Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Das heutige Bild des Islams

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Allah der Erhabene spricht im Quran, in Sura Al Zumur

Wer ist denn ungerechter, als wer gegen Allah lügt und die Wahrheit, wenn sie zu ihm kommt, für Lüge erklärt? Ist nicht in der Hölle ein Aufenthaltsort für die Ungläubigen?”

Liebe Geschwister im Islam,

das Bild des Islams in den Medien wird zunehmend in ein schlechteres Licht gerückt. Immer wieder werden dieselben Vorurteile über unsere Religion verbreitet, Dinge die einfach nicht der Wahrheit entsprechen. Sie werden verdreht oder aus dem Kontext gerissen dargestellt. Diese Vorurteile halten sich hartnäckig über Jahrzehnte – vielmehr erleben wir, dass diese Unterstellungen zunehmend zu Fakten erhoben werden, die der breiten Öffentlichkeit vorgetragen werden.

Diese Einstellung finden wir nicht mehr ausschließlich im Westen – sondern wir finden sie auch in den islamischen Ländern, wo die islamische Bevölkerung eine islamische Regierung ablehnt.

Heute ist es so, dass Islam automatisch mit Radikalismus, Extremismus, Rückständigkeit, Frauenfeindlichkeit bis hin zur brutalen Barbarei und sinnlosem Blutvergießen gleichgestellt wird.

Jeder Muslim, der diese Berichterstattung verfolgt, dem blutet das Herz, dass diese göttliche und edle Religion in solch einem Licht dargestellt wird. Es blutet mein Herz, das wir Muslime keine Kraft, Würde und Stärke besitzen diesen Vorurteilen entgegenzuwirken, und keine Stärke besitzen, unseren Geschwistern, denen so viel Leid und Unrecht zugefügt wird, zu helfen.

Der Muslim wird sich fragen, wie es dazu kommen konnte, dass solch ein Bild über diese Religion entstehen konnte. Sowohl der Quran als auch die Sunnah des Propheten erziehen den Muslim zu einem selbstlosen, großherzigen, aufopfernden, nachsichtigen und geduldigen Menschen, der stets für die Wahrheit und Gerechtigkeit einsteht – auch wenn dies zu seinem eigenen Nachteil oder dem Nachteil seiner eigenen Familie gereicht werden sollte.

Einige Beispiele hören wir uns an – und fragen uns stets dabei, wie diese Lehren mit dem aktuellen Bild des Islams vereinbar sein können:

In Surat Al Baqarah definiert Allah der Erhabene „Al Birr“ = „Frömmigkeit“, dort heißt es:

…Frömmigkeit ist vielmehr, daß man an Allah glaubt, den Jüngsten Tag, die Engel, das Buch und die Propheten und vom Besitz (also von seinem Vermögen) – obwohl man ihn liebt – den Verwandten gibt, den Waisen, den Armen, dem Sohn des Weges, den Bettlern und (für den Freikauf von) Sklaven, daß man das Gebet verrichtet und die Zakah entrichtet.

Es sind diejenigen, die ihr Versprechen einhalten, wenn sie es gegeben haben; und diejenigen, die in Elend, Not und in Kriegszeiten geduldig sind; sie sind es, die wahrhaftig und gottesfürchtig sind.

Uns Muslimen wird vorgeworfen, dass wir wortbrüchig seien, dass wir uns nicht an Verträge und Vereinbarungen hielten – wobei es ein göttlicher Befehl im Quran ist, wie wir eben gehört haben! Niemals brach der Prophet (ﷺ) sein gegebenes Wort, sei es im Frieden oder im Krieg! In einem Hadith erwähnt der Prophet (ﷺ) dass Wortbrüchigkeit und sich nicht an Verträgen zu halten Zeichen der Heuchler sind.

Sie werfen uns schlechten Umgang mit unseren Frauen vor, dass wir sie unterdrücken und sie nicht wertschätzen. Das, obwohl der Prophet uns allesamt in seiner Abschiedspredigt ermahnt hat, gütig mit unseren Frauen umzugehen indem er sagte

der beste unter euch, ist derjenige der seine Frau am besten behandelt“.

Und in einem weiteren Hadith wurde der Prophet gefragt, wer ist die Person, um deren Wohlwollen und Zufriedenheit ich mich am meisten bemühen sollte? Er sagte ihm “Deine Mutter, deine Mutter, deine Mutter – und dann dein Vater.”

Einst kam ein Sahabi zu dem Propheten und klagte: Ich gehe unter o Prophet – zu viele Sünden habe ich begangen. Der Prophet fragte ihn; Lebt deine Mutter noch? Der Sahabi sagte nein, sie ist verstorben. Dann fragte der Prophet (ﷺ) Hast du eine Tante (mütterlicherseits)?: Der Sahabi sagte ja. Der Prophet antwortete: Geh und ehre sie, tue ihr gutes und kümmere dich um sie, und Allah wird dir deine Sünden vergeben!

Sie werfen uns vor, dass diese Religion intolerant sei, dabei lehrte der Prophet, dass vor Allah alle Menschen gleich sind, egal welcher Hautfarbe oder Abstammung sie seien mögen – kein Mensch ist wertvoller als ein anderer – mit einer Ausnahme: Der meist geehrte Mensch bei Allah ist der Gottesfürchtigste! In einer Zeit, in der Sklaverei und Standesdenken normal waren, befreite der Islam die Menschen aus der Sklaverei anderer Menschen – Bilal, ein ehemals schwarzer Sklave wurde die Ehre erteilt, dass er mit seinen Füßen das Heiligtum der Araber – die Kaaba – bestieg und den Gebetsruf ausrief. Mit dem Islam gab es keinen Unterschied mehr zwischen einem schwarzen und einem weißen, einem gelben oder roten – und das vor 1400 Jahren!

Der Prophet sagte zu seiner eigenen Tochter, Tanten und Onkel: Tut gute Taten, denn eure Verwandtschaft zu mir wird euch am Tage der Auferstehung nichts nützen!

Sie werfen uns Härte und blutrünstiges Verhalten vor – in der Biographie des Propheten finden wir darüber keine Beispiele – stets zog der Prophet die Nachsicht und Vergebung vor, wenn er die Wahl hatte. Einst folgte ihm ein Mann namens „Fudala“ als der Prophet (ﷺ) die Kaaba umrundete, er hatte einen vergifteten Dolch einstecken und den Entschluss gefasst, den Propheten (ﷺ) damit von hinten zu töten. Der Prophet drehte sich zu ihm um, noch bevor er ausholte, legte seine Hand auf seine Brust und fragte „Welches Anliegen verbirgst du in deinem Inneren?. Fudala blickte auf den Propheten und antwortete wahrheitsgemäß „bei Allah, ich kam mit der festen Absicht dich zu töten – es gab niemanden auf Erden, den ich mehr verabscheut habe als dich – bis zu diesem Moment, jetzt gibt es niemanden den ich mehr Liebe als dich, o Prophet“.

Die Lebensgeschichte des Propheten ist voll von solchen Geschichten – und die Muslime übernahmen diese Charaktereigenschaften.

Einst saß der Prophet (ﷺ) mit seinen Gefährten, als ein Leichnam an ihm vorbeigetragen wurde. Als der Prophet dies sah, erhob er sich aus Respekt dem Leichnam gegenüber – seine Gefährten sagten zu ihm: es ist ein Jude, o Prophet Allahs. Dennoch stand der Prophet andächtig auf und sagte, ist es denn keine Seele, die nun verstorben ist? Der Islam lehrt uns, jedes Leben wertzuschätzen und als kostbar zu erachten. Egal wie viele Fehler ein Mensch auch begangen haben mag – bis zu seinem Tod hat er Zeit um Vergebung zu bitten, und keiner weiß, wem Allah in Seiner unendlichen Barmherzigkeit vergeben wird!

Einst ergab sich in Kriegszeiten, dass ein Mann aus Medina die Muslime ausspionierte. Er gab sich als einen der Muslime aus und brachte sensible Informationen an ihre Feinde, den Mekkanern. Als dieser Spion aufflog, sagte einer der Gefährten zum Propheten – „erlaube es mir, und ich werde ihm den Kopf abtrennen“ doch der Prophet verbot es ihm und sagte willst du denn, das die Menschen über mich sagen, dass ich meine eigenen Gefährten umbringe?“

SubhanAllah, dieses Verhalten lebte uns unser Prophet vor – wir finden im Verhalten des Propheten keine Rechtfertigung für all diese grausamen Taten die im angeblichen Namen des Islams in Syrien, Irak, Nigeria und sonst wo begangen werden!

Liebe Geschwister, lasst niemals zu, dass ihr euch zur Ungerechtigkeit verleiten lässt – denn diese bringt Finsternisse mit sich am Tage der Auferstehung. Auch wenn euch Ungerechtigkeit zugefügt wird, lehrt uns unser Glaube, dass wir auch dann gerecht bleiben müssen.  In Sura Al Maida heißt es:

O die ihr glaubt, seid Wahrer (der Sache) Allahs als Zeugen für die Gerechtigkeit. Und der Haß, den ihr gegen (bestimmte) Leute hegt, soll euch ja nicht dazu bringen, daß ihr nicht gerecht handelt. Handelt gerecht. Das kommt der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Allah. Gewiß, Allah ist Kundig dessen, was ihr tut.

Der Quran ist voll von Versen, die uns zu Nachsichtigkeit und Geduld erziehen, was aber nicht bedeutet, dass die Muslime schwach und die Rolle von Opfer einnehmen sollen, wie es heute geschieht. Die Schwierigkeit – oder die Stärke – liegt darin, den rechten Mittelweg zu finden, sich selbst zur Gerechtigkeit zu zwingen und die Gesetze Allahs im Umgang mit seinem Mitmenschen einzuhalten und sich vor dem Verbotenen fern zu halten.

Wie war es denn, als die sogenannten Kreuzritter Palästina eroberten? – sie töteten die Muslime wahllos, über 70.000 haben sie getötet, nachdem sie bereits Al Quds eingenommen hatten. Wochenlang schlachteten sie die Muslime ab. Als dann Allah den Muslimen Salah al Din brachte und dieser den Sieg über die Kreuzritter erlangte, verhielt er sich nicht wie die Kreuzritter – er schlachtete nicht alle Christen ab, wie sie es taten, sondern er ließ ihnen freies Geleit, erlaubte ihnen Palästina zu verlassen oder dort weiterzuleben. Dabei durften sie in Sicherheit ihren Glauben öffentlich ausleben und sie wurden weder schikaniert noch unterdrückt.

Einst beschwerte sich ein blinder Greis bei Omar, dem Khalifen der Muslime. Er sagte ich bin alt, blind und mittellos, ich habe niemanden der mit hilft. Omar erkannte dass er ein Jude war, und sagte zu seinen Gefährten: gibt ihm eine monatliche Rente aus der Staatskasse. Es kann nicht sein, dass wir von ihnen eine Steuer verlangen, wenn sie noch jung und kräftig sind, sie aber dann vergessen und alleine lassen, wenn sie alt und bedürftig sind. Die Anwesenden fragten: Omar, gilt das nur für diesen Mann hier? Omar sagte nein, es ist ein allgemeingültiges Gesetz – das für jeden Bedürftigen gilt!

SubhanAllah – und sie werfen uns Rückständigkeit, Intoleranz und Barbarei vor.

Das Schlimme ist, das einige von uns den Berichterstattungen glauben schenken – sie denken tatsächlich, dass der Islam blutrünstig und kriegerisch ist – und verführt sie dann, falsche Wege einzuschlagen – dass sie nach Syrien in den Krieg auswanden und für den IS kämpfen.

Für die Taten des IS gibt es im Islam keine Legitimation! Wer diesem Weg folgt, der geht in sein Verderben, wie wir in vorangegangen Predigten bereits aufgezeigt haben. Vor Allah ist der Untergang der Welt einfacher, als wenn ein einziger Muslim getötet wird!

Abschließen möchten wir mit Worten eines arabischen Dichters:

Sei nicht ungerecht, auch wenn du im Augenblick der Stärkere bist,

denn jegliches Unrecht wird unweigerlich zur Reue führen

und es wird niemals vergessen werden.

Wie kann dein Auge in der Nacht Schlaf finden,

wo doch der, dem du Unrecht tatest, die Nacht über wach ist und

Trost bei dem Allmächtigen sucht und Gerechtigkeit erbittet

und Allahs Augen niemals schlafen

und Allah dem Unterdrückten Gehör versprach?”

Gepriesen sei unser Herr – und gesegnet sei unser Prophet (ﷺ).  Und das letzte unserer Bittgebete sei der Dank und die Lobpreisung Allahs.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.