Die Liebe und Güte gegenüber den eigenen Kindern

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.”

Liebe Gläubige, in der vorletzten Freitagspredigt sprachen wir über die Güte gegenüber der Eltern im Islam und stellten fest, dass nach der Liebe zu Allah und seinem Propheten  (ﷺ), die Liebe zu den Eltern und die Liebe der Eltern zu ihren Kindern eine wesentliche Säule darstellt.

Auf Grund der wichtigen Bedeutung dieses Themas, werden wir in der heutigen Predigt auf den zweiten Aspekt: die Liebe und Güte gegenüber den eigenen Kindern eingehen.

Liebe Geschwister, liebe Eltern, die sich vielleicht über das schlechte Benehmen ihrer Kinder beklagen: seid davor gewarnt, direkt oder indirekt der Verursacher zu sein!

Dies ist jedoch nicht misszuverstehen. Selbst wenn die Eltern Fehler begangen haben, rechtfertigt dies dennoch keinen Ungehorsam der Kinder. Die Kinder sollten geduldig sein und die Fehler der Eltern – für Allah’s Wohlgefallen – verzeihen.

Folgende Empfehlungen können uns als gläubige Eltern dabei helfen unsere Kinder uns gegenüber zur Güte und zum Gehorsam zu erziehen und ihnen ebenfalls die Güte zukommen zu lassen, die uns Allah (ta’ala) auferlegt hat:

Die gute Erziehung der Kinder bereits in frühen Jahren:

– Kinder sollten frühzeitig erfahren und wissen, was Güte gegenüber den eigenen Eltern bedeutet und diese auch leben. Eine islamische Erziehung von Anfang an, ist an dieser Stelle sehr wichtig, damit die Kinder mit den Grundsätzen des Glaubens aufwachsen und diese später als selbstverständlich wahrnehmen. Die Missachtung dieser Vorgehensweise führt oft dazu, dass die Kinder ungehorsam werden und die Stellung der Eltern nicht gerecht würdigen.

Der sanftmütige und gütige Umgang mit euren Kindern:

– Wenn zum Beispiel der Vater sehr streng ist und seine Kinder unverhältnismäßig hart behandelt, werden die Kinder verständlicherweise eine Art Abneigung und gar Hass ihm gegenüber entwickeln. Wie bitte soll Familienfrieden und Geborgenheit herrschen, wenn sich bereits ein solcher Hass in den Herzen der Kinder festgesetzt hat?

Der Sahabi, Abu Masud el Badri (radiallahu anhu) erzählte:

“Ich hatte eines Tages einen Jungen mit einer Peitsche geschlagen, da hörte ich eine Stimme hinter mir. Anfangs war ich so sehr voller Zorn, dass ich die Stimme akustisch nicht verstand, doch als sich die Person näherte, stellte ich fest, dass es unser Prophet (ﷺ) war. Er sagte ermahnend: „Abu Masud, sei dir sicher, sei dir sicher.“

Da ließ Abu Masud plötzlich die Peitsche aus seiner Hand fallen. Der Prophet (ﷺ) setzte seine Ermahnung an ihn fort und sagte ihm, dass Allah (ta’ala) gewiss mehr Macht über ihn hat, als er über diesen Jungen. Da sagte Abu Masud:

Ich werde nach diesem Tage nie wieder einen Bediensteten schlagen. Da erwiderte unser Prophet (ﷺ):

Und wenn du dies weiterhin tätest, so wird dich das Höllenfeuer am Jüngsten Tag anfauchen“.

Demnach ist das Schlagen der eignen Kinder erst recht verboten und auf’s Schärfste zu verurteilen.

Über den Prophet (ﷺ) wird berichtet, dass während er eines Tages in der Moschee vorbetete, sein Enkelkind Hussein in die Moschee kam und auf den Rücken des Propheten (ﷺ) kletterte, während der Prophet (ﷺ) im Sujud war. Das Gebet bzw. die Niederwerfung des Propheten (ﷺ) dauerte dann etwas länger als gewohnt und die Muslime wunderten sich, ob etwas geschehen sei. Als das Gebet vollendet war, haben sie den Propheten (ﷺ) nach dem Grund gefragt, so antwortete er, dass Hussein während des Gebets auf seinen Rücken stieg und er ihn nicht unter Druck setzen wollte. Also wartete er, bis er mit dem Spielen fertig war.

Subhanallah!

Die Beteiligung der Kinder bei Entscheidungen in Erziehungsfragen:

– Trefft als Eltern eure Entscheidungen nicht einseitig und über die Köpfe der Kindern hinweg, insbesondere wenn diese eure Kinder direkt betreffen. Fragt eure Kinder um ihre Meinung und bezieht sie in die Entscheidungsfindung mit ein!

Fatale und negative Folgen haben solche Entscheidungen auf Kinder, bei denen die Eltern beispielsweise das Mädchen zur Heirat zwingen oder den Sohn nötigen sich aus der Reihe der eigenen Verwandten eine Frau auszusuchen, obwohl sein Herz bei einer anderen ist. Dies ist eine der schlimmsten Formen fehlender Güte gegenüber den eigenen Kindern.

Als unser Prophet (ﷺ) von einem Mädchen zum Thema Heirat befragt wurde, hat er klar und deutlich gezeigt, dass die endgültige Entscheidung hierfür bei dem Mädchen selbst liegt. Die Eltern sollten dabei unterstützend und beratend zur Seite stehen.

Die Gerechtigkeit im Umgang zwischen den Kindern:

– Die Eltern haben für Gerechtigkeit in jeglicher Form zwischen den eigenen Kindern zu sorgen, denn Ungerechtigkeit seitens der Eltern führt oft dazu, dass sich die Geschwister untereinander nicht mehr mögen und eine Teilschuld dafür bei ihren Eltern sehen und ihnen gegenüber ungehorsam werden.

Unser Prophet (ﷺ) warnte uns eindringlich davor ungerecht zu sein:

Und seid gottesfürchtig und gerecht zwischen euren Kindern!“

Die finanzielle Verantwortung und der Geiz:

– Allah (ta’ala) und unser Prophet (ﷺ) haben uns unmissverständlich aufgefordert, für unsere Kinder finanziell anständig zu sorgen und nicht geizig zu sein, denn diese würde Allah’s Zorn mit sich ziehen.

Sollte es den Eltern finanziell nicht gut gehen, sich aber für ihre Kinder bemühen, dann werden die Kinder dies erkennen, verstehen und ihre Eltern nicht dafür verantwortlich machen.

Das Lob gegenüber den Kindern:

– Lobt eure Kinder für gute Taten und sagt ihnen in aller Deutlichkeit, dass ihr sie vom ganzen Herzen liebt und zeigt ihnen diese Liebe!

Unser Prophet (ﷺ) lehrte uns, dass wenn wir jemanden lieben, es dieser Person auch deutlich sagen sollen. Das gilt bereits für Fremde, mit denen wir nicht verwandt sind, also auch erst recht für unsere Kinder. Sagt ihnen, dass ihr sie lieb habt.

Folgende vier Botschaften an die Eltern seien bitte noch abschließend zu beherzigen:

1. Seid gottesfürchtig und gehorcht Allah, so werden euch eure Kinder gehorchen und euch gegenüber gütig sein.

Allah (ta’ala) sagt im Surat Maryam in der ungefähren Bedeutung:

 […] Und er war fromm und ehrerbietig gegenüber seinen Eltern.
Und er war nicht hochfahrend, trotzig.

2. Seid ein Vorbild für eure Kinder:

Ihr könnt ihnen nicht das Lügen verbieten, aber selbst lügen. Ihr könnt ihnen nicht Keuschheit und Anstand vorschreiben, während ihr selbst weit davon entfernt seid.

3. Mischt euch nicht in die privaten Angelegenheiten eurer Kinder ein, es sei denn sie fragen euch um Rat.

Respektiert die Privatsphäre eurer Kinder!

Allah (ta’ala) sagt im edlen Quran in der ungefähren Bedeutung:

Und keine Lasttragende kann die Last einer anderen tragen“

  • Mischt euch nicht in das Leben von eurer Tochter mit ihrem Mann ein
  • und auch nicht in das Leben von eurem Sohn mit seiner Frau.
  • Auch sollt ihr euch nicht ungefragt in deren Arbeit oder sonstige Angelegenheit einmischen.
  • Steht ihnen bei und helft ihnen, wenn sie euch um eure Unterstützung oder euren Rat fragen.

Es ist auch nicht richtig, sie unter Druck zu setzen und ihnen zum Beispiel zu sagen tu dies oder das, sonst wäre man nicht zufrieden mit ihnen oder ähnliche Sprüche.

4. Schimpft nicht über eure Kinder und flucht nicht über sie, auch wenn ihr dies nicht wirklich ernst meint.

In einem Hadith heißt es in der ungefähren Bedeutung:

Flucht nicht über euch, flucht nicht über eure Kinder oder euer Vermögen, denn ihr könntet einen Augenblick erwischen, in dem Allah (ta’ala) gerade Bittgebete und Anfragen annimmt und somit euer Fluch erhört wird.“

O Allah, hilf uns stets gegenüber unseren Kindern gütig zu sein und lass sie zum Vorbild für alle Kinder dieser Welt werden.

Möge Allah uns Türen zu Seiner Gnade und Seinem Paradies öffnen, nachdem wir gütig zu unseren Eltern und Kindern waren und sie gut behandelten.

Gepriesen sei unser Herr – und gesegnet sei unser Prophet ().  Und das letzte unserer Bittgebete sei der Dank und die Lobpreisung Allahs.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.