Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Die Nacht- und Himmelsreise

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ) Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen,

(…) Gepriesen sei Der, Der bei Nacht Seinen Diener von der heiligen Moschee zu der fernen Moschee hinführte, deren Umgebung Wir gesegnet haben. Auf dass Wir ihm einige Unserer Zeichen offenbaren. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allsehende.“ 

(Wir schwören) Bei dem Stern, wenn er sinkt! Nicht in die Irre geht euer Gefährte, noch ist er einem Irrtum erlegen. Er redet nicht aus (eigenem) Belieben. Es ist (die) Offenbarung, die(ihm) eingegeben wird. Unterrichtet hat ihn der Herr mächtiger Kräfte. Der, Der die (geistige) Macht besitzt. Er stand da,(…) am höchsten Horizont. Hierauf kam Er näher und stieg hinab. So dass Er (nur) zwei Bogenlängen (und) weniger entfernt war. Da gab Er Seinem Diener (an Offenbarung) ein(…). Nicht erlogen hat sein Herz, was es sah. (…) Und er sah ihn (noch) ein anderes Mal herabsteigen, beim (Lotus)-Baum, (am äußersten Rand). Bei dem der Garten der Zuflucht ist. (…) Wahrlich, von den Zeichen seines Herrn sah er die größten.“

 

Liebe Geschwister im Islam,

Der Qur´an berichtet uns von einer wundersamen nächtlichen Reise, die unser Prophet Muhammad (ﷺ) gemeinsam mit dem Engel Gabriel (alayhi as-salām) unternommen hat. Diese ereignete sich zu einer für die Muslime schweren Zeit. Es war im neunten Jahr der Offenbarung, und die Unterdrückung durch die Quraisch nahm stetig zu. Auch verstarb Abu Talib, der Onkel des Propheten – und der einzige, der ihm unter den Mekkanern einigermaßen  Schutz bieten konnte. Ein halbes Jahr später etwa verschied auch seine erste Ehefrau Khadija (Radiallahu anha).

Die Sorge und der Kummer lasteten so stark auf die Muslime, dass dieses Jahr „das Jahr der Trauer“ genannt wurde. Eine weitere bittere Erfahrung machte der Prophet in einer der  benachbarten Städte, die er aufsuchte um die Bewohner zum Islam einzuladen.

Er wurde jedoch beschimpft und aus der Stadt vertrieben.  In einer  Phase der Ratlosigkeit und der Niedergeschlagenheit also, erschien Gabriel und lud Muhammad (ﷺ) zu einer Reise ein – eine irdische Reise zur Aqsa-Moschee in Palästina– und eine himmlische über die sieben Himmel hinaus. Eine Reise, die dem Propheten und den Muslimen Mut und Hoffnung machen sollte in einer schwierigen Zeit – und eine Reise,   die den Stellenwert unseres Propheten unter den Menschen und unter den Propheten aufzeigte.

Liebe Schwestern und Brüder, wenn unsere islamische Gemeinschaft heute schwere Zeiten durchlebt, so soll  uns die Geschichte unseres Propheten Mut machen. Denn nach schlimmen Zeiten werden bessere eintreten, und Allahs Wille wird eintreffen wenn er doppelt verspricht:

Denn gewiss, mit der Belastung (kommt die) Erleichterung – gewiss, mit der Erschwernis ist Erleichterung.“

Wir wollen einige Stationen dieser wundersamen Reise, die sich im heutigen Monat Rajab ereignete, beleuchten.

Gabriel erschien und begleitete den Propheten zu Buraq – ein maultierähnliches Reittier, auf dem bereits Propheten zuvor geritten sind –es heißt, das  jeder Schritt dieses Tieres so lang ist, wie das Auge sehen kann. Auf Buraq erreichte Muhammad (ﷺ) von Mekka aus das gesegnete Land Palästina und kam zur Aqsa-Moschee.

Dort erwarteten ihn bereits alle Propheten, die vor Muhammad (ﷺ) entsandt wurden. Gabriel trug Muhammad (ﷺ) auf, den übrigen Propheten vorzubeten –  als Symbol für den Stellenwert unseres Propheten und als Zeichen für die Zusammengehörigkeit  aller Propheten und die Einheit ihrer Botschaft.

Nach dem Gebet brachte ihm Gabriel zwei Gefäße, eines mit Wein, das andere mit Milch gefüllt. Der Prophet (ﷺ) entschied sich für die Milch und trank davon. Da sprach Gabriel:

Du hast dich für die Rechtleitung entschieden- und rechtgeleitet wirst du für die Schöpfung und rechtgeleitet wird deine Gemeinschaft, o Muhammad!“.

Anschließend ging die Reise weiter, zu den sieben Himmeln empor, in jedem wurde ihm und Gabriel von einem anderen Propheten die Aufwartung gemacht.

Als sie dann vor der letzten Stufe standen, forderte Gabriel unseren Propheten auf, alleine weiterzugehen.

Dort, am „äußersten Horizont“ wurden ihm und seiner Gemeinschaft durch Allah, den Erhabenen, fünfzig Gebete am Tag auferlegt. Doch als er zu den Himmeln zurückkehrte, schickte ihn der Prophet Moses  zurück, um Erleichterung für die Gläubigen zu erbitten.  Denn nach den mühevollen Erfahrungen, die dieser mit dem hoffnungslosen Volk der Söhne Israels gemacht hatte, erschien ihm diese Pflicht für die Menschen als unerfüllbar. So kehrte Muhammad (ﷺ) sooft zurück, bis die Zahl auf fünf Gebete reduziert wurde und ein Gebet mit dem zehnfachen vergolten werden sollte. Moses (alayhi as-salām) gab sich immer noch nicht einverstanden, zu intensiv durfte er die Gattung  „Mensch“ kennen lernen. Doch Muhammad (ﷺ) weigerte sich noch einmal zu gehen, vor Scham traute er sich nicht mehr.

Alleine diese Episode sollte jedem das Auge für den hohen Stellenwert des Gebets im Glauben öffnen.Die Geschichte der Nachtreise verdeutlicht uns aber auch die Bedeutung  der Aqsa- Moschee, über die Allah im Qur´an sagt, dass sie als auch die Umgebung, in der sie steht, gesegnet seien. Dort ließ Allah alle Propheten versammeln – und für viele von ihnen ist in diesem gesegneten Land die Heimat.

Der Prophet reiste nach einigen wenigen Nachtstunden auf Buraqs Rücken wieder zurück nach Mekka. Als er seinem Volk berichtete, was er erlebt hatte, stellte dies für einen Teil der Muslime eine schwere Herausforderung dar. Einige glaubten ihm nicht und kehrten vom Glauben ab. Anderen wiederum stärkte dieses Ereignis den Glauben. In dieser Stunde beispielsweise erhielt Abu Bakr den Beinamen Al-Siddiq, der Vertrauende, denn er antwortete nur:

Bei Allah, wenn Muhammad das gesagt hat, dann ist es die Wahrheit“.

Liebe Geschwister, diese Reise ereignete sich, als die Muslime sich in einer sehr schweren Lage befanden – Allah ehrte seinen Propheten und die Gefährten mit dieser Reise und erleichterte ihre Herzen – denn sie waren trotz der schweren Zeit standhaft und aufrichtig – und ihre Geduld und Treue wurde von Allah belohnt. Abschließen möchten wir mit einem wunderschönen Ausspruch unseres Gesandten in der ungefähren Wiedergabe:

 Ich traf Abraham auf meiner Reisenacht und er sprach zu mir: O, Muhammad, bestelle deiner Umma einen Gruß und berichte von der Erde im Paradies und ihrer Fruchtbarkeit. Und berichte auch vom Wasser und seinem süßen Geschmack. Und sage ihr, dass der Weg dorthin über die Preisung unseres Schöpfers führt: Subhana-Allah wa L- hamdu-lillah wa Allahu Akbar!“

Möge Allah unsere Herzen reinigen und uns aufrichtig und standhaft sein lassen – auf dass die Demütigung und der Schaden, die unsere Ummah heimsuchen, ein Ende nimmt.

Erhaben bist Du, ya Allah, und alles Lob ist Dein! Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Dir allein.

Unser Herr, bürde uns nichts auf, wozu wir keine Kraft haben. Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser! Du bist unser Schutzherr“.

Amin