Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Grundlagen zum Erringen des Sieges

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 
Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ) Sein Diener, Sein Gesandter ist.

O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch aus einem einzigen Wesen schuf, und aus ihm schuf Er seine Gattin und ließ aus beiden viele Männer und Frauen sich ausbreiten. Und fürchtet Allah, in Dessen (Namen) ihr einander bittet, und die Verwandtschaftsbande. Gewiß, Allah ist Wächter über euch.

Liebe Geschwister im Islam,
heute Leben wir den 14. Tag des Monats Ramadan. Wohl dem, der seine Tage fastet und seine Nächte betend verbringt, den Quran liest, seinen Blick senkt, seine Zunge hütet und sich in Geduld übt. Fast haben wir die Hälfte dieses Monats erreicht, über den der Prophet (ﷺ) sagte, dass sein Anfang Vergebung – seine Mitte Barmherzigkeit – und sein Ende Errettung aus dem Höllenfeuer ist.
Keiner von uns weiß, ob Allah unsere Taten und unser Fasten anerkennt, noch wissen wir, ob wir das Ende dieses Monats noch erleben werden.
Für die Gefährten und Nachfolger des Propheten (ﷺ) war dieser Monat nicht nur der Monat des Quran Lesens und des Betens – sondern er war auch der Monat für große Taten – der Monat zum Erringen von großen Siegen.
Am 17. Tag des Monats Ramadan – zwei Jahre nach der Hijra – erlangten die Muslime einen der größten Siege in ihrer Geschichte in der Schlacht in Badr. Es war die erste Schlacht der Muslime gegen die Götzenanbeter der Quraisch, in der sie zahlenmäßig stark unterlegen waren – doch Allah schenkte ihnen in diesen gesegneten Monat den Sieg, was den Grundstein zur weiteren Ausbreitung der jungen islamischen Gemeinschaft darstellte. Und die Geschichte der Muslime zeigt, dass viele weitere Siege im Monat Ramadan erfolgten.
Wenn wir uns die heutige Lage der islamischen Gemeinschaft anschauen, blutet unser Herz. In fast allen islamischen Ländern dieser Welt, fließt das Blut unserer Geschwister in strömen – unsere Kinder werden seit Jahren – ja, seit Jahrzehnten – getötet, verstümmelt, oder sie werden zu Waisen gemacht, die Schreie und Klagen unserer Geschwister verhallen, ohne dass wir etwas bewirken – und immer wenn wir denken, schlimmer kann es nicht mehr werden, erschüttern uns die neuesten Geschehen. Syrien stirbt und blutet seit über drei Jahren, Libyen versinkt im Chaos, Ägypten steht am Rande eines Bürgerkriegs…und nun werden die Wunden Palästinas wieder aufgerissen. Wir sehen tagtäglich diese schrecklichen Bilder und unsere Herzen erbeben – aber wir bewirken nichts!
Dies alles im gnadenreichen Monat Ramadan.
Lasst uns nach Gründen für den Sieg im Quran und der Sunnah suchen – wobei „Sieg“ hier nicht rein militärisch gemeint ist, jeglicher Sieg ist hier gemeint – auch der Sieg über das eigene Ego. Die Gefährten des Propheten und deren Nachfolger erlebten einen Sieg nach dem anderen und kannten kaum eine Niederlage – weil sie folgende Punkte beherzigten:
Der Aufrichtige Glaube – und die rechtschaffenen Taten. In Surat Al-Nur heißt es:

Allah hat denjenigen von euch, die glauben und rechtschaffene Werke tun, versprochen, daß Er sie ganz gewiß als Statthalter auf der Erde einsetzen wird, (…), und daß Er ihnen nach ihrer Angst statt dessen ganz gewiß Sicherheit gewähren wird. Sie dienen Mir und gesellen Mir nichts bei. 

Zum richtigen Glauben gehört, dass der Muslim sich sicher ist, dass der Sieg von Allah kommt, solange die Muslime Allahs Sache aufrichtig vertreten – in ihren offenen und verborgenen Taten, wie Allah uns in Sura Muhammed im folgenden Vers lehrt:

O die ihr glaubt, wenn ihr Allah(s Sache) helft, hilft Er euch und festigt eure Füße

Und wem Allah hilft, dessen Anliegen kann nicht scheitern, so heißt es in Sura Ali Imran:

Wenn Allah euch zum Sieg verhilft, so kann euch keiner besiegen. Doch wenn Er euch im Stich läßt, wer ist es denn, der euch dann, nach Ihm, noch helfen könnte? Und auf Allah sollen sich die Gläubigen verlassen. 

Und noch einmal – der Sieg ist hier nicht rein militärisch – vielmehr ist es der Sieg in allen Lebenslagen, dass der Mensch ein gottgefälliges, erfolgreiches und zufriedenes Leben im Diesseits und den vollkommenen Erfolg im Jenseits erlangt, so heißt es auch in Sura Ghafir:

Wahrlich, Wir helfen (arab.: Nansur) Unseren Gesandten und denjenigen, die glauben, im diesseitigen Leben und am Tag, da die Zeugen auftreten

Standhafte und ausdauernde Geduld über das, was dir an Unannehmlichkeiten oder Schicksalsschlägen widerfährt.
Ist es doch der Monat Ramadan, der die Geduld und die Willensstärke der Muslime stärkt, und es gehört zu unserem Glauben, dass wir Muslime im Diesseits geprüft werden, so heißt es in Surat Ali-Imran:

O die ihr glaubt, geduldet euch, haltet standhaft aus, seid kampfbereit und fürchtet Allah, auf daß es euch wohl ergehen möge!

Al Tauakkul 3ala Allah: Unerschütterliches Verlassen und Vertrauen auf Allah! In Surat Al-Talaq heißt es:

Und wer Allah fürchtet, dem schafft Er einen Ausweg. Und wer sich auf Allah verläßt, dem ist Er seine Genüge. Allah wird gewiß (die Durchführung) seine(r) Angelegenheit erreichen. 

Die Einheit der Muslime wahren; und die Nachsichtigkeit den Gläubigen gegenüber: Allah und der Prophet (ﷺ) rufen uns zur Einheit auf – so heißt es in Surat Al-Hujurat:

Die Gläubigen sind doch Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren beiden Brüdern und fürchtet Allah, auf daß ihr Erbarmen finden möget.

Und in Surat Ali-Imran heißt es:

Und haltet alle fest am Seil Allahs und geht nicht auseinander! Und gedenkt Allahs Gunst an euch, als ihr Feinde wart und Er dann eure Herzen zusammenführte, worauf ihr durch Seine Gunst Brüder wurdet.

Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt der Muslime ist eine Pflicht von Allah, die wir heute sträflich vernachlässigt haben, selbst im Kreise der Moschee sind wir häufig uneins und zerstreiten uns wegen Kleinigkeiten. Wie können wir Muslime so etwas in der Welt bewirken? Sind wir uneins, werden wir keine Kraft haben und Schwäche wird uns heimsuchen, wie Allah uns in Surat Al-Anfal warnt:

Und gehorcht Allah und Seinem Gesandten, und streitet nicht miteinander, sonst würdet ihr den Mut verlieren, und eure Kraft würde vergehen! Und seid standhaft! Gewiß, Allah ist mit den Standhaften. 

Rationales Vorgehen: Auch wenn wir standhaft wären, zusammenhalten und auf Allah uns verlassen würden, bedarf es eine vernünftige Planung zum Erreichen der Ziele, auch dies lehrt uns Allah im Quran, so heißt es in Surat Al-Anfal:

Und haltet für sie bereit, was ihr an Kraft und an kampfbereiten Pferden (haben) könnt, um damit den Feinden Allahs und euren Feinden Angst zu machen(…); Und was immer ihr auf Allahs Weg ausgebt, wird euch in vollem Maß zukommen, und es wird euch kein Unrecht zugefügt. 

Das Festhalten an das Jenseits – denn wir Muslime leben nicht für das Diesseits – und wir wetteifern nicht um die Güter des Diesseits, der Prophet (S) lehrte in einem Hadith:

Bei Allah, nicht die Armut fürchte ich um euch, viel mehr fürchte ich, dass euch die Güter des Diesseits gegeben werden und ihr um ihretwillen wetteifert, dann werdet ihr untergehen, so wie es den Völkern vor euch ergangen ist“.

SubhanAllah – als würde der Prophet (ﷺ) unter uns weilen und uns aufzeigen, wo unsere Fehler liegen!
Die aufrichtige Gewissheit, dass der Sieg einzig und alleine von Allah kommt und nicht von der Anzahl oder Stärke der Menschen abhängt, so heißt es in Surat Al-Taubah:

Allah hat euch doch an vielen Orten zum Sieg verholfen, und auch am Tag von Hunain, als eure große Zahl euch gefiel, euch aber nichts nutzte. Die Erde wurde euch eng bei all ihrer Weite. Hierauf kehrtet ihr den Rücken (zur Flucht). 

Liebe Geschwister im Islam, fast in der gesamten islamischen Welt werden heute unsere Geschwister, unsere Kinder, Mütter, Frauen und Greise unterdrückt, getötet und gedemütigt, sie sterben unter Bombenbeschuss in Palästina, in Syrien, in Ägypten und in vielen anderen Orten dieser Welt – und noch schlimmer wiegt es, dass teilweise Muslime gegen Muslime kämpfen. Sie töten ihre eigenen Geschwister – und rechtfertigen es mit den Worten, dass diese keine Muslime seien – als könnten sie in ihre Herzen blicken, wie traurig ist das, was uns widerfährt. Was würde unser Prophet (ﷺ) über uns denken, wenn er die heutige Lage der Muslime sehen würde – wie beschämend es doch ist.
Wir dürfen das Leid und das Elend unserer Geschwister nicht vergessen – und das mindeste was wir für sie tun können, ist das aufrichtige Bittgebet.
Doch auch dürfen wir nicht vergessen, dass nichts auf dieser Welt ohne das Wissen Allahs geschieht – und keine Seele stirbt vor ihrer Zeit und bevor sie nicht all ihr vorgeschriebenes Vermögen (Risq) erhalten hat – einzig Allah kennt die Zukunft, und es mag sein, dass wir in einer Sache schlechtes sehen, in der doch viel gutes für uns liegt.  Und das Licht dieser Religion wird niemals erlöschen, bis zum Tage des Jüngsten Gerichts!
Möge Allah unsere unterdrückten Geschwister stärken und festigen, ihnen Frieden, Ruhe und Gewissheit in ihre Herzen legen, möge Allah uns auf das rechte Wort einigen.