Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Al Khawārij

Alles Lob gebührt Allah, dem Herren der Welten. 

Ihn bitten wir um Vergebung, und zu Ihm kehren wir ein. Wir bezeugen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm, dem Einen. Und wir bezeugen, dass Muhammad (ﷺ) Sein Diener, Sein Gesandter ist.

Thema der heutigen Predigt: Al Khawārij

In Surat Al Kahf warnt uns Allah der Erhabene davor zu einer gewissen Gruppe von Menschen zu gehören – dort heißt es (in ungefährer Bedeutung):

Sag: Sollen Wir euch Kunde geben von denjenigen, die an ihren Werken am meisten verlieren, 

deren Bemühen im diesseitigen Leben fehlgeht, während sie meinen, dass sie gut handeln würden?

Dieser Vers verdeutlicht uns, dass es Menschen gibt, die unter Anstrengung Dinge begehen – von denen sie glauben, dass es gut Werke sind – in Wirklichkeit aber sind es Taten die bei Allah keine Anerkennung finden. Diese Menschen erleiden einen unvorstellbar großen Verlust – bemühen sie sich doch im diesseitigen Leben und glauben, dass sie richtig handeln, wenn sie aber vor Allah stehen, werden ihre Taten keinen Nutzen für sie bringen, im Gegenteil.

Liebe Geschwister im Islam,

jeder, der diese Warnung von Allah hört muss sich sorgen, ob er nicht auch zu diesen Menschen gehört. Dieser Vers verdeutlicht uns auch, dass es Dinge im Leben gibt, bei denen es nicht ausreicht, wenn man nur „glaubt“ das richtige zu tun – ohne sich vorher gründlich informiert zu haben. Denn wie wir in den vorherigen Predigten gelernt haben, heiligt der Zweck nicht die Mittel. Um ein gutes Ziel zu erreichen, darf ich keine schlechten Mittel einsetzen. 

Zurzeit erleben wir das Erstarken einer großen Fitnah in unserer Religion. Eine Fitnah, die es bereits zur Zeiten des Propheten Muhammad (ﷺ) gegeben hat – und vor der uns der Prophet (ﷺ) warnte, dass sie wieder kehren wird.

Wir alle bekommen in den Nachrichten mit, was derzeit in Syrien und Irak geschieht – wir sehen grausame Bilder der Enthauptung, Tötungen von unschuldigen Zivilisten – seien sie Muslime oder andersgläubige – und dies vermeintlich im Namen des Islams – zur Gründung eines islamischen Staates im Irak und in Syrien. Diese Bilder werden in den Medien tagtäglich wiedergegeben – und unter all diesen Grausamkeiten steht regelmäßig der Name des Islams. Die Konsequenz dieser Taten ist nun, dass es eine erneute Allianz gibt, die militärisch im Irak und in Syrien Luftangriffe fliegen wird, was erneut Leid und Tod über unsere Geschwister bringen wird.

Und eine weitere Konsequenz ist es, dass das Bild des Islams noch mehr in ein schlechtes Licht gerückt wurde – unsere Religion ist eine Religion der Ehrlichkeit, Nachsicht und Gottesfürchtigkeit – und ist mit diesen Taten – so wie sie uns vermittelt werden – nicht zu vereinbaren.

Der Prophet (ﷺ) sagte:

Der Muslim ist derjenige, vordem seine Mitmenschen sicher sind

– nicht vor dem sich seine Mitmenschen fürchten müssen.!

Es schmerzt zu sehen, das junge Geschwister voller Eifer in einen Krieg ziehen – zu dem all unsere anerkannten Gelehrten sagen, dass es der falsche Weg ist und mit den Werten dieses Glaubens nicht zu vereinen ist. Und unsere Gelehrten sagen, dass diese Leute (die sich heute ISIS = Da3isch nennen) zu den Khawārij gezählt werden müssen. Es wird über Ali (Radi Allahu ‘anhu) berichtet, dass er sagte, dass mit dem oben gehörten Vers auch die Khawārij gemeint seien.

Und der Prophet (ﷺ) sagte über die Khawārij, wann immer ein Zweig von ihnen besiegt wurde, ein neuer erscheinen wird. Sie stiften mit einer Brutalität Unheil im Land und rechtfertigen ihre Taten mit Worten aus dem Islam und beharren darauf, dass sie alleine im Recht sind. Einst warf ein Mann dem Propheten (ﷺ) vor, ungerecht zu sein – der Prophet (ﷺ) sagte danach zu Omar (Radi Allahu ‘anhu) dass dieser zu den Khawārij gehöre und sagte weiter:

Lass ihn Omar, ihm werden Gefährten (später) folgen, von denen du glaubst, dass deren Gebet frömmer ist als das deins – und dass deren Fasten reiner ist als das deins – sie lesen   voller Inbrunst den Quran – aber dieser berührt nur ihre Zungen, nicht ihre Herzen. Sie sprießen im Glauben hervor, wie der Pfeil aus dem Bogen.”

Und in einem weiteren Hadith heißt es:

Es wird in den späteren Tagen eine Gemeinschaft hervortreten, die zum großen Teil aus jungen Männern bestehen wird, mit wenig Wissen und Weitsicht, sie werden gute Worte zitieren (also Quran und Sunnah), aber ihr Imam (ihr Glaube) liegt nur in ihren Zungen. Diese gehören zu den schlechtesten Menschen.”

Ali (Radi Allahu ‘anhu) kämpfte später gegen die Gruppe der Khawārij – Sie sagten zu ihm:

Die Herrschaft gehört einzig und alleine Allah“

– Ali (Radi Allahu ‘anhu) antwortete:

ein wahres Wort mit dem schlechtes gewollt wird“.

Der Prophet (ﷺ) beschrieb die Khawārij (zusammengefasst) mit folgenden Worten:

  • Sie sprechen Worte der Wahrheit – und beanspruchen die alleinige Wahrheit für sich alleine – aber die Worte der Wahrheit verinnerlichen sie nicht, sie liegen lediglich auf ihren Zungen.
  • Die Khawārij werden auch so beschrieben, dass sie schnell andere Muslime zu Ungläubigen erklären – obwohl uns der Prophet (ﷺ) ausdrücklich davor warnt. – So sagen sie, wer eine der großen Sünden begeht ist ein Kafir und es ist eine gottesdienstliche Handlung diesen zu töten und sich seine Besitztümer anzueignen.
  • Sie treten den Herrschern mit Waffen entgegen um diese zu stürzen, da sie annehmen, alleine im Recht zu sein, dass nur ihr Weg der richtige sei – sie glauben mit ihrem oberflächlichem Wissen, dass sie der Sunnah folgen und denken Gutes zu tun – der Prophet (ﷺ) sagte aber genau über diese, dass sie zu den schlechtesten Menschen gehören – und dass die Fitnah, die sie über die gläubigen Muslime ausüben zu den schwierigsten Prüfungen gehört.
  • Sie kleiden sich mit den Kleidern des Islams, sprechen die Worte des Islams, sie fühlen und präsentieren sich als Hüter des Islams, doch ihre Taten sind schlecht.
  • Der Prophet (ﷺ) handelte niemals wie sie es tun, niemals war der Prophet (ﷺ) grausam, brutal oder hartherzig, stolz oder arrogant. Wer immer die Sira liest, sieht dass solche Taten mit dem Islam niemals vereinbar sind.
  • Sie sprechen von großen Taten und von Stärke und gewinnen damit die Herzen der unerfahrenen, jungen Menschen. Sie lehnen die meisten Gelehrten ab und bezeichnen diese als Ungläubige.
  • Sie fordern alle anderen dazu auf, ihnen Folge zu leisten – oder sie werden bekämpft. Zu ihren Merkmalen gehört auch, dass sie nach außen hin rechtschaffen wirken aber so lehrt uns der Prophet (ﷺ) dass ihr Inneres verdorben ist.
  • Sie betören ihre Mitmenschen mit übermäßiger Anstrengung in der Ibadah, setzen auf drakonische Strafen und sind herzlos.
  • Ein weiteres Merkmal ist, dass sie angeben, gute Ziele zu haben – aber die Mittel die sie dafür einsetzen sind schlecht und voller Übel. Diese Mittel widersprechen sogar grundlegenden Regeln des Islams.
  • Sie geben vor, für einen islamischen Staat zu kämpfen um Allahs Gesetz walten zu lassen – doch die meisten, die sie bis jetzt getötet haben waren Muslime, sie töten jeden, der sich ihnen in den Weg stellt – doch kämpften sie bislang kaum gegen das syrische Regime.
  • Sie kämpfen gegen die syrischen Rebellen, anstatt ihren unterdrückten Geschwistern beizustehen. Als zu Beginn die freie syrische Armee eine Gefolgschaft zu ihnen schickte um mit ihnen zu verhandeln, gemeinsam gegen das syrische Regime zu kämpfen, töteten sie einfach die komplette Gefolgschaft – sie verhalten sich wie Tiere.

Der Prophet (ﷺ) sagte über diese Menschen:

sie lesen voller Inbrunst den Quran und denken er sei für sie – doch wird er gegen sie ein Zeuge sein.”

Sie sehen sich im Recht und glauben alles zu wissen, doch Unwissenheit ist ein weiteres Merkmal von ihnen. Sie lehnen die anerkannten Gelehrten ab, sie sind zu stolz ihnen zu zuhören und sich Wissen anzueignen – sie hören nur ihren wenigen, ausgewählten Gelehrten zu, die sonst keiner kennt.

Ein weiteres Merkmal ist, dass Blutvergießen für sie ein Leichtes ist. Leicht fällt es ihnen das Blut der Muslime zu vergießen, sie erklären sie einfach zu Ungläubigen. Und leicht fällt es ihnen auch, das Blut der Nicht-Muslime zu vergießen, so nehmen sie sich ihre Besitztümer und richten nach Belieben über sie. Deswegen erklärte Ali (Radi Allahu ‘anhu) seinerzeit den Khawārij den Krieg und bekämpfte sie.

Möge Allah unserer Ummah in dieser schweren Zeit der Prüfungen Beistehen. Möge Allah unsere unterdrückten Geschwistern Frieden und Sicherheit schenken und die Gerechtigkeit siegen lassen. Möge Allah unsere Ummah auf das rechte Wort einigen.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.