Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Die Fatwa (das Rechtsgutachten)

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.”

Heute wollen wir uns damit befassen, wer eine Fatwa, also ein islamisches Rechtsgutachten geben bzw. verfassen darf und wie die Voraussetzungen dafür lauten.

Vorweg stellt sich die Frage für wen eine Fatwa einen bindenden Charakter hat.

Der Einflussbereich der jeweiligen Fatwa beruht auf der persönlichen Autorität seines Verfassers; das bedeutet, dass – anders als im Gerichtsurteil – die in der Fatwa vertretene Rechtsauffassung nur bindend für diejenigen Muslime ist, welche die Autorität des Fatwa gebenden auch anerkennen.

Die Auffassung und Erläuterung des Glaubens durch eine Fatwa ohne fundiertes Wissen und ohne die notwendigen Voraussetzungen als islamischen Gelehrten zu haben, ist ein Problem, was heutzutage häufig in unseren muslimischen Gemeinschaften zu beobachten ist.

Allah (ta’ala) hat strikt verboten Fatwa ohne Wissen zu geben. Dies würde zu den größten Sünden bei Allah (ta’ala) zählen.

Denn eine die Erteilung einer Fatwa ohne Basis auf fundiertem Wissen im islamischen Recht und in der islamischen Lehre; kann Menschen in die Irre führen und sie auf dem falschen Weg bringen. So führt die Befolgung falscher Fatwa zu Konflikten zwischen Befürwortern und Gegnern innerhalb des Gesellschaft und zieht auch Allah’s Zorn mit sich.

Ibn Alqaiem – ein bekannter islamischer Gelehrter- sagte:

„Die Sünden sind in vier Stufen unterteilt,

  • die erste davon sind die großen Sünden und üblen Taten (Al Kabaer),
  • die zweite ist das Unrecht (Al Thulm),
  • die dritte ist Allah (ta’ala) jemanden oder etwas beigesellen (Shirk)
  • und die vierte ist über Allah (ta’ala) und den Glauben etwas ohne Wissen zu erzählen bzw. Fatwa zu geben“

Liebe Geschwister im Islam, was halal (also erlaubt) und haram (also verboten) ist bestimmt NUR Allah (ta’ala). Dies ist im edlen Qur’an hinterlegt und in der Sunna erläutert und ergibt sich nicht aus unserer Laune und eigenen Interpretationen.

Wer dies tut, begeht eine große Sünde und zieht Allah’s Zorn auf sich. Entscheidungen und Urteile über Sachverhalte im Islam, sind ein Zeichen des schwachen Glaubens und stellen eine Übertretung der Grenzen zum Haram dar. Dies ist eine schändliche Tat und gegenüber Allah (subḥānahu wa ta’ala)respektlos.

Immer wenn unser Prophet (ﷺ) um eine Fatwa gebeten wurde, gab er Antworten aus dem edlen Qur’an und wartete oft die Offenbarung zu diesem Thema von Allah (ta’ala) ab.

Beispielsweise auf Fragen zum jüngsten Tag, also über Yawm Al-Qiyamah, offenbarte Allah (ta’ala) Muhammad zu sagen, dass er es nicht weiß.

Auch die Sahabis (also die Gefährten) und alle die ihnen folgten sind zu keiner Zeit leichtfertig mit Fatwas umgegangen. Wenn sie gefragt wurden was der Islam zu der einen oder anderen Fragestellung sagt, haben sie sehr intensiv und gewissenhaft nach den Antworten aus dem edlen Qur’an und der Sunnah gesucht und sagten sehr oft, dass sie die Antwort nicht wissen, wenn sie sich nicht 100% sicher waren, diese gefunden zu haben.

Das Erteilen einer Fatwa wiegt bei Allah (ta’ala) sehr schwer und jeder gewissenhafte Muslim hat Furcht und Respekt davor, denn er weiß, dass Allah (ta’ala) ihn zu jedem Buchstabe dieser an Fatwa Yawm Al-Qiyamah zur Rechenschaft ziehen wird.

Als Ibn Umar danach gefragt wurde was der Islam zu einer bestimmten Angelegenheit sagt und er darauf antwortete, dass er die Antwort nicht kennt, haben sich einige gewundert, da sie ihn für einen großen Gelehrten hielten. Doch Ibn Umar antwortete sinngemäß: “Soll mein Rücken die Brücke für euch zum Höllenfeuer sein?”. Dies soll bedeuteten, ob er ihnen etwa eine Fatwa geben soll ohne von dessen Richtigkeit überzeugt zu sein und er für die Erteilung der Fatwa und sie dann für die Befolgung dessen allesamt als Strafe in das Höllenfeuer kommen?

Malek ibn Annas (ein großer islamischer Gelehrter) wurde nach vierzig Themen und Fragestellungen gefragt.

4 hat er beantwortet und bei 36 sagte er ich weiß es nicht.

Wenn alle diese Gelehrten so gewissenhaft mit ihrem Wissen umgehen und Sorgfalt walten lassen, was sagen wir zu unserer bedauernden Situation heutzutage? La hawla wala quwwata illa billaah! Es gibt weder Macht noch Stärke als bei Allah!

Viele die Fatwa ohne Wissen geben, reden über und im Namen des Islam in eigener Interpretation und stellen sogar gestandene Gelehrte aus unserer Zeit in Frage.

Was den Glaube angeht, so halten sie sich für große Imame und können und wollen über alles urteilen und ihre Fatwa abgeben, doch wenn sie krank werden, dann nehmen sie nur den Rat eines spezialisierten Arztes an oder wenn sie etwas bauen wollen, beginnen sie kein Bauvorhaben ohne einen Bauingenieur.

Was für einen Widerspruch tragen diese Menschen in sich! In allen anderen weltlichen Belangen vertrauen sie auf Experten, aber beim eigenen Glaube erlauben sie sich alles dabei fehlt es ihnen bereits an den einfachsten Voraussetzungen um eine Fatwa geben zu dürfen und so führen sie sich selbst und andere in die Irre! Subhana Allah!

Allah (ta’ala) sagt im edlen Quran in der ungefähren Übersetzung:

Und hätte er irgendwelche Aussprüche in Unserem Namen ersonnen, Wir hätten ihn gewiss bei der Rechten gefasst und ihm dann die Herzader durchschnitten und keiner von euch hätte (Uns) von ihm abhalten können.”

Möge Allah uns zu den gewissenhaften Menschen zählen, die Ihre Gelehrten respektieren und  keine Fatwa leichtfertig oder ohne fundiertes Wissen von sich geben. Möge Allah uns dabei helfen den Islam tiefgehend zu erkunden und nach bestem Wissen und Gewissen weiterzugeben. 

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.