Freitagspredigt: Die Heirat

 

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten.

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ) Sein Diener, Sein Gesandter ist.

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Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.” [16:90]

Liebe Geschwister,

in unserer heutigen Freitagspredigt wollen wir uns inschallah mit der Heirat beschäftigen.

Die Heirat schützt unsere jungen Brüder und Schwestern davor, falsche Wege im Sinne des Glaubens einzuschlagen und stärkt ihren Iman. Alle Propheten im Laufe unserer Geschichte lebten vor, wie wichtig die Heirat für sie persönlich aber auch für die Gesellschaft ist.

Die Heirat ist die Grundlage, um Familien zu gründen und Kinder zu bekommen und bietet in jeder Hinsicht einen sicheren Hafen und sozialen Rückhalt.

Allah (سُبْحَانَهُ وَ تَعَالَى) sagt im edlen Koran in Surat Al-Rum, Vers 21 (in der ungefähren Übersetzung):

Und es gehört zu Seinen Zeichen, dass Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken.“

Umso verwunderlicher ist es, dass viele unserer jungen Geschwister heutzutage in ein heiratsfähiges Alter kommen, dies bei weitem überschreiten, ohne im Geringsten über Heirat und Familiengründung nachzudenken oder dies überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Viele wetteifern anderen Kulturen und Gebräuchen nach, in denen es meist nur um das eigene Ich geht und der Egoismus im Zentrum steht.

Hierbei können wir auch gewisse Fehler seitens der Eltern feststellen, die ihren Kindern die Bedeutung der Heirat und der Ehe nicht ausreichend klarmachen.

Manche lassen ihre Kinder gewähren und ehe sie sich versehen, sind sie zu alt und nicht mehr in der Lage eine eigene Familie zu gründen und auf eigenen Beinen zu stehen, weil sie sich bislang viel zu sehr auf ihre Eltern verlassen konnten, keine Verantwortung tragen mussten und nur noch an Spaß denken während sie ihre kostbaren Lebensjahre vergeuden.

In einem von Anas Ibn Malik, Allahs Wohlgefallen auf ihm, überlieferten Hadith berichtete er sinngemäß, dass eine Gruppe von drei Männern den Propheten (ﷺ) aufsuchte, um sich über seine Frömmigkeit zu erkundigen. Einer von ihnen beschrieb sich damit, dass er die ganze Nacht im Gebet verbringt, der zweite, dass er ununterbrochen fastet und sein Fasten nicht bricht und der dritte sagte, dass er sich den Frauen enthält und niemals heiraten wird.
Der Gesandte Allahs (ﷺ) sagte daraufhin: „Seid ihr diejenigen, die dies und jenes gesagt haben? Was mich wirklich angeht, so bin ich bei Allah unter euch derjenige, der Allah am meisten fürchtet und Ihm gegenüber am frömmsten ist. Dennoch faste ich und breche mein Fasten, bete ich und gehe schlafen und heirate die Frauen. Wer sich von diesem meinem Weg abwendet, der gehört nicht zu mir!“

Liebe Geschwister,

Die Ehe bietet den Verheirateten Ruhe und inneren Frieden und wir müssen heiratswillige Männer und Frauen unter uns unterstützen und Ihnen den Weg ebnen, um sich und die Gesellschaft vor Sünde und Unmoral zu schützen.

Dabei sollten keine Ausreden gelten, wie zum Beispiel dass die jungen Männer kein Geld hätten oder dass manche Mädchen nicht schön genug wären, denn der Maßstab sollte bei beiden Geschlechtern der Glaube und die Taqwa sein. Alle anderen Aspekte können mit Allahs Hilfe gemeinsam bewältigt werden.

Eltern sollten weiterhin keine übertriebenen Forderungen stellen, wenn jemand um die Hand ihrer Tochter anhält und junge Heiratswillige sollten bei der Suche nach der geeigneten Frau nicht nur auf Äußerlichkeiten oder materiellen Reichtum achten, sondern nach Gläubigen und aufrichtigen Frauen suchen.


Aber wie sieht es damit aus, wenn man verheiratet ist? Worauf sollte man achten, damit die Ehe erfolgreich wird?

Allen voran sollte man stets Allah (سُبْحَانَهُ وَ تَعَالَى) gedenken, lobpreisen und für den Ehepartner dankbar sein. Auch sollte man in den guten Taten und den Ibadat wetteifern, gemeinsame Interessen und alltägliche Belange gemeinsam pflegen. Eine Besonderheit hierbei ist auch, dass wir auch die Lebensumstände hier in Europa richtig verstehen müssen. So haben alle Kulturen und Religionen im Zusammenhang mit der Ehe wertvolle Werte gemeinsam. Der Islam ist dabei keine Ausnahme.

Liebe Geschwister,
es ist wenig zielführend eine zu strenge, harte und unverhältnismäßige Haltung im Hinblick auf die Glaubenspraxis innerhalb der Familie zu verfolgen und ohne jegliche Nachsicht und Rücksicht auf die Belange und Gefühle der Familienmitglieder zu handeln. Wenn die Rolle als Familienoberhaupt aus islamischer Sicht missverstanden wird, führt dies dazu, dass das eigene zu Hause zu einem Ort voller Stress, Unterdrückung und Unsicherheit wird.

Anzumerken ist auch, dass unsere Moscheen junge Muslime über die Ehe aufklären sollten und sie dazu motivieren sollten eine eigene Familie zu gründen, ihr Leben in geordnete Bahnen zu bringen, fern von jeglichen Sünden oder Verfehlungen, welche mit dem Leben als ledige Muslime und Muslimas in Europa einhergehen können.

Abschließen möchten wir mit einem Koranvers und einer Dua.

So heißt es dazu in Surat Al-Furqan, Vers 74 in der ungefähren Übersetzung:

Und diejenigen, die sagen: „Unser Herr, schenke uns an unseren Gattinnen und unseren Nachkommenschaften Grund zur Freude, und mache uns für die Rechtschaffenen zu einem Vorbild.“

In diesem Sinne erheben wir unsere Hände und bitten unseren Schöpfer:

Möge Allah (subhanahu wa ta’ala) allen Heiratswilligen dabei helfen ihren Seelenpartner zu finden und die Ehen aller Gläubigen segnen. Amin.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.