Freie Übersetzung der Freitagspredigt, Ehe- und Familienleben Teil 6 – Die Rechte der Frauen ihren Männern gegenüber

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß über den, der aus Barmherzigkeit den Weltenbewohnern entsandt wurde, Muhamed (S).

Liebe Geschwister im Islam,

in der letzten Woche hörten wir einiges über die Rechte der Ehemänner ihren Frauen gegenüber. Heute setzen wir inshaAllah die Vortragsreihe über das Familienleben fort und sprechen über die Rechte der Frauen ihren Ehemännern gegenüber.

Eine der wichtigsten Rechte der Frauen gegenüber ihren Männern ist, dass die Männer die Brautgabe wie vor der Ehe vereinbart den Frauen geben. Dazu fordert uns auch Allah im Quran auf, so heißt es in Sura al Nisa:

Und gebt den Frauen ihre Morgengabe als Geschenk. Wenn sie für euch aber freiwillig auf etwas davon verzichten, dann verzehrt es als wohlbekömmlich und zuträglich.”

Auch sollten alle anderen Vereinbarungen, die vor der Ehe getroffen wurden, erfüllt werden.

Ein weiteres Recht der Frauen liegt darin, dass sie von ihren Männern in rechtlicher und gütlicher Weise behandelt werden, dass er im Umgang mit ihr freundlich und nachsichtig ist – und dass er sich Zeit für seine Ehefrau nimmt – letztendlich, dass er sie so behandelt, wie er auch behandelt werden möchte. In Surat Al Baqarah heißt es in diesem Kontext:

Und ihnen (den Frauen) steht in rechtlicher Weise (gegenüber den Männern) das gleiche zu, wie (den Männern) gegenüber ihnen.”

Auch hatten wir in den letzten Wochen gehört, wie der Prophet mit seinen Frauen umgegangen ist, so war er stets bedacht, soweit möglich, gut gelaunt die Zeit mit seiner Frau zu verbringen, er war zuvorkommend und rücksichtsvoll, er lächelte viel und scherzte – die Mutter der Gläubigen Aisha (R.) berichtete, dass er mit ihr aus Spaß um die Wette gerannt sei.

Zu den Rechten der Frau gehört, dass sich der Mann um eine angemessene Wohnung kümmert, dass er für ihre Kleidung und Nahrung aufkommt. In Surat al Baqarah heißt es:

Und demjenigen, dem das Kind geboren wurde, obliegt es, für ihre Versorgung und Kleidung in rechtlicher Weise aufzukommen. Keiner Seele wird mehr auferlegt, als sie zu leisten vermag.”

So ist es die Pflicht des Ehemannes für die finanziellen Mittel aufzukommen – noch wichtiger aber ist, dass der Ehemann sich vom Haram fernhält, denn Geld, dass unerlaubt erworben wurde, wird zum Nachteil derer, die es ausgeben oder verzehren. Auch der Prophet (S) lehrt uns dies im folgenden Hadith: „wann immer du etwas gibst, um damit Allahs Wohlgefallen zu erhalten, wirst du dies bekommen – auch wenn es ein Bissen Essen ist, den du in den Mund deiner Frau legst“. Das bedeutet, wenn der Mann für seine Frau oder Familie Geld ausgibt und seine Absicht ist, Allahs Wohlgefallen damit zu erreichen, dann wird er dafür von Allah belohnt.

In einem weiteren Hadith heißt es über das Spenden: „Ein Dinar den du auf dem Wege Allah spendest, oder ein Dinar, den du aufbringst einen Sklaven zu befreien, oder ein Dinar den du für einen Bedürftigen ausgibst – oder ein Dinar den du für deine Familie ausgibst – von all diesen Spenden ist die, die du für deine Familie ausgibst die größte.“  – dieser Hadith sollte uns lehren, im Umgang mit unseren Frauen oder Familien nicht zu geizen – aber, der Islam lehnt auch die Verschwendung ab – die Mitte dieser beiden Extreme gilt es anzustreben.

Auch sollte sich der Mann davor hüten, wenn er der Frau etwas gibt, dies immer wieder zu erwähnen und in den Vordergrund zu stellen.

Auch gehört es zu den Rechten der Frau, dass sich der Mann um sie kümmert und ihr beisteht, wenn sie krank oder in Nöten ist. Othman ibn Affan blieb von der Schlacht von Badr fern (welche eine der wichtigsten Schlachten im frühen Islam war), da seine Frau – die Tochter des Propheten – erkrankt war. Der Prophet (S) sagte zu ihm „bleib bei ihr – und du wirst den Lohn derer bekommen, die an der Schlacht von Badr teilgenommen haben“.

Der Frau beizustehen liebe Geschwister, ist kein Zeichen von Schwäche oder Mangel an Männlichkeit – vielmehr ist es Ausdruck der Barmherzigkeit und partnerschaftlichen Zuneigung – denn, wer keine Barmherzigkeit zeigt, der wird diese auch nicht erhalten. In einem Hadith lehrt der Prophet (S) „Den Barmherzigen wird sich Allah erbarmen – so erbarmt euch derer, die auf Erden sind, dann werden die, die im Himmel sind, Barmherzigkeit über euch walten lassen“.

Auch gehört zu einem vernünftigen Eheleben, dass man sich austauscht und die Meinung des anderen respektiert und achtet – vor allem aber in Angelegenheiten der Kindererziehung sollten sich die Eltern austauschen und einen gemeinsamen Weg einschlagen. An dieser Stelle möchten wir erwähnen, dass folgende zwei Aussagen keine authentische Ahadith darstellen nämlich „höre dir die Meinung deiner Frau an – und ignoriere sie“ dieser Hadith ist ebenso haltlos wie folgender: „Gehorsam der Frau gegenüber bedeutet Bedauern“. Diese Überlieferungen stammen nicht von unserer Religion sondern von Traditionen und Angewohnheiten.

Auch gehört es zu den Rechten der Frau, dass der Mann – wenn er über mehr Wissen verfügt – ihr nützliches beibringt – vor allem aber, sie in Angelegenheiten der Religion zu lehren. Der folgende Vers zeigt, dass wir hierfür die Verantwortung tragen, so heißt es in Sura al Tahrim:

O die ihr glaubt, bewahrt euch selbst und eure Angehörigen vor einem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind, (…).

Uns selber und unsere Angehörigen können wir nur mit unserem Glauben und unseren Taten vor dem Feuer retten – dazu gehört aber auch, dass unsere Aqida – unsere Glaubensgrundsätze – stimmen und dass wir unsere Gebete zur rechten Zeit einhalten.

Auch sollte der Ehemann seine Frau nicht vor dem Besuch der Moschee – oder den Besuch ihrer Eltern abhalten. Er sollte sie nicht an der Teilnahme des Freitagsgebetes oder von Wissenssitzungen abhalten, wenn hierbei Allahs Grenzen nicht übertreten werden.

Auch sollte der Mann gutes über seine Frau denken und er darf sie nicht zu Unrecht beschuldigen – und übertriebene, grundlose Eifersucht wird von Allah verabscheut. Und hüten sollten wir uns vor den Ungerechtigkeiten – in dem die Männer ihre Stärke zu Unrecht gegen ihre Frauen einsetzen, denn Ungerechtigkeiten werden am Tage der Auferstehung mit Finsternissen vergolten.

Zum Recht der Frau gehört auch, dass du kein Anspruch auf ihr Geld hast – es steht dir nicht zu, dass du es dir zu Unrecht aneignest.

Möge Allah uns helfen das gehörte zu verinnerlichen und uns eine gesunde, gottesfürchtige und glückliche Familie schenken, Amin.