Die Zeit nach Ramadan

 

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

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Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.”

Liebe Geschwister im Islam,

erst vor kurzem haben wir uns über die Ankunft des heiligen Monats gefreut und uns darauf vorbereitet und gegenseitig gratuliert. Heute verabschiedet sich dieser Gast von uns und hinterlässt in unseren Herzen Trauer, Wehmut und Sehnsucht.

Wir haben allen Grund traurig zu sein, denn in Ramadan hat Allah (subhanahu wa ta’ala) das Beste an guten Dingen vereint. Während des Ramadans haben wir die Süße und Zufriedenheit bei der Verrichtung der Ibadat und Bittgebete kennen gelernt. Wir haben mit allen unseren Sinnen gebetet und gefastet, sind Allah (ta’ala) sehr nahe gekommen, haben den Qur’an rezitiert, Spenden an die Armen verrichtet, anderen Brüder und Mitmenschen vergeben und verziehen, kurzum wir haben uns nur noch guten Taten gewidmet.

Ramadan ist von uns gegangen und wir bezeugen, wer von uns ihn im Sinne Allah’s verbracht hat und wer nicht. Die Schule des Ramadan hat geschlossen. Wer erfolgreich war und wer nicht steht nun fest.

Glückwunsch an diejenigen, die bestanden haben und diejenigen, die nicht bestanden haben, denen ist wahrlich viel Gutes entgangen und sie sollten voller Reue zu Allah (ta’ala) zurückkehren.

Die Menschen nach Ramadan lassen sich – wie jedes Jahr- in drei Gruppen unterteilen:

Die erste Gruppe bleibt dran und ihre Beziehung zu Allah (ta’ala) ist nach Ramadan noch stärker. Diese Menschen haben sich während des Ramadans besonders angestrengt und erhoffen sich die Belohnung von Allah, verrichten ihre Gebete weiterhin in der Moschee und tun weiterhin stets Gutes. Sie sind nach Ramadan bessere Gläubige als davor.

Die zweite Gruppe sind diejenigen, die vor dem Ramadan selten in die Moschee gekommen sind, lediglich zum Freitags- und zu Totengebet da waren, selten Gutes getan haben und in Dingen des Glaubens eher geistig abwesend waren. Als dann der Ramadan gekommen ist, haben sie gebetet, gefastet, Gutes getan, ja ihr Glaube wurde insgesamt gestärkt. Die Katastrophe tritt bei ihnen jedoch ein, sobald Ramadan vorbei ist. So kehren diese Menschen schnell zu ihren alten Verhaltensmustern und schlechten Taten zurück und entfernen sich wieder vom Glauben. Für diese Menschen haben wir folgende Ratschläge und Weisheiten:

  • Ramadan ist zwar vergangen, doch Allah (ta’ala) ist und wird weiterhin da sein.
  • Allah (ta’ala) hat euch auferlegt, auch die restlichen Monate euren Glauben zu praktizieren, so wie ihr es im Ramadan getan habt.
  • Wie könntet ihr zulassen, wieder ins Höllenfeuer zu kommen, nachdem euch Allah (ta’ala) im Ramadan davor gerettet hat?
  • Zerstört nicht alles Gute, was ihr während des Ramadan aufgebaut habt!
  • Tauscht eure guten Taten aus dem Ramadan nicht mit schlechten aus!
  • Lasst eure Gesichter mit Gottesfurcht erleuchten, und hütet euch vor der Dunkelheit der Sünde!
  • Und seid vorsichtig, denn ihr wisset nicht, wann ihr sterben werdet, ihr solltet darauf achten, nicht zu sterben nachdem ihr euch von Allah (ta’ala) abgewendet habt, denn das sind wahrlich die Verlierer im Dies- und Jenseits.

Die dritte Gruppe sind die Menschen, denen Ramadan nichts bedeutet. Sie wissen nicht Mal wann er anfing und wann er zu Ende gegangen ist. Im Gegenteil ihre Sünden wachsen gar in diesem Monat, diese Menschen zählen unter den Gläubigen nicht mehr zu den Lebenden auch wenn sie physisch unter uns sind und atmen, denn das wahre Leben und worauf es ankommt, haben sie nicht begriffen.

Liebe Gläubige, folgende Lehren und Erkenntnissen sollte wir aus dem heiligen Monat Ramadan ziehen, um das bestmögliche Nutzen für uns mitzunehmen.

Wir erkennen wie schnell die Tage vergehen. Gestern haben wir uns auf die Ankunft von Ramadan gefreut, heute verabschieden wir ihn. Unser Leben vergeht ebenfalls zu schnell, also sollten wir die uns noch verbliebene Zeit dazu nutzen, unseren Glauben noch mehr zu festigen, Allah (ta’ala) noch näher zukommen und sein Wohlwollen anzustreben, bevor wir vor ihm stehen und zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Verschwendung von Zeit für Sinnlosigkeiten ist ein wahres Verbrechen gegenüber unserem Glauben. So kommt ein vergangener Tag nie wieder und nur unsere Taten bleiben.

Wer Ramadan verabschiedet, voller Reue und abkehrend von der Sünde, sollte standhaft bleiben und stets daran arbeiten, nach Ramadan nicht rückfällig zu werden.

Wer im Ramadan in der Moschee betete, sollte es nach Ramadan weiterhin tun.

Wer den Quran im Ramadan regelmäßig rezitierte, sollte es nach dem Ramadan weiterhin tun.

Wer Gutes während des Ramadan sprach und Almosen spendete, sollte es nach Ramadan weiterhin tun.

Wer im Ramadan ein gutes Benehmen hatte, sollte dieses nach dem Ramadan weiterhin behalten.

Wer von den Schwestern während des Ramadans ein Kopftuch getragen hatte, sollte dieses nach dem Ramadan nicht abnehmen und dieses weiterhin tragen und stolz darauf sein.

Wer das Rauchen und den Alkohol während des Ramadan sein gelassen hat, sollte es auch nach dem Ramadan lassen und nie wieder dazu zurückkehren.

Nimmt euch in Acht vor der Rückkehr des Teufels, denn er war den ganzen Ramadan gefesselt und nun ist er wieder frei und wird alles daran setzen, unseren Glauben und dass was wir in Ramadan erreicht haben zu Nichte zu machen.

Ramadan hat uns gezeigt, wie viel Energie wir haben und wozu wir in der Lage sind. Diese Motivation und Kraft sollte nach dem Ramadan beibehalten werden, auch wenn uns die Stimmung und Atmosphäre aus diesem heiligen Monat fehlen wird. Doch wo immer ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Weiterhin dürfen wir nicht hochmütig und arrogant werden, weil wir im Ramadan so gute Gläubige waren und viele gute Taten verrichtet haben, denn Hochmut verleitet uns durch den Teufel dazu, uns für etwas Besseres zu halten und unsere Sünden klein zu reden.

Oh Allah gib uns Kraft auch nach Ramadan standhaft zu bleiben und mache diesen Ramadan zum Wendepunkt in unserem Leben, durch den wir bessere Muslime und bessere Menschen geworden sind.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.