Die Bescheidenheit

 

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

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Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.”

Thema unserer heutigen Predigt ist die Bescheidenheit (التواضع).

Allah (subhanahu wa ta’ala) beschreibt im edlen Qur’an wiederholt die Tugenden, Eigenschaften und das Benehmen, also den Akhlaq  (أخلاق‎) der wahren Gläubigen und fordert uns dazu auf uns diese zu verinnerlichen und dementsprechend zu leben.

Allah (subhanahu wa ta’ala) warnt uns aber auch davor die Eigenschaften der Heuchler und Ungläubigen anzunehmen.

So steht in Surat Al-Furqan (in der ungefähren Bedeutung):

Die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die maßvoll auf der Erde umhergehen und die, wenn die Toren sie ansprechen, sagen: “Frieden!”

Und diejenigen, die die Nacht verbringen, indem sie sich (im Gebet) vor ihrem Herrn niederwerfen und aufrecht stehen.

Und diejenigen, die sagen: “Unser Herr, wende von uns die Strafe der Hölle ab.” Ihre Strafe ist ja bedrängend; gewiss, sie ist böse als Aufenthaltsort und Bleibe.

Und diejenigen, die, wenn sie ausgeben, weder maßlos noch knauserig sind, sondern den Mittelweg dazwischen (einhalten).

Und diejenigen, die neben Allah keinen anderen Gott anrufen und nicht die Seele töten, die Allah (zu töten) verboten hat, außer aus einem rechtmäßigen Grund, und die keine Unzucht begehen. – Wer das tut, hat die Folge der Sünde zu erleiden;

die Strafe wird ihm am Tag der Auferstehung vervielfacht’, und ewig wird er darin in Schmach bleiben,

außer demjenigen, der bereut, glaubt und rechtschaffene Werke tut; jenen wird Allah ihre bösen Taten gegen gute eintauschen; und Allah ist stets Allvergebend und Barmherzig.

Und wer bereut und rechtschaffen handelt, der wendet sich in wahrhaftiger Reue Allah zu.

Und (auch) diejenigen, die keine Falschaussage bezeugen und, wenn sie im Vorbeigehen unbedachte Rede (hören), würdevoll weitergehen.

Und diejenigen, die, wenn sie mit den Zeichen ihres Herrn ermahnt werden, ihnen gegenüber nicht taub und blind niederfallen .

Und diejenigen, die sagen: “Unser Herr, schenke uns an unseren Gattinnen und unseren Nachkommenschaften Grund zur Freude, und mache uns für die Rechtschaffenen zu einem Vorbild.”

(All) diesen wird mit dem Obergemach vergolten werden, dass sie standhaft waren; und ihnen wird Gruß und Friede entgegengebracht, ewig darin zu bleiben. Schön ist es als Aufenthaltsort und Bleibe.

Sag: Mein Herr kümmerte Sich nicht um euch, wenn nicht euer Bittgebet (zu Ihm) wäre. Ihr habt doch (alles) für Lüge erklärt, und so wird (eure Strafe hierfür) unabwendbar sein.”

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Lasst uns diese Sure im Zuge des bevorstehenden Ramadan analysieren und verstehen.

Ibn Kathīr beschreibt, diejenigen die maßvoll auf der Erde umhergehen damit, dass diejenigen gemeint sind die sich bescheiden geben und ohne Hochmut oder Arroganz sind. Sie sind umgänglich, friedlich und ihren Mitmenschen gegenüber entgegenkommend.

Die Bescheidenheit gehört zum islamischen Benehmen, zum Akhlaq  (أخلاق‎), zu dem uns Allah (subhanahu wa ta’ala) auffordert und dies wurde uns auch durch unseren geliebten Propheten Muhammad (ﷺ) vorgelebt.

So spricht Allah (subhanahu wa ta’ala) unseren Prophet (ﷺ) dazu im edlen Qur’an in verschiedenen Suren an. An einer Stelle in Surat Al-Hijr heißt es:

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[…] Und senke deinen Flügel für die Gläubigen”

Und in Surat Ash-Shu`arā’ steht:

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Und senke deinen Flügel für diejenigen von den Gläubigen, die dir folgen.“

Muhammad (ﷺ) sagte in einem Hadith (in der ungefähren Bedeutung):

Kein Vermögen wird durch Almosen gemindert, und keiner der verzeiht verliert an Achtung im Gegenteil. Und keiner der bescheiden und nicht hochmutig ist, verliert an Stellung sondern bekommt bei Allah (subhanahu wa ta’ala) eine höhere.“

In diesem und vielen weiteren Hadithen wird klar, dass derjenige, der Hochmut in sich trägt oftmals Grenzen überschreitet, ungerecht zu seinen Mitmenschen ist und sich für etwas Besseres hält. Der bescheidene Gläubige hingegen hält die Gebote und Verbote Allah’s ein, ist nachgiebig und hält sich nicht nur mit seinen Worten, sondern auch tief in seinem Herzen nicht für etwas Besseres als seine Mitmenschen.

Die Bescheidenheit gibt es in zwei verschiedenen Formen. Zum Einen gegenüber dem Recht und zum Anderen im Umgang mit unseren Mitmenschen. Das erste zeigt sich als Herz des Gottesfürchtigen und das zweite durch Nachsichtigkeit und Barmherzigkeit gegenüber Anderen.

Allah (subhanahu wa ta’ala) sagt im edlen Qur’an in Surat Aş-Şāffāt (in der ungefähren Bedeutung) über die Hochmutigen:

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denn sie pflegten, wenn zu ihnen gesagt wurde: “Es gibt keinen Gott außer Allah”, sich hochmütig zu verhalten,”

Bescheidenheit ist eine Tugend mit vielen Vorteilen: so gewinnt der Bescheidene die Liebe Allah’s.

In Surat Al-Mā’idah steht dazu (in der ungefähren Bedeutung):

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O die ihr glaubt, wer von euch sich von seiner Religion abkehrt -, so wird Allah Leute bringen, die Er liebt und die Ihn lieben, bescheiden gegenüber den Gläubigen, mächtig (auftretend) gegenüber den Ungläubigen, und die sich auf Allahs Weg abmühen und nicht den Tadel des Tadlers fürchten. Das ist Allahs Huld, die Er gewährt, wem Er will. Allah ist Allumfassend und Allwissend.”

Auch bekommt der Bescheidene bei Allah (subhanahu wa ta’ala) eine höhere Stellung und dies ist ein Grund für den Einlass ins Paradies.

In Surat Al-Qasas  steht dazu (in der ungefähren Bedeutung):

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Das ist die jenseitige Wohnstätte. Wir bestimmen sie für diejenigen, die weder Überheblichkeit auf der Erde noch Unheil begehren. Und das (gute) Ende gehört den Gottesfürchtigen.”

Weiterhin nimmt der Bescheidene eine Eigenschaft und Tugenden der Gesandten und Propheten an. So wird in der gleichen Sure davon berichtet wie der Prophet Musa (alayhi salam) zwei Mädchen an einem Brunnen half:

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Als er nun zum Wasser von Madyan kam, fand er dort eine (ganze) Gemeinschaft von Menschen, die (ihr Vieh) tränkten. Und er fand außer ihnen zwei Frauen, die (ihre Tiere) fernhielten. Er sagte: “Was ist mit euch beiden?” Sie sagten: “Wir tränken (unsere Tiere) nicht, bis die Hirten (ihr Vieh) weggetrieben haben. Und unser Vater ist ein hochbetagter Greis.” Da tränkte er ihnen (ihre Tiere). Hierauf zog er sich zurück in den Schatten und sagte: “Mein Herr, ich bin dessen bedürftig, was Du auch immer an Gutem zu mir herabsendest.”

Ein wesentliches Merkmal des Benehmens unseren Propheten Muhammad (ﷺ) war seine Bescheidenheit. Dies zeigte er auch bei der Befreiung von Mekka als ihn ein Mann ansprach und vor Respekt und Ehrfurcht gegenüber dem Propheten (ﷺ) zitterte. Da sagte Muhammad (ﷺ) in der ungefähren Bedeutung:

Sei unbesorgt und hab keine Angst, ich bin nur der Sohn einer Frau aus Mekka, die pflegte bescheidenes Essen zu sich zu nehmen“

Liebe Geschwister, um bescheiden zu werden und zu bleiben sollten wir uns bewusst machen woher wir kommen und wie wir erschaffen wurden. So ist jeder von uns nur aus einem Tropfen Flüssigkeit gezeugt worden.

Auch müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wir, wie in Surat Fāţir beschrieben, von Allah (subhanahu wa ta’ala) abhängig sind, Ihn brauchen, Er uns hingegen nicht.

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O ihr Menschen, ihr seid es, die Allahs bedürftig sind; Allah aber ist der Unbedürftige und Lobenswürdige.

Der Mensch ist schwach und zerbrechlich. Krankheiten, Trauer und Leid können wir ohne Allah’s Hilfe nicht überstehen und sind auf Ihn angewiesen. Früher oder später werden wir sterben und nicht ewig in diesem Leben verweilen, daher müssen wir die uns verbliebene Zeit mit guten Taten verbringen und sie nicht sinnlos verstreichen lassen. Wir dürfen uns nicht vom Sheytan blenden lassen, der versucht unsere Bescheidenheit als Schwäche oder Unterwerfung darzustellen. Im Gegenteil Bescheidenheit zeugt von Stärke, Großzügigkeit und bringt uns bei einer reinen Absicht näher zu Allah (subhanahu wa ta’ala).

O Allah, Du bist gnädig und verzeihend und liebst die Nachsichtigen und Bescheidenen, vergib uns unsere Sünden und verzeihe unsere Verfehlungen.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.