Freie Übersetzung der Freitagspredigt: „Mein Projekt- Unsere Moschee“

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß sei über Muhammad, der aus Barmherzigkeit entsandt wurde (sas)

Gepriesen sei Er, der uns das Schönste und Wertvollste aller Bücher in die Hände gegeben hat. Gepriesen sei Er, der uns den edlen und letzten aller Propheten gesandt hat. Und gepriesen sei Er, der die Gemeinschaft der Muslime zur besten aller Gemeinschaften erklärt hat. Gepriesen sei Allah, der Dankbare und immer wieder Verzeihende.

Liebe Gemeinschaft,

Die heutige Predigt beginnen wir mit einem sehr denkwürdigen Vers aus dem Qur´an:

Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht, damit ihr Zeugen über die (…) Menschen seiet und damit der Gesandte über euch Zeuge sei. Wir hatten die Gebetsrichtung (…) nur bestimmt, um zu wissen, wer dem Gesandten folgt und wer sich auf den Fersen umkehrt(…). Aber Allah lässt nicht zu, dass euer Glaube verloren geht. Allah ist zu den Menschen wahrlich gnädig, barmherzig.“

Es sind einige Jahrzehnte vergangen, seitdem der Islam mit den Migranten in Europa eingetroffen ist. Die einen kamen, um ein gewisses Kapital für die Heimat anzusparen. Die anderen wiederum kamen, um des Studiums willen. Wieder andere suchten Freiheit und Frieden in der Hoffnung, dass die politische Krise in ihrer Heimat möglichst bald ein Ende fände und sie zu ihren Häusern und ihren Familien zurückkehren konnten. Doch eines war allen gemeinsam: nur vorübergehend sollte der Aufenthalt in der Fremde sein.

In einer langen Zeit des Provisoriums befanden sich die Muslime in einem Zustand der Heimatlosigkeit, der Entbehrungen und der Kompromisse- mit welchem Auftrag und mit welchen Visionen auch sollten sie hierher gehören, wähnten sie sich alle schließlich in einigen Jahren wieder daheim.

Junge Männer -teilweise gerade erst mündig geworden- wer hätte sich da ihrer annehmen sollen, wer ihnen ihre Religion, die Riten des Islam, das Lesen und  Verstehen nahe bringen sollen?

Dann durchlebten die Muslime hierzulande viele Phasen, die Rückkehr in die Heimat rückte immer weiter in die Ferne, bessere Arbeit gesucht, Freunde gefunden, eigene Wohnungen eingerichtet, Frauen und Kinder reisten nach und brachten neue Herausforderungen mit, bis jeder auf seine ganz persönliche Weise jemanden traf, der ihn an die Hand nahm und in eine mehr oder weniger große Gruppe führte, die sich regelmäßig traf und der Suche nach und dem Weg zu Allah, dem Allwissenden und Alles Bestimmenden verpflichtet hatte.

Nun begannen sie sich zu organisieren, und die zur Verfügung stehenden Räume für die Lehren des Islam und den Gottesdienst einzurichten. Und je mehr Zulauf die Gemeinden erhielten, je evidenter die Verantwortung für die Kinder und vielfältiger die Aufgaben wurden, umso größer und funktionsgerechter wurden die Räume.

Heute stehen wir an einem Punkt, an dem wir voller Achtung und mit Stolz und Dankbarkeit  auf das Werk dieser Pioniere zurückblicken können. Eine wahre Meisterleistung, liebe Geschwister, die seinesgleichen sucht. Mit materiellen Mitteln komplett aus eigener Tasche, mit Tatkraft, mit Geduld und Schweiß haben sie  aufgebaut, was uns heute in fast jeder größeren Stadt Europas begegnet: prachtvolle islamische Gotteshäuser, deren eigene Schönheit und wirklicher Schmuck sich meist erst im Inneren erschließen lässt.

Zu Recht sind diese Häuser die Wohnstätten des Lichts und der Rechtleitung, denn während sie fleißig sammelten, um tagsüber Stein auf Stein zu setzen, erlangten sie des Nachts eine beachtliche Reife an Bildung und Haltung, indem sie lesen und den Qur´an rezitieren lernten und sich die Handlungen, Aussprüche und Geschichte des Gesandten(sas) einprägten und aneigneten. Der Islam, liebe Geschwister, ist hierzulande trotz aller Widrigkeiten längst angekommen!

An uns liegt es nun dieses Werk fortzuführen und aus der Moschee, in der wir hier und jetzt unser Freitagsgebet verrichten, eine umfassende Stätte Allahs erwachsen zu lassen, um den vielfältigen generationsübergreifenden und gesellschaftlichen Anforderungen, die an sie gestellt werden, gerecht zu werden. Auf drei Punkte sollte unser Augenmerk gerichtet werden, um sich dieser Aufgabe zu stellen:

  • Der Moschee, mit der wir in erster Linie, das Haus verbinden, indem wir uns unserem Schöpfer, dem Erhabenen nähern, gilt es, ein weiteres charakteristisches Merkmal zu verleihen. Vor allem im Hinblick auf unsere Schulen, in denen die nächsten Generationen sich die arabische Sprache und eine Erziehung im Sinne unserer Religion aneignen möchten, bedarf es eines institutionellen Charakters, was unsere Haltung und unsere Organisation betrifft.

Beengte Verhältnisse und mangelnde Koordination lassen keinen Unterricht zu, der der Anzahl der Schülerinnen und Schüler in Form und Selbstständigkeit entspricht. Ein nur langsamer Lernerfolg führt zum negativen Vergleich mit den Regelschulen und raubt den Kindern die Motivation. Hier bedarf es vor allem geeigneter Räumlichkeiten und geeigneter Ausstattung um eine Verbesserung zu erzielen.

  • Weiterhin erstrebenswert wäre der Transfer vom „Haus des Gebets“ zum „Haus des Betenden“. Denn das Individuum ist der Schlüssel zum Erfolg und  der Einzelne das Fundament eines guten Gelingens. Und jedes “Moschee-Projekt“, das sich nicht das Wohl und die Entwicklung des Einzelnen zum Programm macht, ist zum Scheitern verurteilt.

So setzen wir viel auf Aussehen, Form und Schmuck des Gebäudes und verlieren dabei schnell den Blick für den, der kommt um sich hier vor seinen Schöpfer, den Ersten und Einzigen niederzuwerfen. Es gibt islamische Zentren, die sind in ihrer Erscheinung so unscheinbar und doch in ihrem Angebot und ihren Ambitionen so kolossal lebendig und aktiv.

Nachdem wir diese unsere prächtige Moschee gebaut haben, kommt es nun darauf an, an uns zu arbeiten und auf kommende führende Generationen zu bauen, damit dies ein Ort des Lernens bleibt; an dem der einzelne Bereicherung, Frieden und Liebe findet. An dem der einzelne seinen Lebensentwurf entdeckt, als  Alternative zu dem, was unsere Welt außerhalb bietet. Denn, so heißt es im Qur´an: „Allah hat den Gläubigen wirklich eine Wohltat erwiesen, als Er unter ihnen einen Gesandten von ihnen selbst geschickt hat, der ihnen Seine Zeichen verliest, und sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt, obgleich sie sich zuvor wahrlich in deutlichem Irrtum befanden“.

  • Der dritte Punkt betrifft unsere Moschee und ihre Präsentation nach außen in einer  zunehmend kritischen deutschen Mehrheitsgesellschaft. In unserem heiligen Buch heißt es: „Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Das Gleichnis seines Lichtes ist das einer Nische, in der eine Lampe ist. Die Lampe ist in einem Glas. Das Glas ist, als wäre es ein funkelnder Stern. Ihr Brennstoff kommt von einem gesegneten Baum, einem Ölbaum, weder östlich noch westlich, dessen Öl beinahe schon Helligkeit verbreitete, auch wenn das Feuer es nicht berührte. Licht über Licht. Allah führt zu Seinem Licht, wen Er will(…) und Allah weiß über alles Bescheid. (Solche Lampen gibt es) in Häusern, für die Allah erlaubt hat, dass sie errichtet werden und dass darin Sein Name genannt wird. Ihn preisen darin, am Morgen und am Abend, Männer, die weder Handel noch Kaufgeschäft ablenken vom Gedenken Allahs, von der Verrichtung des Gebets und der Entrichtung der Abgabe“.

Der Zweck eines Gotteshauses ist also, dass der Muslim aus ihm heraustritt und etwas von dem Licht mitnimmt, das dort scheint um das Dunkle, das draußen herrscht, zu erhellen und zu verbannen. Und der Zweck eines Gotteshauses ist, dass dort im Licht unseres Glaubens die gesellschaftlichen Belange beleuchtet werden und nach dem gesucht wird, was dem Zusammenleben dienlich und förderlich ist. Dass dort Frieden gefunden und friedliches Miteinander gelebt und erhalten und nach außen getragen wird.

Für uns heißt das konkret, dass wir gemeinschaftliche Projekte und Unternehmungen finden müssen, in die wir unsere Mitmenschen einbeziehen können um dort Vertrauen zu schaffen und Ängste, Vorbehalte und Vorurteile abzubauen. Unsere Jugend, die mit der deutschen Sprache und Kultur groß geworden ist, und am besten einzuschätzen weiß, wie wir uns in diesem Punkt verbessern können, ist hier in besonderer Weise um ihre Mithilfe gefragt.

Für uns alle, jung und alt, heißt es, sich zu verhalten, wie es uns der Gesandte Allahs gelehrt hat. Und zu den ersten Fakten, die wir über ihn (sas) lernen, gehört, dass sein Volk, die Quraisch, ihn äußerst feindselig empfangen haben, als er mit dem Licht des Glaubens kam. Und doch gebot er (sas), geduldig zu sein, freundlich und offen und dem Lächeln eine Wohnstätte in unseren Augen zu geben. Feindseliges und verletzendes Verhalten darf in friedlichen Zeiten keinen Platz in unseren Herzen und Taten haben. Der Muslim fällt durch seine Güte auf, nicht durch Raserei, Regelüberschreitung und Rücksichtslosigkeit. Unsere Moschee, liebe Geschwister ist unser Projekt, liegt in unserer aller Hände und ist in unser aller Verantwortung. Und Allah, der Alles Aufzeichnende verspricht durch seinen Propheten Muhammad (sas), dass derjenige, dessen Herz an seiner Moschee hängt, zu jenen gehört, denen Allah Schatten spendet am Tage, an dem es keinen Schatten außer dem Seinen gibt.

„Unser Herr, gewiss, wir hörten einen Rufer, der zum Glauben aufrief: Glaubt an euren Herrn. Da glaubten wir. Unser Herr, vergib uns unsere Sünden, tilge unsere bösen Taten und berufe uns ab unter den Gütigen. 

Unser Herr, und gib uns, was Du uns durch Deine Gesandten versprochen hast, und stürze uns nicht in Schande am Tag der Auferstehung. Gewiß, Du brichst nicht, was Du versprochen hast.”

“Unser Herr, belange uns nicht, wenn wir (etwas) vergessen oder einen Fehler begehen. Unser Herr, lege uns keine Bürde auf, wie Du sie denjenigen vor uns auferlegt hast. Unser Herr, bürde uns nichts auf, wozu wir keine Kraft haben. Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser, denn Du bist unser Schutzherr“

Amin