Erlaubnis, und macht den Menschen Seine Zeichen klar, auf daß sie bedenken mögen. 

Bei der Gründung und der Erziehung der Familie,  sollten islamischen Grundsätze bestimmend sein – dazu gehören auch edle Charaktereigenschaften und hohe Moralvorstellungen. Das bedeutet jedoch auch, dass wir mit unseren Ehepartnern respektvoll und nachsichtig umzugehen haben, auch wenn sie uns zuwider sein sollten – so heißt es in Surat Al Nur:

Und geht in rechtlicher Weise mit ihnen um. Wenn sie euch zuwider sind, so ist euch vielleicht etwas zuwider, während Allah viel Gutes in es hineinlegt.

Liebe Geschwister: verinnerlicht euch bitte diesen Vers: wenn euer Ehepartner eine Eigenschaft an sich hat, welche euch missfällt, so hat Allah swt ihm im Gegenzug auch mit weiteren Eigenschaften ausgestattet, an denen ihr gefallen findet. So lernen wir, unseren Ehepartner nicht bloß auf seine Fehler zu reduzieren, sondern ihn als einen Menschen zu betrachten, mit stäken und schwächen.

Allah  gebietet uns den nachsichtigen Umgang mit unserem Ehepartner. Nicht nur während der Ehe – auch im Falle einer Scheidung gebietet Allah uns einen respektvollen Umgang miteinander, so heißt es in Sura Al Baqara:

Und wenn ihr euch von Frauen scheidet und sie dann ihre festgesetzte Zeit erreichen, so behaltet sie in rechtlicher Weise oder gebt sie in rechtlicher Weise frei. Doch behaltet sie nicht mit der Absicht der Schädigung, so daß ihr übertretet. Wer dies tut, der fügt sich ja selbst Unrecht zu. Und macht euch nicht über Allahs Zeichen lustig. Und gedenkt Allahs Gunst an euch und dessen, was Er von dem Buch und an Weisheit auf euch herabgesandt hat, um euch damit zu ermahnen. Und fürchtet Allah und wißt, daß Allah über alles Bescheid weiß. 

Auch im Hadith lehrt uns der Prophet den Wert eines guten Umgangs mit den Ehefrauen, so heißt es „die vollkommensten Gläubigen sind die mit den besten Charaktereigenschaften – und die besten unter euch, sind die, die am besten zu ihren Frauen sind“.

Allah der Erhabene regelte die Angelegenheit der Ehe und auch der Scheidung.  In diesem Zusammenhang ist es wichtig folgendes zu beachten: es gilt das gesprochene Wort – ohne Ausnahme, da die Regelungen betreffend der Scheidung Gottgegebene Gesetze sind, mit welchen nicht gespielt werden kann, in Sura Al Baqarah heißt es:

Die (widerrufliche) Scheidung ist zweimal (erlaubt). Dann (sollen die Frauen) in rechtlicher Weise behalten oder in ordentlicher Weise freigegeben (werden). (…) Dies sind Allahs Grenzen, so übertretet sie nicht! Wer aber Allahs Grenzen übertritt, diejenigen sind die Ungerechten. 

Wurde die Scheidung drei Mal ausgesprochen, ist eine erneute Vermählung vorerst nicht mehr möglich – auch wenn der Mann anschließend sagt, dass er es nicht so gemeint hatte – oder dies „nur im Zorn“ gesagt haben soll. Allah ermahnt uns in diesem Kontext eindeutig, die Grenzen die ER uns auferlegt hat – nicht zu überschreiten.

Liebe Geschwister, merken müssen wir uns – wenn es um Heirat oder Scheidung geht – gilt das gesprochene Wort. Bedenkt dies, damit ihr euch nicht mit euren Worten in das Verderben stürzt.

Liebe Geschwister: Das Eheleben im Islam basiert auf Barmherzigkeit und Zuneigung. In Surat Al Rum heißt es:

Und es gehört zu Seinen Zeichen, daß Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken.”  

Und an anderer Stelle wird der Zusammenhang zwischen Mann und Frau wie folgt beschrieben –

Sie (=eure Ehefrauen) sind euch ein Kleid, und ihr seid ihnen ein Kleid.”

Liebe Geschwister,

jeder von uns hat seinen Beitrag in der Familie zu leisten – für den er auch Verantwortung und Rechenschaft vor Allah ablegen muss – sowohl der Mann als auch die Frau. Sowohl Eltern als auch die Kinder.

An keiner Stelle lehrt uns der Islam, hartherzig und unnachgiebig im Eheleben zu sein. Es steht in unserer Verantwortung eine islamische Familie zu gründen, mit dem Ziel Allahs Wohlwollen zu erhalten.

Möge Allah uns helfen unserer Verantwortung nachzukommen – und uns mit einer gottesfürchtigen Nachkommenschaft segnen, Amin.

Gewiß, Allah und Seine Engel sprechen den Segen über den Propheten. O die ihr glaubt, sprecht den Segen über ihn und grüßt ihn mit gehörigem Gruß.