Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Die Abschiedspredigt

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen.

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß sei über Muhammad, der aus Barmherzigkeit entsandt wurde (sas)

Liebe Geschwister im Islam,

Diese gesegneten ersten zehn Tage des Monats Dhil-Hijja erinnern uns an unsere Geschwister in Mekka- wie sie scharenweise in das heilige Haus Allahs strömen und die ganz besonderen Tage um das Opferfest erwarten.  Denn in diesen Tagen, im zehnten Jahr nach der Flucht aus Mekka,  stand der Gesandte Muhammad (sas) auf dem Berg Arafat um eine letzte Ansprache an seine Gefährten zu halten. Eine sehr bewegende Ansprache, in der unser geliebter Prophet in nur wenigen Sätzen das Wesentliche unseres Glaubens skizzierte und in unsere Hände übergab: die Abschiedspredigt, die er mit diesen Worten einleitete:

Hört mir zu, ich werde euch einiges erklären. Ich weiß nicht, ob ich euch nach diesem Jahr jemals wieder treffen werde“.

Wir wollen heute an einigen Stellen dieser Rede kurz innehalten und seine Worte wirken lassen.

So sprach der Prophet in der ungefähren Übersetzung:

Euer Blut und Eure Güter sind Euch heilig, so wie Euch dieser Tag in diesem Monat und an diesem Ort heilig ist.“

Das Prinzip Allahs, liebe Schwestern und Brüder, beruht auf Gnade und Vergebung. Doch das Recht der Menschen beruht auf Gerechtigkeit und Ausgleich. Die körperliche Unversehrtheit und die Güter des Menschen stehen an oberster Stelle im gesellschaftlichen Miteinander. In einer Überlieferung sprach Muhammad (sas):

Wer aufgrund seiner Aussage die Rechte eines anderen Muslim beschneidet, dem wird das Paradies im Jenseits verwehrt.“

Daraufhin fragte ein Mann: „Und wenn es sich um eine Kleinigkeit handelt?“. Der Prophet antwortete:

Auch wenn es sich um den Zweig eines Baumes handelte.“

Im weiteren Text der Abschiedspredigt spricht Muhammads (sas) die Abschaffung der Gepflogenheiten aus der Dschahilijja an, das heißt, aus der sogenannten  „Zeit der Unwissenheit“, bevor der Islam offenbart wurde. Zu diesen Unsitten gehörten unter anderem die Blutfehde, die Zinsgeschäfte und die Unterdrückung der Frau.

Die Blutfehde war in der vorislamischen Zeit Pflicht. So konnte es durchaus passieren, dass aus Rache für eine Person gleich mehrere aus dem Stamm des Täters umgebracht wurden, ob der Täter dabei selbst getroffen wurde, war nicht ausschlaggebend. Auch auf unserem Propheten (sas) lastete der Druck dieser Rache, da aus seiner eigenen Familie ein Junge von dem Stamm der Huzeil umgebracht wurde. Doch hierzu sprach er folgenden Satz:

Die Blutrache ist abgeschafft. Und das erste Blut, das nicht gerächt werden soll, ist das Blut unseres Rabi´a, der von den Huzeil umgebracht wurde.“

Wie wertvoll unserem Propheten das Leben des Menschen war, zeigt sich auch an folgender  Begebenheit, die ein Gefährte erzählte: „ Der Gesandte Allahs schickte uns zum Kampf. Es kam dazu, dass wir einen Mann verfolgen mussten. Als wir ihn fingen, sprach dieser: ,La ilaha ill Allah!´. Als ich sah, wie mein Mitstreiter seine Waffe sinken ließ, (wurde ich böse) und stach zu. Dies erfuhr später der Gesandte Allahs, und er fragte mich: „Hast du einen Menschen getötet, nachdem er das Bekenntnis sprach?“.  Ich verteidigte mich und sagte, dass der Feind das nur tat, um sich zu schützen. Darauf fragte mich der Gesandte nochmals: „Hast du einen Menschen umgebracht, nachdem er das  Bekenntnis sprach?“. Er wiederholte diese Frage so oft, dass ich mir wünschte, ich hätte erst an diesem Tag den Islam angenommen (und könnte ganz von vorne anfangen)“ …

Das Zusammenleben von Mann und Frau nahm in der Predigt des Gesandten ebenfalls einen wichtigen Stellenwert ein. Dieses könne nur gelingen, wenn sich beide gegenseitig in ihren Rechten und Pflichten achten.

Mit einer Überlieferung wollen wir uns zu diesem Thema an unsere Schwestern richten. So sprach Muhammad (sas):

Wenn die Frau fünfmal betet, und wenn sie ihren Monat fastet, wenn sie treu ist und ihren Gatten achtet, wird ihr einst gesagt: „Suche dir ein Tor aus, durch das Du das Paradies betrittst“.

Für unsere Brüder spricht der Gesandte in einer weiteren Überlieferung:

Den vollkommensten Glauben unter euch hat der Tugendhafteste. Und der beste unter euch ist der, der am besten zu seinen Frauen ist.“

Im weiteren Text der Abschiedspredigt heißt es:

Und ich hinterlasse euch etwas, mit dem ihr euch nie verirren werdet, wenn ihr euch daran haltet: es ist das Buch Allahs“

Im Qur´an steht hierzu:

Doch wenn (…) von Mir Rechtleitung (…) kommt, dann wird derjenige, der (ihr) folgt, nicht irregehen und nicht unglücklich sein. Wer sich aber von Meiner Ermahnung abwendet, der wird ein beengtes Leben führen, und Wir werden ihn am Tag der Auferstehung blind (zu den anderen) versammeln.“

Es führt kein Weg, liebe Geschwister, an diesem Buche vorbei, wenn wir aufrecht durchs Leben gehen und aufrecht unserem Schöpfer entgegen treten wollen.

Abschließend fragte Muhammad (sas):

„Ihr werdet morgen  nach mir gefragt, was werdet ihr antworten?“ Die Menschen antworteten: „Wir schwören, dass du die Botschaft übermittelt hast, dass du uns Ratschläge gegeben hast und dass du deine Pflicht erfüllt hast. Wir bezeugen es.” Darauf hob er seinen Zeigefinger und sprach:

Sei Zeuge o Herr, sei Zeuge o Herr…“

Du erhabener Prophet, geliebter Muhammad,  auch wir, hier an diesem gesegneten Tag in diesem Hause Allahs, bezeugen:

Du hast Deine Aufgabe großartig erfüllt. Du warst beispiellos. Du hast das Dir Anvertraute an uns weitergereicht. Und Du hast uns das Rechte vom Unrechten trennen gelehrt. Du hast all das aufgezählt, was uns zu unserem Schöpfer, dem Ersten und Gnädigen näher bringt. Und du hast uns vor allem gewarnt, was uns von unserem Schöpfer, dem Richter am Tag des Jüngsten Gerichts entfernt. Wir bezeugen, dass du uns Seine Worte in Seinem Buch übergeben hast und dass es bei uns angekommen ist. Und wir bezeugen, dass da kein Gott ist außer Allah und dass Du sein Gesandter bist.

Wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.