Freie Übersetzung der Freitagspredigt, Ehe- und Familienleben Teil 4 – Der Prophet und der Umgang mit der Ehefrau

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Frieden und Segensgruß über den, der aus Barmherzigkeit den Weltenbewohnern entsandt wurde, Muhamed (S).

Liebe Geschwister,

vor knapp 1500 Jahren – wahrscheinlich um diese Zeit herum – wurde unser Prophet Muhamed (S) geboren – so ehren wir unseren Propheten dieser Tage, dass wir in ihm ein Vorbild sehen und seinem Verhalten nacheifern. In allen Lebenslagen ist der Prophet uns ein Vorbild – so auch im Eheleben.

Wir führen unsere Vortragsreihe über das Ehe- und Familienleben fort und hören heute, was über unseren Propheten in der Rolle als Ehemann überliefert wurde.

Bemerkenswert ist, dass die Aussagen und Verhaltensweisen unseres Propheten als Ehemann so gar nicht in das Bild passen, was der Westen über den Islam hat und was wir hier tagtäglich in den Medien über den Islam hören.

In einem Hadith lehrt der Prophet (S) „Der vollendetste Muslim in Glaubensangelegenheiten ist derjenige, der ein vorzügliches Benehmen hat; und die Besten unter euch sind jene, die ihre Ehefrauen am besten behandeln.” – und der Prophet (S) ergänzte hier: und ich behandle meine Ehefrauen am besten von euch!”

Die Mutter der Gläubigen Aisha (Anmerkung: Die Ehefrauen des Propheten werden aus Respekt „Mutter der Gläubigen“ genannt) – Allahs Segen und Frieden auf ihr – berichtete, dass der Prophet als Ehemann stets ein offenes Ohr für die Probleme seiner Frau hatte, er war bemüht lächelnd und mit guter Laune die gemeinsame Zeit zu verbringen – er war nicht verbissen und hartherzig, nicht überheblich und ungeduldig, sondern tröstete und bestärkte sie – und niemals verletzte er ihre Gefühle mit seinen Worten.

Unser Prophet Muhamed (S) hat niemals eine Frau mit seinen Händen geschlagen!

Auch suchte der Prophet (S) nicht nach den Fehlern oder den Schwächen seiner Frau! Vielmehr überhörte er diese und hielt sie aus!!

Die Nachkommen der Gefährten fragten die Mutter der Gläubigen Aisha (R) – wie der Prophet seinen Alltag mit ihr verbracht hatte – sie antwortete „Der Prophet (S) war der sanfteste der Menschen, und der edelste der Menschen. Er war ein Mann von eurem Volk. Er lächelte viel und brachte sich im Haushalt ein – er reparierte seine Schuhe und flickte sein Gewand. Er kümmerte sich um seine Angelegenheiten. Wenn aber die Zeit des Gebetes anstand, ging er zum Gebet, ohne es aufzuschieben.“

Bemerkenswert hier, dass der Prophet im Haushalt half. Wir wissen, wie klein die Wohnung des Propheten gewesen war – wir wissen auch, dass es in seiner Wohnung teilweise tagelang nichts Warmes zu essen gegeben hat. Es war auch sicherlich nicht so, dass seine Ehefrau sich über die viele Arbeit beschwert hatte – vielmehr tat er es von sich heraus, um ein harmonisches Klima zu schaffen. Es vermittelt ein partnerschaftliches Leben miteinander, was die Zuneigung zueinander verstärkt.

So wurde der Prophet als Ehemann von seiner Ehefrau beschrieben! Auch war es nicht so, dass die Angelegenheit der Dawa ihn dazu brachte, kein Interesse am Familienleben zu haben – oder nur hartherzig und gefühllos zu seiner Frau zu sein.

Liebe Geschwister im Islam, der Prophet (S) ist uns ein Vorbild – er war milde und sanft im Umgang mit seiner Frau – viele von uns aber sind freundlich und nachsichtig wenn sie außerhalb ihrer Wohnung sind – schließen sich aber die Türen und sind sie alleine mit ihren Ehefrauen, dann werden sie plötzlich kalt und hartherzig, ohne Lächeln – ohne Nachsicht – wobei es doch gerade die Familie ist, denen er sich mit seinem besten Charakter präsentieren sollte.

Ein weiteres Beispiel aus dem Eheleben unseres Propheten.

Es ergab sich, dass der Prophet (S) und seine Frau Aisha (R) in einem Streitgespräch waren – dabei erhob sich die Stimme von Aisha über die des Propheten (sie sprach also lauter als der Prophet) – und zufällig kam AbuBakr am Haus des Propheten vorbei – welcher der Vater von Aisha ist. Er war so erbost darüber, dass seine Tochter ihre Stimme über die des Propheten (S) erhob, das Aisha sich hinter dem Propheten versteckte und Schutz vor ihrem Vater suchte! SubhanAllah – und wissen wir doch aus der Geschichte welch weichherziger Mann AbuBakr gewesen war. Sie versteckte sich schützend hinter dem Prophet – mit dem sie sich eben noch gestritten hatte – bis AbuBakr die Wohnung des Propheten verlies. Dann blickte der Prophet lächelnd zu Aisha und sagte ihr im Scherz, um diese Situation zu beenden – und Aisha, habe ich dich vor diesem Mann gerettet?

SubhanAllah, versetzen wir uns in diese Situation und fragen uns, wie wir wohl reagiert hätten.

Ist es nicht ein Zeichen von Stärke, wenn der Mann in solch einer Situation die Ruhe und Souveränität bewahrt? Genau diese Stärke ist auch gemeint, wenn es heißt, dass der Mann über der Frau steht!

Bedenke lieber Bruder im Islam, dass du für deine Frau verantwortlich bist! Du hast sie im Namen Allahs zu deiner Frau genommen – so achte darauf, dass du sie gut behandelst – und das Nachsicht an richtiger Stelle ein Zeichen der Stärke ist. Bedenke auch die folgende Aussage des Propheten (S)

Ein gläubiger Ehemann soll niemals seine gläubige Frau hassen. Wenn er eine bestimmte Angewohnheit von ihr nicht mag, so mag er doch eine andere bei ihr finden, die ihm gefällt.”

Bedenke Bruder im Islam, jeder Mensch ist mit Fehlern behaftet – es gibt keinen Fehlerlosen Menschen auf Erden – so auch deine Frau. Es wird also so sein, dass du Fehler an ihr finden wirst, erinnere dich dann aber auch ihrer Vorzüge – und vergiss nicht, dass du ebenso Fehler hast, die sie an dir sieht.

Und wenn du aber deine Frau demütigst und ihr ein unangenehmes Leben bereitest, so ist dies ein Zeichen von Schwäche und schlechtem Charakter und es entspricht nicht den Lehren unseres Propheten(s). Auch wirst du so kein zufriedenes Leben führen.

Allah der Erhabene sagt zu uns im Quran im Bezug zu unseren Ehefrauen:

…Und lebt mit ihnen in gütlicher ehelicher Gemeinschaft.” (4:19)

Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: “Behandelt die Frauen gut; denn die Frau ist aus einer (gekrümmten) Rippe geschaffen worden, und der am stärksten gekrümmte Teil ist in der oberen Region. Wenn du sie gerade biegen willst, wirst du sie brechen, und wenn du sie lässt, wie sie ist, wird sie verbogen bleiben. Behandle also die Frauen gut.” (Al-Bukhari und Muslim)

In einer andere Version von Al-Bukhari und Muslim heißt es: “Die Frau ist wie eine Rippe: Wenn du versuchst, sie gerade zu biegen, würdest du sie zerbrechen, und wenn du aus ihr Nutzen ziehen möchtest, kannst du es trotz ihres Gebogenseins.”

Aus diesem Hadith kann man verstehen, dass Männer und Frauen in einigen Dingen unterschiedlich sind – und dass man lernen muss, mit diesen Unterschieden ein harmonisches Eheleben zu führen – welches die Grundlage einer gesunden Familie und Kindererziehung darstellt.

Möge Allah uns helfen unserer Verantwortung nachzukommen, uns Geduld und Standhaftigkeit schenken – und uns mit einer gottesehrfürchtigen Nachkommenschaft segnen, Amin.