Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Gottesdienst an der Gemeinschaft

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen.

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß sei über Muhammad, der aus Barmherzigkeit entsandt wurde (sas)

Liebe Geschwister im Islam,

unter den Muslimen ist die Einstellung weit verbreitet, dass man seine religiöse Pflicht erfüllt hat, wenn das Gebet verrichtet, der Ramadan gefastet, die Hajj vollzogen und vielleicht etwas zusätzlicher Gottesdienst geleistet wird.

Es gibt Menschen, die das gemeinsame Morgengebet in ihrer Moschee nie verpassen, sich aber gleichzeitig an dem Eigentum von Waisenkindern vergehen. Oder Menschen, die ständig fasten, aber gleichzeitig durch üble Nachrede ihren Nachbarn schaden. Oder Pilgernde, die alle paar Jahre das Haus Allahs in Mekka besuchen, während sie ihre Geschwister um deren Erbschaft betrügen.

Solch ein Lebenswandel entspricht weder unserem Buch noch den Lehren unseres Propheten Muhammad (sas). Und wir sind gut beraten, unser Verständnis für die Grundzüge des Islam zu überprüfen und zwischen dem persönlichen Inneren und dem gemeinschaftlichen Äußeren Gottesdienst zu unterscheiden.

In einer Überlieferung wird der Gesandte (sas) zu einer Frau befragt, die ihren religiösen Pflichten wie Gebet, Fasten und Almosen zwar sehr gewissenhaft nachgeht, andererseits aber ihren Mitmenschen schadet, indem sie über sie  lästert. Worauf er unmissverständlich klar macht, dass diese Frau ein unseliges Ende nehmen wird. Zu einer anderen Frau befragt, die ihre Gottesdienste nur nachlässig erfüllt, aber niemandem durch Nachrede schadet, erklärt er, dass dieser Frau das Paradies offen steht.

An einer anderen Stelle sprach der Prophet(sas):

Soll ich euch etwas nennen, was in seinem Stellenwert höher steht, als das Gebet und das Fasten und die Pflichtabgaben?“

Die Gefährten antworteten: „Sprich!“ Darauf sagte er:

Zwischen zwei Menschen schlichten. Denn ein Streit zwischen zwei Menschen kann verheerend sein“.

In einer weiteren Ansprache sagte er:

Die am meisten geschätzten Menschen bei Allah sind diejenigen, die ihren Mitmenschen am nützlichsten sind. Und die am meisten geschätzten Taten bei Allah sind, wenn du jemandem eine Freude machst oder ihm seine Sorgen nimmst. Wenn du jemanden von seiner Schuld befreist oder ihm den Hunger nimmst. Und wenn du jemanden begleitest in seinen Angelegenheiten so ist das wertvoller als einen Monat im Gottesdienst in der Moschee zu verbringen. Und wer sein Herz füllt mit  zurückgehaltenem Groll, dem wird Allah sein Herz mit Zufriedenheit füllen. Und am Tage, an dem alles beben wird, wird Allah demjenigen einen festen Stand geben, der mit seinem Bruder gegangen ist, um dessen Probleme zu lösen. Und wisset, dass der schlechte Charakter die guten Taten zunichte macht.“

Die Botschaft dieser Überlieferungen ist unmissverständlich, liebe Geschwister: wer sich um sein eigenes Wohl kümmert und die Gemeinschaft vernachlässigt, steht weit hinter dem, der seiner Gemeinschaft Gutes tut. Und sei es nur, indem er es vermeidet, schlecht über seine Mitmenschen zu reden. Nicht das Gebet und das Fasten, nicht die Zakat und die Hajj werden hervorgehoben, sondern Hilfsbereitschaft, Respekt und Achtung im täglichen Miteinander.

Auch in folgendem Ausspruch lässt der Gesandte(sas) erkennen, welch hohen Stellenwert das Miteinander im Islam hat:

Jedes einzelne Glied des Menschen ist verpflichtet, täglich eine gute Tat zu vollbringen. Zwischen zwei Menschen schlichten ist eine gute Tat. Einem Menschen helfen, sein Reittier aufzuzäumen ist eine gute Tat. Ihm helfen aufzusteigen oder seine Last zu verstauen ist eine gute Tat. Jedes gesprochene schöne Wort ist eine gute Tat. Jeder Schritt Richtung Gebet ist eine gute Tat. Ein Hindernis aus dem Weg zu räumen ist eine gute Tat“.

Es gibt in diesem Zusammenhang noch viel aufzuführen, liebe Geschwister. Leider würden all die Zitate aus dem Qur´an und aus der Geschichte des Gesandten und seiner Gefährten den Rahmen übersteigen.

Wir wollen uns mit einer Anekdote begnügen, die sich in der unmittelbaren Zeit nach unserem Propheten ereignet hat. Abdallah, der Nachfahre eines Gefährten zog mit einer Gruppe los um die Hajj zu verrichten. Auf der Reise starb ein Huhn, das sie für die Verpflegung mitgenommen hatten. Abdallah ließ das verendete Tier auf einen Müllhaufen werfen, der sich in unmittelbarer Nähe eines Hauses befand. Während sie weiterzogen bemerkte er, wie ein Mädchen aus dem Hause trat und das tote Tier mit hinein nahm. Er ging zu dem Haus zurück, nahm dem Kind das tote Tier ab und fragte es, was es denn damit anfangen wolle, da es für den Verzehr ungeeignet sei. Das Kind erwiderte, dass sie und ihr Bruder ihre Eltern verloren hatten und ihnen nur noch dieses Haus geblieben sei. Zum Leben hätten sie nichts als diese Müllhalde, auf der ihre Nachbarn ihre Essensreste entsorgten.

Abdallah rief den Reisekassenverwalter zu sich zurück und erkundigte sich, wie viel Geld ihnen geblieben sei. Darauf antwortete dieser, dass ihnen für die weitere Reise noch etwa tausend Dinare geblieben sind.  Nun fragte Abdallah, wie viel sie denn bisher ausgegeben hätten. Darauf antwortete der Verwalter, dass sie bisher etwa zweihundert Dinare verbraucht hätten. Darauf ordnete Abdallah an, zweihundert für die Rückreise zurück zu behalten und den Kindern den Rest zu geben. Und so reisten sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause.

Oh Allah, „belange uns nicht, wenn wir (etwas) vergessen oder einen Fehler begehen. (…) Unser Herr, bürde uns nichts auf, wozu wir keine Kraft haben. Verzeihe uns, vergib uns und erbarme Dich unser (denn) Du bist unser Schutzherr.“   

Amin.