Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Ramadan als Monat der Erziehung

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad(ﷺ) Sein Diener und Gesandter ist.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

wir möchten vorwegnehmen, dass die Wiedergabe dieser und aller anderen Predigten, wie auch die Übersetzung  der Verse aus dem Qur´an und aus der Überlieferung nur in ungefährer Art und Weise erfolgen kann. Wir bitten um Euer Verständnis, dass wir uns zwar um  größtmögliche Quellentreue bemühen, wir aber auch die deutsche Sprache nicht  um ihren Anspruch auf Verständlichkeit und Ästhetik bringen möchten.

Liebe Geschwister im Islam,

„Wenn du fastest, dann fasten deine Augen, deine Ohren und deine Zunge mit. Sie unterlassen das Verbotene und sprechen nichts Falsches. Sei nett zu dem Arbeiter und statte dich mit Würde aus. Finde innere Einkehr und lass nicht den Fastentag allen übrigen Tagen gleichen.” 

Diese Worte aus dem Munde eines Gefährten Muhammads (ﷺ) zeigen überdeutlich, was den meisten von uns  vielleicht gar nicht bewusst ist: Ramadan ist  bei weitem nicht allein der Verzicht auf Essen und Trinken während einiger Tagesstunden. Im Gegenteil, nicht essen und trinken scheint in diesem unserem Monat nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Der Islam, liebe Geschwister, legt einen sehr großen Wert auf Tugend und Edelmut.  Der Prophet (ﷺ) macht diese Eigenschaften sogar zum Zwecke  seiner Gesandtschaft, wenn er sagt:

Ich wurde gesandt, um einem guten Charakter den letzten Schliff zu geben“. 

Dass es im Ramadan nicht allein um Verzicht auf Nahrung geht, und dass es im Islam nicht allein um den reinen Gottesdienst wie Gebet und die Almosen geht, wird auch in folgendem Bericht eines Gefährten deutlich:

Dem Gesandten wurde berichtet: `O, Gesandter Allahs, eine Frau betet viel in der Nacht und fastet viel  am Tage. Und sie macht noch vieles mehr und sie spendet Almosen. Doch sie schadet ihren Nachbarn durch ihr Gerede`. Darauf sprach der Gesandte (ﷺ): `In ihr ist nichts Gutes, diese Frau ist verloren`.  Darauf wurde ihm (ﷺ) berichtet: `Jene andere Frau verrichtet  nur ihre Pflicht und spendet viel. Und sie schadet niemandem`.  Darauf antwortete der Gesandte (ﷺ): `Diese Frau gehört ins Paradies `.“ 

Die Gottesdienste sind im Islam verankert nicht der reinen Tätigkeit wegen. Sie zielen vielmehr auf höhere und edlere Ziele hin. Sie sollen dem Gläubigen helfen, seine Seele zu erkennen und zu lenken, sein Herz zu läutern und zu reinigen und sein körperliches Selbst rein und unschuldig zu halten.

Und mit Unterstützung seines Schöpfers soll der Gläubige seine höchstmögliche Vollkommenheit erreichen, mit der er  am Tag aller Tage mit einem guten Gefühl vor den Allmächtigen und Barmherzigen treten darf. Denn der Vollkommenste unter den Gläubigen, liebe Schwestern und Brüder, ist nicht derjenige, der die meisten Tage fastet und die längsten Gebete verrichtet.

Die Vollkommensten unter den Gläubigen“,

spricht unser geliebter Muhammad (ﷺ),

sind die  tugendhaftesten unter ihnen. Und der Beste von Euch ist, der am besten zu seiner Ehegattin ist“

Subhana-Allah! Wie weit unsere islamische Umma augenscheinlich entfernt ist von diesem Verständnis unseres Glaubens!

Einer der genannten Gottesdienste, die uns zu besseren Menschen machen sollen, ist der Ramadan. In ihm soll der Fastende den Tugenden näherkommen, die ihn zu einem edlen Charakter erheben. Eine erste und bedeutende Tugend wird bereits im zentralen Qur´an- Vers zum Ramadan genannt:

O die ihr glaubt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werden möget.“

Gottesfurcht ist sicher ein zentrales Merkmal des Gläubigen, doch muss sie sich auch in der Sprache des Gläubigen, in seinem Wesen und in seinem Verhalten niederschlagen, wenn sie gelebte Gottesfurcht sein soll:

Fürchte Allah, wo immer du bist. Und lass einer schlechten Tat eine gute folgen, um sie zu eliminieren. Und begegne den Menschen mit gutem Charakter“, sprach das Vorbild an edlem Charakter, unser Prophet (ﷺ).

Der Ramadan, liebe Schwestern, liebe Brüder,  der sich nicht als Fastenmonat sondern als „Erziehermonat“ versteht. Er erzieht uns zu Geduld und Durchhaltevermögen. Die Seele wird trainiert und der Trieb wird kontrolliert.

Das Fasten und das vermehrte Gebet, das Erleben einer Gemeinschaft, das innere Einkehren und das Zurückschalten, die Besinnung auf das Notwendigste, das Leben im Energiesparmodus sind Merkmale des Ramadan, die an unserer Seele rühren sollen, während das Dursten und Hungern, das Warten und Verzichten unsere Lüste und Begierden in die Schranken weist.

Wenn einer von Euch eines Tages fastet, so soll er nicht meckern und niemand beleidigen. Selbst wenn ihm einer provokativ oder gar bedrohlich entgegentritt, so soll er bloß sagen: Bei Allah, ich faste“

Dieser Ausspruch unseres Propheten (ﷺ) zeigt einen weiteren Erziehungsauftrag des Ramadan: Wozu sich auf die gleiche Stufe mit Hysterikern oder Cholerikern stellen? Wozu eine gespannte Situation noch weiter eskalieren? Wenn Allahs Sache die deine ist, hilft es deiner Sache doch viel eher, wenn du selbst nicht ausfällig wirst und ausfälligen Menschen den Wind aus den Segeln nimmst, oder?

Unser Rahmen, liebe Gemeinschaft, bietet leide nicht mehr Raum, es gibt noch viele weitere Punkte aus dem Aufgabenkatalog und Erziehungsauftrag des Ramadan zu nennen. Wir bitten Allah, diesen gesegneten Monat nicht spur- und effektlos an uns vorbeistreichen zu lassen, und schließen mit folgendem Vers aus unserem heiligen Buch ab:

„Und beeilt euch um Vergebung von eurem Herrn. Und (um) einen Garten, dessen Breite wie Himmel und Erde ist. Er ist für die Gottesfürchtigen bereitet. Die in Freude und in Leid ausgeben. Die ihren Grimm zurückhalten und den Menschen verzeihen. Und Allah liebt die Gutes Tuenden. Und (er liebt) diejenigen, die, wenn sie eine Abscheulichkeit begangen oder sich selbst Unrecht zugefügt haben, Allahs gedenken und dann für ihre Sünden um Vergebung bitten – und wer sollte die Sünden vergeben außer Allah? – (und die nicht auf etwas beharren, wenn sie es besser wissen). Der Lohn jener ist Vergebung von ihrem Herrn. Und Gärten, durcheilt von Bächen, um ewig darin zu bleiben. (…) Wie trefflich ist der Lohn derjenigen, die Gutes tun!

Möge uns Allah an zu denen zählen, die sein Wohlgefallen erlangen.

Amin