Freie Übersetzung der Freitagspredigt: Al Deen Mu3amalah.

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Alle Herrlichkeit und alles Lob gebührt Allah dem Herrn der Welten.

Allah der Erhabene spricht im Quran

Nimm den Überschuss, 

gebiete das allgemein Gute und wende dich von den Toren ab!”

Liebe Geschwister im Islam,

unsere Religion – die Art und Weise wie wir sie verinnerlichen und ausleben – gebietet auch einen bestimmten Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Gelehrten lehren uns, dass der eben gehörte Vers die Vorzüge des guten Umgangs der Menschen untereinander zusammenfasst!

Nimm den Überschuss, gebiete das allgemein Gute und wende dich von den Toren ab!

1. „Nimm den Überschuss…“: Hierüber sagen die Gelehrten, dass im arabischen mit dem Wort Überschuss – das Gute gemeint ist. Und um an das Gute aus dem Zwischenmenschlichen zu gelangen bedarf es, dass man verzeihend ist. Man sollte nachsichtig und unkompliziert sein und den Menschen nicht aufbürden, wozu sie nicht in der Lage sind. Der Prophet (ﷺ) sagte in diesem Zusammenhang in ungefährer Bedeutung

Vereinfacht und erschwert es den Menschen nicht, verbreitet Hoffnung und seid nicht pessimistisch“.

2. „…gebiete das allgemein Gute…“: damit ist der schöne und gute im Umgang gemeint, aber auch in Wort und Tat, also das du mit deinen Handlungen nichts als das Gute anstrebst, für dich, deine Mitmenschen und die Umwelt.

3. „…und wende dich von den Toren ab!“ Eine der Bedeutungen davon ist, dass du geduldig falsche Anschuldigungen und Unterstellungen aushalten musst und dass man dem Unrecht nicht mit Unrecht begegnen darf! So sagt uns doch der Qur’an:

Die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die maßvoll auf der Erde umhergehen und die, wenn die Toren sie ansprechen, sagen: “Frieden!

Der Prophet (ﷺ) sagte, als der anfangsgenannte Vers (Nimm den Überschuß, gebiete das allgemein Gute und wende dich von den Toren ab!) offenbart wurde,

dass Allah der Erhabene dich dazu aufruft, dass du zu demjenigen die Bindung hältst, der sich von dir losgesagt hat, dass du demjenigen gibst, der dir verwehrt hat und dass du demjenigen vergibst, der ungerecht zu dir war!“.

SubhanAllah! Wie weit entfernt ist doch unsere Ummah von solchen Verhaltensweisen! Der ehrliche und gute Umgang mit unseren Mitmenschen – seien sie Muslime oder nicht – ist eine Pflicht in unseren Glauben nach der wir alle gefragt werden. Unserer edler Prophet (ﷺ) war uns ein leuchtendes Vorbild, sein Umgang mit seinen Mitmenschen wurde von jedem, der ihn erleben durfte hervorgehoben und bestaunt, er war der sanftmütigste unter den Menschen, nie war er hartherzig, hinterhältig oder grausam. Niemals brach er sein Versprechen oder sein gegebenes Wort, er war eine Bereicherung für die Gesellschaft, in der er lebte.

Unser Glaube erzieht uns dazu, dass wir stets bemüht sein sollten, von den Worten und Taten die besten auszuwählen, damit wir Freude und Zuversicht in die Herzen unserer Mitmenschen bringen, dass sie uns vertrauen schenken, dass wir auch verdient haben. In einem Hadith heißt es, dass es nicht zur Eigenart des Moumin gehört zu fluchen oder Schimpfwörter auszusprechen.

Im Quran heißt es:

Und sag Meinen Dienern, sie sollen das, was am besten ist, sagen. Gewiss, der Satan stachelt zwischen ihnen (zu Zwietracht) auf. Der Satan ist ja dem Menschen ein deutlicher Feind.”

Der Gute Umgang der Gefährten und deren Nachfolger unter einander und mit ihren Mitmenschen war einer der wesentlichen Gründe, warum sich der Islam so schnell in der gesamten Welt verbreitet hat. Der Muslim muss stets eine Bereicherung für seine Mitmenschen darstellen, stets muss er sich dem Recht und der Wahrheit verpflichtet fühlen. In einem Hadith sagte der Prophet (ﷺ)

Der Moumin kann mit seinem Charakter die Stufen des in der Nacht betenden und des Fastenden erreichen“.

Und in einem weiteren Hadith heißt es, dass

das Feuer dem Nachsichtigen, Milden und Gutes-wollenden verwehrt ist“.

Zu den guten Charaktereigenschaften gehört,

  • Die Amanah – also dass der Mensch vertrauenswürdig ist! Was dir anvertraut wurde, musst du bewahren, sei es von einem Muslim oder Nicht-Muslim. In einem Hadith heißt es

kein Iman (Frömmigkeit) hat derjenige, dem nichts anvertraut werden kann. Und kein Deen (Glaube) hat derjenige, der sein Versprechen nicht einhält!“.

Und im Quran heißt es

Allah befiehlt euch, anvertraute Güter ihren Eigentümern (wieder) auszuhändigen und, wenn ihr zwischen den Menschen richtet, in Gerechtigkeit zu richten.” 

  • Das Erfüllen der Versprechen und der eingegangenen Verpflichtungen, so heißt es in in Surat Al Isra´:

Und erfüllt die (eingegangene) Verpflichtung. Gewiss, nach der (Erfüllung der) Verpflichtung wird gefragt werden.

  • Ehrlichkeit im Umgang miteinander – nichts auf der Welt darf uns dazu bringen, unehrlich zu sein. Es gehört in keiner Weise zu dem Islam, hinterhältig zu sein. Weder Geld noch Macht darf uns zu Lügnern machen. Der Quran ermahnt uns an vielen Stellen stets zur Wahrheit zu stehen, in Surat Al Taubah heißt es:

O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah und seid mit den Wahrhaftigen”

Liebe Geschwister im Islam, Allah der Erhabene gebietet uns einen tugendhaften Umgang miteinander – und wir müssen ihn umsetzen in unserem Verhalten, mit allen Menschen mit denen wir Kontakt haben, seien es Frauen oder Männer, Kinder oder ältere Menschen, Muslime oder Nicht-Muslime.

Abschließen möchten wir mit folgendem Hadith:

Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der soll gutes sprechen oder schweigen.

Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der soll seinen Nachbarn ehren. 

Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, der soll seinen Gast ehren.

Möge Allah uns helfen das Gehörte zu verinnerlichen und unseren Glauben nach dem Vorbild unseres Propheten Muhammad (ﷺ) wirklich im Umgang miteinander zu leben.

Amin wa-lhamdu-li-llahi-rabbi-l´alamin.