Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Die Ereignisse von Paris

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.”

Liebe Geschwister im Islam, As Salamu AlleikumwaRahmat Allah waBarakatuh.

Thema unserer heutigen Khutba ist (in schā’a llāh) unser Standpunkt zu den kürzlich geschehenen schlimmen Ereignissen in Frankreich.

Liebe Geschwister im Islam, wir müssen angesichts der letzten Ereignissen und dem was an Mord und Zerstörung in Paris stattgefunden hat, einen ernsthaften Standpunkt vertreten und diesen Kund tun.

Dies gilt für uns als Individuen, aber auch als Institutionen und Vereine gleichermaßen, unabhängig von den Tätern und deren Motivation.

Ja liebe Geschwister, wir müssen Stellung beziehen und diese Publik machen, damit jeder weiß, was wir als Muslime davon halten und wie wir dazu stehen.

Wir haben Europa und dieses Land freiwillig als unsere Heimat ausgewählt, wir müssen klar und deutlich machen, was unser Glaube und der Islam dazu sagt. Wir müssen viele offene Fragen beantworten, denn dies wird von uns erwartet und wir selbst müssen uns unserem Glauben zuliebe verpflichtet fühlen, die Antworten zu liefern.

Einige dieser Fragen, welche sich Nicht-Muslime stellen, und auf die wir Antworten liefern müssen sind:

1. Freuen sich die Muslime über das Töten der Journalisten, denn diese haben ja die beleidigenden Karikaturen über den Propheten  Muhammad (ﷺ) veröffentlicht?

2. Müssen sich die Muslime tatsächlich verantwortlich und als Bürger europäischer Staaten verpflichtet fühlen?

3. Was sagt der Islam zu diesen Taten, bei den sich Attentäter als gläubige Muslime ausgeben? Ist der Islam dafür oder dagegen?

Liebe Geschwister,

unsere Haltung sollte ausschließlich davon bestimmt sein, was unser Glaube dazu sagt und welche Stellungnahme die islamische Lehre zu solchen Arten von Taten hat. Unabhängig von der aktuellen Situation , dem Gemütszustand, den Emotionen oder politischen Analysen.

Folgend sind die Antworten auf die eben gestellten Fragen:

  1. Der Islam lehnt ausdrücklich solche Taten ab, unser Glaube verurteilt solches Morden und Terror aufs Schärfste, denn weder Glaube noch Verstand akzeptieren oder rechtfertigen solches Handeln.

Denn solche Taten bringen nur Leid und Zerstörung zu den Menschen und Allah (ta’ala) hat uns im edlen Quran (in der Bedeutung) in verschiedenen Suren dazu aufgefordert nichts zu zerstören, nachdem es erbaut wurde, kein Unheil zu verbreiten, denn Allah (ta’ala) liebt die Unheilstiftenden NICHT. So heißt es in Sure 7: al-Araf Vers 56:

Und stiftet auf der Erde nicht Unheil, nachdem sie in Ordnung gebracht worden ist! Und ruft Ihn in Furcht und Begehren an. Gewiß, die Barmherzigkeit Allahs ist den Gutes Tuenden nahe”

2. Diese Taten stellen laut Quran und Sunna unrechtmäßige Übergriffe auf andere dar, welche uns Allah (ta’ala)  im edlen Quran ebenfalls verboten hat. So steht in Sure 5: al-Maida Vers 87:

O die ihr glaubt, verbietet nicht die guten Dinge, die Allah euch erlaubt hat, und übertretet nicht! Allah liebt nicht die Übertreter”

3. Wenn jeder das Recht in die eigene Hand nimmt und Rache an anderen ausüben würde, dann würde diese Welt zugrunde gehen und es gäbe nur Mord, Chaos und Anarchie, was kein vernünftig denkender Mensch akzeptieren kann.

Wir dürfen solche Morde und Terroranschläge in keinster Weise für uns rechtfertigen, selbst wenn diese Zeitschrift die vermeintlichen Bilder veröffentlicht hat oder Muslime woanders auf der Welt Unrecht angetan wird, denn unser Handeln leitet sich aus der islamischen Lehre ab und baut nicht darauf auf, das Unrecht in der gleichen ungerechten Art und Weise zu beantworten, sondern unser Prophet (ist dabei unser Vorbild.

Wenn wir zu Qur’an und Sunna zurückkehren, so finden wir die Antwort darauf, wie wir mit solchen Bildern und Angriffen auf unserem Glauben umgehen können und sollten:

So gibt uns Allah (subḥānahu wa ta’ala) im edlen Qur’an in der ungefähre Bedeutung an mehreren Stellen die Antworten auf solche Situationen in dem er spricht:

 Wir wissen ja, daß deine Brust beklommen ist wegen dessen, was sie sagen.…”

(Sure 15: al-Higr 97-98-99)

Und wenn du diejenigen siehst, die auf Unsere Zeichen (spottend) eingehen, so wende dich von ihnen ab, bis sie auf ein anderes Gespräch eingehen. Und wenn dich der Sheytan nun vergessen läßt, dann sitze nicht, nachdem du dich (daran) erinnert hast, mit dem ungerechten Volk zusammen.”

(Sure 6: al-Anam 68)

Und Wir kehren ihre Herzen und ihr Augenlicht um, so wie sie das erste Mal nicht daran geglaubt haben. Und Wir lassen sie in ihrer Auflehnung umherirren.”

(Sure 6: al-Anam 110)

Und ertrage standhaft, was sie sagen, und meide sie auf schöne Weise.”

(Sure 73: al-Muzzammil 10)

Weitere Antworten dazu finden sich auch in der Sunna des Propheten (ﷺ):

So wurde Muhammad (ﷺ) während seiner Dawah sehr oft angegriffen, beleidigt, als Zauberer und Lügner beschimpft, und auch von Juden offen angegriffen, doch er hat keinen getötet oder befohlen irgendjemanden töten zu lassen. Im Gegenteil! Er ist diesen Menschen mit Geduld und Vergebung begegnet und wendete sich einfach von ihnen ab.

Liebe Geschwister, wir können solche Angriffe auf den Islam mit legalen Mitteln abwehren, so zum Beispiel mit Gerichtsverfahren und Strafanzeigen.

Es ist an der Zeit, dass wir aufhören uns als Opfer wahrzunehmen und den Islam und Muslime durch die schlechten Taten von wenigen Unwissenden und äußerst fragwürdigen Personen oder Gruppen zu geisseln. Der Islam gehört keiner speziellen Gruppe, sondern der Islam ist für ALLE Menschen da und wir dürfen das Feld vor solch irrenden Menschen nicht räumen, denn sonst entsteht nur noch mehr Hass und Islamfeindlichkeit.

Es ist an der Zeit, unsere Verantwortung wahrzunehmen, denn wenn wir  dies nicht selbst tun, werden es andere an unserer Stelle machen mit allen negativen Auswirkungen auf den Islam und den Muslimen in diesem Land und in ganz Europa.

Möge Allah uns davor beschützen. Möge Allah uns davor beschützen und uns Türen zu Seiner Gnade und Seinem Paradies öffnen.

O Allah – schenke uns das Gute im Diesseits und im Jenseits – und schütze uns vor dem Höllenfeuer und Deiner Ungnade.

Gepriesen sei unser Herr – und gesegnet sei unser Prophet (ﷺ).  Und das letzte unserer Bittgebete sei der Dank und die Lobpreisung Allahs.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.