Die drei rettenden und vernichtenden Taten

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten.

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad () Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein; und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.”

Thema unserer heutigen Predigt sind die drei rettenden Tugenden und die drei vernichtenden Taten bzw. Charakterzüge.

Unser Prophet Muhammad (ﷺ) sagt in einem Hadith (in der ungefähren Bedeutung):

„Es gibt drei rettende und drei vernichtende Taten. Die drei rettenden sind:

  • Das Verinnerlichen von Taqwa, also Gottesfurcht in der Öffentlichkeit vor den Menschen und im Geheimen.
  • Unabhängig vom Gemütszustand gerecht zu handeln bzw. sich der Wahrheit zu verpflichten, egal ob man zufrieden oder verärgert ist. 
  • Das Einhalten des Mittelmaß. Sowohl im Reichtum als auch in der Armut.

Und die drei vernichtenden Taten bzw. Charakterzüge sind:

  • Habsucht bzw. der Geiz.
  • triebgesteuertes Verhalten und ein Gefangener der eigenen Gelüste zu sein.
  • sich selbst zu bewundern und von sich voller Hochmut eingenommen zu sein.“

Bemerkenswert ist wie umfassend und bedeutsam dieser Hadith ist. So sollten wir uns bemühen die ersten 3 Punkte anzunehmen und die letzten 3 Punkte zu vermeiden.

Die erste rettende Tugend ist Taqwa zu jeder Zeit und an jedem Ort, öffentlich und insgeheim, wenn wir alleine oder unter Menschen sind, wenn wir uns beobachtet oder unbeobachtet fühlen, denn Allah (ta’ala) bleibt nichts verborgen.

Die Gottesfurcht im Geheimen hat noch mal einen höheren Stellenwert, als die Gottesfurcht in der Öffentlichkeit, denn im Geheimen zeigt sich der wahre Charakter des Menschen und wahrlich gottesfürchtigen werden diejenigen sein, die ewig im Paradies verweilen werden.

So spricht Allah (ta’ala) im edlen Quran (in der ungefähren Bedeutung):

Und das Paradies wird den Gottesfürchtigen nahe gebracht, (und es ist) nicht länger fern. Das ist es, was jedem von euch verheißen wurde, der reumütig war und sich in acht nahm, der den Allerbarmer im Geheimen fürchtete und mit reuigem Herzen (zu Ihm) kam. Geht in das Paradies in Frieden ein. Dies ist der Tag der Ewigkeit.”

In einem von Ibn Abbas überlieferten Hadith sagt unser Prophet Muhammad (ﷺ) (in der ungefähren Bedeutung):

Zwei Augen werden das Höllenfeuer nicht sehen, oder darin verbrannt, das vor Gottesfurcht weinende Auge und ein Auge, welches für Allah wacht bzw. Wache hält.”

Die zweite rettende Tugend ist gerecht zu handeln bzw. sich der Wahrheit verpflichtet zu fühlen. Allah (ta’ala) hat uns auferlegt, gerecht zu sein und die Wahrheit zu sprechen, auch wenn es um uns oder unsere engsten Verwandten geht.

Allah (ta’ala) spricht im edlen Quran (in der ungefähren Bedeutung):

O ihr, die ihr glaubt, seid auf der Hut bei der Wahrnehmung der Gerechtigkeit und seid Zeugen für Allah, auch dann, wenn es gegen euch selbst oder gegen Eltern und Verwandte geht. Ob der eine reich oder arm ist, so ist Allah beiden näher; darum folgt nicht der persönlichen Neigung, auf dass ihr gerecht handeln könnt. Und wenn ihr aber (die Wahrheit) verdreht oder euch von (der Wahrheit) abwendet, so ist Allah eures Tuns kundig.”

 

Die dritte rettende Tugend ist das Einhalten des Mittelmaß. Sowohl im Reichtum als auch in der Armut.

Dies bedeutet bedachtsam mit Geld und Vermögen umzugehen und immer das Mittelmaß anzustreben. Weder verschwenderisch noch geizig sollten wir sein. Allah (ta’ala) beschreibt seine Diener im edlen Quran wie folgt:

Und die, wenn sie spenden, weder verschwenderisch noch geizig sind; sondern maßvoll in der Mitte liegen.”

Unsere Prophet Muhammad (ﷺ) bat Allah (ta’ala) stets um den Erhalt dieser 3 Tugenden.

  • Nun kommen wir auf die drei vernichtenden Taten zu sprechen:

Die erste vernichtende Tat ist die Habsucht bzw. der Geiz.

Der gläubige Muslim ist großzügig in seinem Benehmen, mit seinem Vermögen und mit seinem Wissen. Es passt nicht zu einem gläubigen Muslim ein Geizkragen zu sein.

ʿAbd ar-Rahmān ibn ʿAuf, einer der frühsten Gefährten des Propheten (ﷺ), bat Allah ta’ala in seinen Bittgebeten stets davor seine Seele vor dem Geiz zu schützen. Als er gefragt wurde, warum er dies so oft wiederholte, sagte er sinngemäß:  “Wenn Allah meine Seele vor dem Geiz bewahrt, dann werde ich auch nicht geizig oder ungerecht sein.”

So spricht Allah (ta’ala) im edlen Quran (in der ungefähren Bedeutung):

Und wer vor seiner eigenen Habsucht bewahrt ist – das sind die Erfolgreichen.”

Auch warnt unser Prophet (ﷺ) uns in folgendem Hadith eindringlich vor der Habsucht:

Im Herzen eines jeden Gläubigen befinden sich Habsucht und Glaube nie zur gleichen Zeit.”

Habsucht und Iman schließen sich folglich gegenseitig aus.

Eine freiwillige Spende, sprich eine Sadaqa von einem habsüchtigen und geizigen Menschen hat daher bei Allah (ta’ala) einen sehr hohen Stellenwert, denn dieser Mensch muss gegen sich ankämpfen, um die Spende zu tätigen. Allah belohnt diese nötige Überwindung bei solchen Menschen reichlich.

Die zweite vernichtende Tat ist triebgesteuertes Verhalten und ein Gefangener der eigenen Gelüste zu sein.

So spricht Allah (ta’ala) im Qur’an in ungefährer Bedeutung:

Doch wenn sie dir nicht antworten, dann wisse, dass sie nur ihren eigenen niederen Gelüsten folgen. Und wer ist irrender als der, der seinen niederen Gelüsten folgt ohne Führung von Allah? Wahrlich, Allah leitet das ungerechte Volk nicht.“

Erzähle ihnen die Geschichte dessen, dem Wir Unsere Zeichen gaben, der aber an ihnen vorbeiglitt; so folgte Sheytan ihm nach, und er wurde einer der Irregegangenen.

Und hätten Wir es gewollt, hätten Wir ihn dadurch erhöhen können; doch er neigte der Erde zu und folgte seiner eigenen Neigung. Er gleicht daher einem Hunde: treibst du ihn fort, so hängt er seine Zunge heraus; lässt du aber von ihm ab, so hängt er auch seine Zunge heraus. Gerade so ergeht es Leuten, die Unsere Zeichen leugnen. Darum erzähle (ihnen) die Geschichten, auf dass sie sich besinnen mögen.

Die dritte vernichtende Tat ist sich selbst zu bewundern und von sich voller Hochmut eingenommen zu sein.

Selbstgefällig zu sein und und sich für etwas Besseres zu halten wiegt bei Allah (ta’ala) schwer und kann dazu führen, dass der Gläubige das Diesseits und Das Jenseits verliert.

Denn diese Haltung führt zu Arroganz gegenüber anderen Mitmenschen und dazu hochmütig durch das Leben zu stolzieren, wofür Allah (ta’ala) eine harte Strafe vorgesehen hat. Er liebt nicht, diejenigen die Hochmut in ihren Herzen tragen.

So wurde auch der Sheytan wegen seines Hochmuts aus dem Paradies verbannt, als er sich für besser hielt, als die Menschen, die Allah (ta’ala) erschaffen hat und sich Allah‘s Befehl widersetzte.

Lieber Bruder, liebe Schwester, der tiefere Sinn dieses Hadith liegt darin, dass unsere Rettung und unser Glück in drei Arten der Beziehung liegen, um die wir uns besonders kümmern müssen:

1. Die Beziehung zwischen dir und Allah (ta’ala).

2. Die Beziehung zwischen dir und deiner eigene Seele.

3. Die Beziehung zwischen dir und anderen Mitmenschen.

O Allah, stärke unsere Taqwa, damit wir gerecht handeln und immer die Wahrheit sprechen. Bewahre uns vor dem Geiz und schenke uns das Gute im Diesseits und im Jenseits – und schütze uns vor dem Höllenfeuer und Deiner Ungnade.

Gepriesen sei unser Herr – und gesegnet sei unser Prophet ().

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.