Lehren aus der Nachtreise

﷽ 

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten und Segen und Frieden auf unserem edlen Propheten Muhammad (ﷺ), seiner Familie und seinen Gefährten.

Meine lieben Geschwister im Islam, in der heutigen Freitagspredigt geht es um einige wichtige Lehren, welche die Nachtreise und die vorherigen Ereignisse mit sich brachten.

Allah (subhanahu wa ta’ala) hat seinem Gesandten Muhammad, Segen und Friede auf Ihm, in Surat Ad-Duĥaá folgendes versprochen:

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Und wahrlich, dein Herr wird dir geben und du wirst wohlzufrieden sein.“ (93:5)

Wala sawfa yu ateeka rabbuka fatardaa.

Und wie versprochen gewährte Allah dem Gesandten Gaben, die ihn im Diesseits zufrieden stellten und erlaubte ihm im Jenseits die Fürsprache für seine Nation.

Die ereignisreiche Nachtreise des Gesandten ist zweifelsohne eine besondere Gabe, aus der wir vielerlei Lehren ziehen können.

Eine der wichtigsten Lehren daraus, ist die Geduld und Standhaftigkeit im Umgang mit Verführungen.

So versuchte der Stamm der Quraish den Gesandten Allahs mit allen Mitteln von seiner Religion abzuhalten, ihn zu verführen und zu bestechen. Sie schlugen ihm vor den Islam anzunehmen, wenn er einige Regeln ändern würde. Sie boten an in den Islam einzutreten, wenn nur er allein an ihren Sitzungen teilnehmen würde, unter Ausschluss der Armen, Schwachen und Sklaven.

Da wurden folgende Verse offenbart:

18_28

Und sag: (Es ist) die Wahrheit von eurem Herrn. Wer nun will, der soll glauben, und wer will, der soll ungläubig sein.

Halte dich geduldig zurück zusammen mit denen, die ihren Herrn morgens und abends anrufen, im Begehren nach Seinem Angesicht. Und deine Augen sollen nicht über sie hinwegsehen, indem du den Schmuck des diesseitigen Lebens begehrst’. Und gehorche nicht jemandem, dessen Herz Wir Unserem Gedenken gegenüber unachtsam gemacht haben, der seiner Neigung folgt und dessen Angelegenheit (durch) Maßlosigkeit (ausgezeichnet) ist. Und sprich: “Es ist die Wahrheit von eurem Herrn.” Darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will. (18:28-29)

Sie schlugen ihm sogar vor den Islam anzunehmen, wenn Muhammad (ﷺ) im Gegenzug auch ihren Glauben annimmt, damit sie ihn an ihren Reichtümern und ihrer Macht beteiligen können. Doch da offenbarte Allah folgende Verse:

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“Sprich: “O ihr Ungläubigen! Ich diene nicht dem, dem ihr dient und ihr dient nicht Dem, Dem ich diene.“ (109:1-3)

Qul: Ya ayyuha alkafiroon! La aAAbudu ma taAAbudoon, wala antum AAabidoona maaAAbud.

Auch die Gefährten des Propheten, Segen und Friede auf Ihm, blieben nicht von den Bestechungs- und Verführungsversuchen der Quraish verschont. Sie versuchten jeden, der Interesse am Islam zeigte, mit allen Mitteln davon abzuhalten.

Allah offenbarte Dem Gesandten Allahs folgenden Vers:

Und unter den Menschen gibt es solche, die leeres Gerede vorziehen, um (Menschen) ohne Wissen von Allahs Weg hinweg in die Irre zu führen, und um damit Spott zu treiben. Für solche wird es schmachvolle Strafe geben. Und wenn ihm Unsere Verse verlesen werden, so kehrt er sich überheblich (von ihnen) ab, als hätte er sie nicht gehört, als wären seine Ohren schwerhörig. So verkünde ihm schmerzliche Strafe. (31:6-7)

Über den Offenbarungsgrund dieses Verses bestehen zwei Meinungen.

Die eine besagt, dass dieser Vers wegen eines Mannes der Quraish offenbart wurde, der eine Dienerin erworben hat, die singen konnte. Die Menschen waren daraufhin mit ihrem Gesang beschäftigt und vom Aufruf des Gesandten abgelenkt.

Die andere Meinung, welche von Ibn Abbas überliefert wurde, besagt dass Al-Nadir Ibn Al-Harith eine Sängerin kaufte und sie, sobald er mitbekam, dass jemand am Islam interessiert war, mit der Sängerin zu ihm ging und ihr sagte:

Gebe ihm Speis und Trank und besinge ihn, denn das ist besser als das, wozu Muhammad aufruft.“

Kein Mittel blieb beim Stamm der Quraish unversucht, um dem Aufruf des Gesandten zu stoppen.

Als Folge dessen war die Freiheit den Propheten Muhammad (ﷺ) und seiner Gefährten eingeschränkt. Sie mussten sich im Geheimen treffen um Verse Allahs auszutauschen. Prophetengefährten wurden mit körperlicher Gewalt dafür bestraft, dass sie den Koran in der Öffentlichkeit verkündeten. Die Quraish griffen  zu sozialer Ächtung und verbreiteten Gerüchte über den Propheten (ﷺ). Sie behaupteten er sei wahnsinnig, ein Lügner, ein Dichter und Zauberer. Auch wirtschaftlich und politisch isolierten und boykottierten sie ihn und brachen jeglichen Handel zu ihm und seinen Gefährten ab.

Nach all diesen Jahren voller Leid und Kummer, verlor der Gesandte Allahs (ﷺ) einige seiner geliebten Mitmenschen. Khadija (radi allahu anha) und Abu Talib. Doch mit der Geduld kam die Erleichterung, wie sie in Surat Al-‘Isrā’ beschrieben wird:

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Gepriesen sei Der, Der bei Nacht Seinen Diener von der heiligen Moschee zu der fernen Moschee, deren Umgebung Wir gesegnet haben, hinführte, auf daß Wir ihm einige Unserer Zeichen zeigten. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allsehende. (17:1)

Aus dieser Nachtreise lernen wir, dass die nach der tapferen Geduld und Hingebung zu Allah im Bittgebet die Erleichterung für jeden Muslim kommt. Die Geduld und die Standhaftigkeit während der Zeit des Leides gehört zum Weg der Gesandten und die heilige Al-Aqsa Mosche gehört samt dem Erbe der Propheten zur islamischen Nation.

Abschließend sei gesagt, dass sich die wahre Gabe der Nachtreise im Gebet findet, denn dies ist die direkte Verbindung zwischen Himmel und Erde. Mit unserer Gebetsrichtung reisen wir seelisch zur heiligen Moschee und erheben uns bei der Niederwerfung empor gen Himmel, denn Allah sagt sinngemäß in Surat Al-Alaq:

wirf dich in Anbetung nieder und komme Allah nahe.“ (vgl. 96:19)

Möge Allah uns dabei helfen diese Lehren zu verinnerlichen und Ihm im Gebet nahe zu sein.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.