Die Gerechtigkeit

  •  ﷽ 

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

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Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.” [16:90]

In der heutigen Predigt geht es um eine der großartigen islamischen Werte und Prinzipien, nämlich die Gerechtigkeit.
So schreiben einige Unwissende dem Islam fälschlicherweise Eigenschaften zu, die nicht zu ihm gehören. So zum Beispiel Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Kriege und Gewalt insbesondere gegenüber Frauen. Aber all dies geht letztlich darauf zurück, dass sich die Menschen vom Islam entfernen. Der Islam ist die Religion der Gerechtigkeit und der Gleichheit. Ohne Gerechtigkeit, meine lieben Geschwister, geht die Gemeinschaft unter.
Was aber bedeutet Gerechtigkeit? Wir verstehen darunter, jedem sein Recht zu geben, nicht mehr und nicht weniger – sowohl bei der Herrschaft als auch bei der Rechtsprechung. Es ist das Gegenteil von Ungerechtigkeit und Unterdrückung.
Mitunter ist die Wiederherstellung der Gerechtigkeit auch einer der Gründe für die Aussendung der Propheten. So steht dazu im edlen Qur’an:
auszug_57_25
Wir haben ja Unsere Gesandten mit den klaren Beweisen gesandt und mit ihnen die Schrift und die Waage herabgesandt, damit die Menschen für die Gerechtigkeit eintreten.“ [57:25]
Und an anderer Stelle heißt es:
auszug_5_42
Wenn du aber richtest, dann richte zwischen ihnen in Gerechtigkeit. Gewiss, Allah liebt die Gerechten.“ [5:42]
Und in einem weiteren Qur’an-Vers steht:
auszug_42_15
Darum rufe du auf und verhalte dich recht, wie dir befohlen wurde. Und folge nicht ihren Neigungen und sag: Ich glaube an das, was Allah an Büchern herabgesandt hat, und mir ist befohlen worden, unter euch gerecht zu handeln.“ [42:15]
Liebe Geschwister,
Gerechtigkeit bedeutet nicht: Parolen zu rufen, Transparente aufzuhängen oder Worte zu wiederholen.
Die Gerechtigkeit steckt im Verhalten, im Charakter und den Taten.
So hat uns Allah (subhanahu wa ta’ala) befohlen, in allen Lebenslagen gerecht zu allen Menschen zu sein – unabhängig davon, ob Muslim oder Nichtmuslim, ob sie zur Verwandtschaft gehören oder nicht, ob man mit ihnen befreundet ist oder nicht, ob arm oder reich, ob stark oder schwach, ob Frau oder Mann, ob klein oder groß, ob man daraus einen persönlichen Nutzen oder gar einen Nachteil zieht: wir geben demjenigen Recht, dem es zusteht, ohne wenn und aber. Dies ist die Großartigkeit des Islam.
Es gibt viele Beispiele im Leben des Propheten (ﷺ) und seiner Gefährten für ein gerechtes Verhalten.
A’ischa (radi allahu anha) berichtete, dass die Leute des Stammes der Quraisch wegen einer Frau aus einem anderen Stamm besorgt waren, die einen Diebstahl begangen hatte. Die Leute der Quraish fragten, wer denn mit dem Gesandten Allahs (ﷺ) darüber sprechen könnte. Einige schlugen für diese Aufgabe Usama Ibn Zaid vor, der unserem Propheten (ﷺ) sehr nahe stand. Als Usama Ibn Zaid dann mit Muhammad (ﷺ) über dieses Anliegen sprach und Fürsprache einlegen sollte, hielt der Gesandte Allahs (ﷺ) eine Predigt, in der er zur Gleichbehandlung aller unabhängig vom Rang in der Gesellschaft aufforderte. Es dürfe nicht sein, dass jemand einflussreiches seiner gerechten Strafe entgeht, selbst wenn es seine eigene Tochter wäre, während Diebstähle von Schwachen der Gesellschaft geahndet würden.
Auch nimmt die Gerechtigkeit zwischen den Gläubigen eine besondere Rolle ein. So steht dazu im Qur’an:
49_9
Und wenn zwei Gruppen von den Gläubigen miteinander kämpfen, so stiftet Frieden zwischen ihnen. Wenn die eine von ihnen gegen die andere widerrechtlich vorgeht, dann kämpft gegen diejenige, die widerrechtlich vorgeht, bis sie zu Allahs Befehl zurückkehrt. Wenn sie zurückkehrt, dann stiftet Frieden zwischen ihnen nach Gerechtigkeit und handelt dabei gerecht. Allah liebt ja die Gerechten.“ [49:9]

Weiterhin werden wir im Qur’an mehrfach dazu aufgefordert auch gegenüber Nicht-Muslimen gerecht zu sein, so liebt Allah gewiss die Gerechten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gerechtigkeit der Eltern gegenüber den Kindern. So darf keines der eigenen Kinder bevorzugt oder benachteiligt werden. Als der Prophet (ﷺ) mitbekam, dass ein Vater seinen Sohn beschenkte, fragte er diesen Vater: „Hast du all deine Kinder beschenkt?“ Der Vater verneinte. Daraufhin sagte Muhammad (ﷺ): „Fürchte Allah und sei gerecht zu deinen Kindern.“

Abschließen möchten wir mit folgendem Vers aus Surat Al-Mā’idah:
 5_8
O die ihr glaubt, seid Wahrer (der Sache) Allahs als Zeugen für die Gerechtigkeit. Und der Hass, den ihr gegen (bestimmte) Leute hegt, soll euch ja nicht dazu bringen, dass ihr nicht gerecht handelt. Handelt gerecht. Das kommt der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Allah. Gewiss, Allah ist Kundig dessen, was ihr tut.“ [5:8]
Dies ist die Gerechtigkeit des Islam in allen Bereichen und zu allen Menschen.
Allah (subhanahu wa ta’ala) hat sich selbst die Ungerechtigkeit verboten und so hat Er es auch für die Menschen verboten.
Wir bitten Allah, dass Er uns in unserem Verhalten, Charakter und Taten gerecht sein lässt und uns zu Seinen gerechten Dienern macht. Möge Allah uns von Ungerechtigkeit und den Leuten der Ungerechtigkeit entfernen. Wir bitten Allah, dass Er uns vor allem Schlechtem schützt und bei allem Gutem erfolgreich macht. Wir bitten Allah, dass er uns durch Seine Barmherzigkeit ins Paradies eintreten lässt und uns durch Seine Vergebung und Großzügigkeit vor dem Feuer errettet.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.